Wie geht’s nach der Schule weiter? Zwei Braunschweiger berichten

Braunschweig.  Ihr Motto und ihre Erfahrung: Am Ende kommt es darauf an, glücklich zu sein. Umwege sind erlaubt!

Mit der School’s-out-Party ging es erstmal unbeschwert in die Ferien.

Mit der School’s-out-Party ging es erstmal unbeschwert in die Ferien.

Foto: Peter Sierigk

Alles ist neu, alles aufregend – und die Angst, falsche Entscheidungen zu treffen, oft groß. Ein paar Jahre später können die meisten gelassen auf den Schulabschluss und ihren Start ins Berufsleben zurückblicken. So wie diese beiden:

Kai Fricke (43) leitet mit Kollegin Ina Breitfelder den Jugendring Braunschweig, die Dachorganisation von mehr als 30 Jugendverbänden: „Mein Lebenslauf ist nicht besonders geradlinig“, erzählt er: „Ich war nach dem Abi mit der Entscheidung, was ich im Leben eigentlich will, überfordert. Ich fand Physik interessant, der Erzieherberuf gefiel mir und ich habe mich gerne mit Politik und Geschichte beschäftigt. Aber wofür sollte ich mich entscheiden?

Auf Rat meiner Eltern habe ich mich erstmal für ein Studium eingeschrieben: Geschichte. Das war toll, aber da ich kein Bafög bekommen habe, musste ich auf Kosten meiner Eltern leben. Das hat mir nicht gefallen. Ein Freund von mir machte eine Ausbildung bei VW. Fräsen fand ich interessant, also habe ich mich um einen Ausbildungsplatz als Zerspanungsmechaniker beworben und hatte Glück. Ich brach mein Studium ab und ging zu VW.

Die Arbeit dort hat mir gefallen, aber weil es damals zu viele Fachkräfte gab, mussten wir irgendwann in die Montage wechseln. Das habe ich als sehr stumpfsinnig erlebt. Ich war drauf und dran, alles hinzuschmeißen. Zum Glück habe ich das nicht gemacht. Statt überstürzt zu handeln, sollte man, wenn man unglücklich im Job ist, sich in Ruhe überlegen, was man ändern kann. Man braucht einen Plan.

Bei mir war es so: Ich habe meine Arbeitszeit bei VW auf zwei Tage pro Woche reduziert und mein Studium wieder aufgenommen. So war ich finanziell unabhängig. Das war ein gutes Gefühl. Mein Studium zog sich etwas hin, weil ich mich einige Jahre im Asta-Vorstand engagiert habe. Meine Eltern hatten Sorge, dass das schlecht im Lebenslauf aussieht. Aber das Gegenteil war der Fall: Für meine Anstellung beim Jugendring war das mit Sicherheit eine der Schlüsselqualifikationen.

Niklas Reichel (23) studiert auf Lehramt und engagiert sich im Vorstand der Evangelischen Jugend. Er sagt: „Nach der Schule war ich unsicher, ob ich Jura studieren oder Lehrer werden möchte. Ich habe dann erstmal ein FSJ an einer Grundschule gemacht. In diesem Jahr habe ich viel gelernt und schnell gemerkt: Ich will Lehrer werden – aber lieber für ältere Schüler.

Die meisten Jugendlichen, die ich kenne, planen langfristiger, als ich es damals getan habe. Sie machen sich schon ein Jahr vor Schulschluss intensiv Gedanken und schreiben Bewerbungen. Mit Blick auf die Zulassungsbeschränkungen sind viele fixiert auf gute Noten. Mein Eindruck ist, dass die Lernzeit außerhalb der Schule drastisch gestiegen ist. Dennoch sind viele Jugendliche auch an gesamtgesellschaftlichen Themen interessiert: Über den zunehmenden Extremismus und den Klimawandel wird viel diskutiert.

Ich halte es für sehr wichtig, dass man nicht etwas macht, nur weil die Eltern es wollen. Man muss sich klar darüber werden, was man selbst will und warum. Und wenn man merkt, dass man falsch liegt, sollte man den Mut haben, umzuschwenken. Das Leben ist zu kurz, um an Dingen festzuhalten, die man nicht will!

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