Braunschweiger Drittklässler reden über Sterben und Tod

Braunschweig.  Bei den Drittklässlern der Grundschule Hinter der Masch drehte sich in einer Projektwoche alles um Werden und Vergehen, Leben und Tod.

Eine Gruppe von Mädchen und Jungen der Klasse 3b berichtet über den ersten Tag „Vom Werden und Vergehen“ der Projektwoche. Begleitet werden sie dabei von Doris Schroeder, Ehrenamtliche bei der Hospizarbeit Braunschweig.

Eine Gruppe von Mädchen und Jungen der Klasse 3b berichtet über den ersten Tag „Vom Werden und Vergehen“ der Projektwoche. Begleitet werden sie dabei von Doris Schroeder, Ehrenamtliche bei der Hospizarbeit Braunschweig.

Foto: Sabine Moser

In den Klassen 3a und 3b der katholischen Grundschule Hinter der Masch drehte sich jeweils eine Woche lang alles um Werden und Vergehen, Krankheit und Leid, Sterben und Tod, Trauer und Trösten. Zu Gast waren an der Schule ehrenamtliche Mitarbeiterinnen der Hospizarbeit Braunschweig mit dem Projekt „Hospiz macht Schule“.

Eine Präsentation für Eltern und Großeltern am Ende der Woche zeigte die intensive Arbeit der Mädchen und Jungen. Die Drittklässler trugen in Gruppen jeweils die Ergebnisse eines der fünf Projekttage vor. Bilder schmückten die Wände, Kinderbilder zeigten, wie sie sich und auch die Ehrenamtlichen verändert haben. Plakate erklärten, was ihnen gut tut, wie sie sich gegenseitig trösten können und auch ganz praktisch, was es mit dem Beruf des Bestatters auf sich hat. Graue und weiße Wolken hingen von der Decke. Sie verdeutlichten, dass zum Leben neben Freude auch Leid gehört. Ballons, denen zum Teil die Luft ausgegangen war, zeigten die Vergänglichkeit.

„Hospiz macht Schule“ ist ein bundesweites Projekt der Hospizbewegung für 3. und 4. Klassen und wird in Braunschweig an verschiedenen Grundschulen angeboten. Aber: Sind die acht- bis neunjährigen Kinder nicht zu jung für solch belastende Themen? Annette Förster, Koordinatorin der Projektwoche für die Hospizarbeit in Braunschweig, ist nicht dieser Ansicht. „Kinder werden oft außen vor gelassen bei Tod und Sterben. Im Familienkreis trauen sich die Kinder oft nicht zu fragen“, sagt die Ehrenamtliche. Durch das Projekt bekämen die Kinder Mut, mit ihren Eltern zum Beispiel über die lebensbedrohliche Krankheit der Oma zu sprechen und auch den Eltern falle es einfacher. Dabei betont Förster, dass das Projekt nur stattfinde, wenn alle Eltern zustimmen. Bisher habe das Team gute Erfahrungen gemacht.

Während der Projektwoche sind die Ehrenamtlichen für alle Fälle gewappnet. „Wir wissen, wenn es bei einem Kind einen Todesfall in der Familie gibt“, sagt Kornelia Jasper.

Klassenlehrerin Nicola Stiller-Kaps sei begeistert gewesen, als eine Anfrage von der Hospizarbeit kam: „Ich habe mich entschieden, mit meiner Klasse das Projekt zu starten, weil ich denke, der Tod ist begegnet uns allgegenwärtig. Vor kurzem ist die Mutter eines Kindes dieser Schule gestorben und die Mädchen und Jungen haben es alle mitbekommen.“ Darüber hinaus machten die Kinder immer wieder Erfahrungen mit dem Tod von Angehörigen wie Oma oder Opa. Aber auch, wenn das geliebte Haustier sterbe, sei die Trauer groß. „Die Kinder sind immer sehr neugierig, wenn sie den Film ,Willi will´s wissen` zum Thema Sterben und Tod sehen. Nach den ersten ängstlichen Minuten überwiegen die Neugier und das Wissen-Wollen“, berichtet Förster. Besonders sei immer der Tag, an dem ein Arzt komme und Fragen rund um Krankheiten beantworte. Auch die Familien würden einbezogen. „Ich finde es ganz spannend, welche Fragen über den Unterricht hinausgetragen werden“, meint Claudia Kleine-Tebbe. Ihre Tochter Julika (8) wollte von ihr wissen: „Warum haben alte Menschen längere Finger, und warum kann man den Tod nicht voraussagen?“

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