22 Kilometer: 2019 wird das Braunschweiger Ringgleis geschlossen

Braunschweig.  Zunächst sind zwar noch einige Alternativrouten nötig. Doch Fußgänger und Radfahrer kommen dann schon einmal komplett um die Stadt herum.

Ulrich Prote, Leiter der Abteilung Stadtgrün-Planung und Bau der Stadt Braunschweig, und Ivona Ikic, Projektleiterin für das Ringgleis, stehen mit dem aktuellen Plan auf dem Ringgleis am Kennelbad.

Ulrich Prote, Leiter der Abteilung Stadtgrün-Planung und Bau der Stadt Braunschweig, und Ivona Ikic, Projektleiterin für das Ringgleis, stehen mit dem aktuellen Plan auf dem Ringgleis am Kennelbad.

Foto: Florian Kleinschmidt/BestPixels.de

Das Ringgleis-Projekt wird in diesem Jahr 18 Jahre alt. Eine Bürgerbaustelle gab 2001 die Initialzündung dafür, das Gleisbett zum Geh- und Radweg umzubauen. Im gleichen Jahr nahm die Stadt das Ringgleis in das Städtebauförderungsprogramm „Soziale Stadt“ auf. Pünktlich zur „Volljährigkeit“ wird der Geh- und Radweg nun sozusagen seinen eigenen Weg gehen: Bis Ende des Jahres soll der Ring geschlossen werden.

Doch wie das so ist bei 18-Jährigen, so ganz allein kommen sie auch noch nicht klar. Und so gelingt der Ringschluss vorerst nur über Alternativrouten. Wann die Original-Trasse fertig sein wird, sei ungewiss, sagt Ulrich Prote, Leiter der Abteilung Stadtgrün-Planung und Bau der Stadt Braunschweig. Vor allem im Süden und Osten gebe es noch Hindernisse.

Allen voran zählen dazu die Besitzverhältnisse. In beiden Abschnitten muss die Stadt Grundstücke von der Deutschen Bahn kaufen oder mit dem Unternehmen einen Gestattungsvertrag vereinbaren. Der sieht laut Prote vor, dass der Bereich bebaut werden darf aber im Besitz des Eigentümers bleibt. Eine zeitliche Befristung ist dabei nicht vorgesehen. Auf drei Abschnitten gibt es bereits solche Verträge: Auf dem Gelände des Heizkraftwerks Mitte mit dem Energieversorger BS Energy, an dem die Stadt Braunschweig mit 25,1 Prozent beteiligt ist; auf dem Campus Nord am Bienroder-Weg mit der TU Braunschweig und im Süden an der Borsigstraße mit dem Immobilienentwickler Aurelis Real Estate.

Doch neben den Besitzverhältnissen gibt es noch weitere Hürden. „Drei sanierungsbedürftige Brücken am südlichen Ringgleis sind Teil der Streckenführung mit voraussichtlich sehr hohen Folgekosten“, heißt es von der Stadt. Nachdem bis Oktober im Süden die Strecke an der Borsigstraße und am Reindagerothweg fertiggestellt sein soll, sei eine Erweiterung im Osten zwischen Helmstedter Straße und Georg-Westermann-Allee als nächster Schritt am wahrscheinlichsten, sagt Prote. „2020 wollen wir den Planungsauftrag vergeben, wahrscheinlich an ein externes Ingenieurbüro.“

Die Kosten für den Ausbau der Original-Trasse seien noch nicht einschätzbar. „Die Kosten für den Wegebau an sich sind überschaubar“, sagt er. Denn beispielsweise der Gleisschotter könne als Unterbau verwendet werden. Die Kosten für die Brücken im Süden und Rampenanlagen im Osten, um den Zugang zum Ringgleis zu ermöglichen, seien erst nach einer detaillierten Planung möglich.

Bis Ende 2019 belaufen sich die Gesamtkosten für das Ringgleis laut Stadt auf 7,143 Millionen Euro. Für 2020 bis 2022 sind weitere 1,5 Millionen Euro im städtischen Haushalt für das Ringgleis eingeplant worden. Genutzt werden soll dieses Geld laut Prote zum einen für die Planung neuer Ringgleis-Abschnitte, zum anderen für den Ausbau der bestehenden Strecke.

Geplant sind Beleuchtung, Begrünung, Spielangebote, Sitzgelegenheiten und eine bessere Beschilderung beziehungsweise Kennzeichnung des Wegs. Aber auch die Asphaltierung von weiteren Streckenabschnitten ist angedacht. Das westliche Ringgleis soll nach Wunsch der Verwaltung bis 2021 asphaltiert werden. Die zuständigen politischen Gremien müssen darüber noch befinden.

Vom 22,5 Kilometer langen Ringgleis, das teilweise auf Alternativrouten verläuft, werden bis Ende 2019 bereits 11 Kilometer geteert oder gepflastert sein. Die asphaltierte Strecke ist so lang, weil rund 5 Kilometer der alternativen Routen eine geschlossene Fahrbahndecke haben. Von der Original-Route mit 19 Kilometern, von der Ende des Jahres 13,3 Kilometer fertiggestellt sein werden, sind fast 6 Kilometer gepflastert oder asphaltiert.

Als ein Erfolgsrezept bezeichnet Ivona Ikic, Projektleiterin der Stadt für das Ringgleis, die Bürgerbeteiligung. Sie habe in vielen Punkten zu einer Verbesserung des Wegs geführt und erhöhe zudem die Akzeptanz des Ringgleises in der Bevölkerung. Das sei besonders wichtig, denn schließlich sei der Weg nicht nur ein Freizeitweg. Er leiste auch einen Beitrag zum Klimaschutz, weil ihn viele Menschen beispielsweise nutzen, um mit dem Fahrrad zur Arbeit zu kommen.

Prote: „Der Wegebau ist nur der erste Schritt. Mit der Erschließung neuer Stadträume beginnt eine andere städtebauliche Entwicklungsphase, da Randflächen erschlossen werden.“ Zu sehen sei das beispielsweise am Westbahnhof, so Ikic. Dort haben sich Unternehmen aber auch gemeinnützige Initiativen wie der „Garten ohne Grenzen“ niedergelassen. „Das Ringgleis ist ein Rückgrat der Stadtentwicklung.“

Die Geburtstagsfeier für das Ringgleis lässt übrigens noch ein wenig auf sich warten. Am Westbahnhof soll voraussichtlich im Mai nächsten Jahres ein Fest stattfinden, bei dem der Schluss des Ringgleises gefeiert wird.

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