Stadt Braunschweig kann neues Grün gut vertragen

Braunschweig.  Die neue Stadtklima-Analyse beweist es. Für das Planen und Bauen soll das Konsequenzen haben.

Symbolischer Blick auf die Innenstadt und die Ringgebiete.

Symbolischer Blick auf die Innenstadt und die Ringgebiete.

Foto: Dieter Heitefuß / Pilot: Siegfried Starke

Das Stadtklima ist eine recht komplizierte Angelegenheit. Will man es so erklären, dass es jeder versteht, müsste man sagen: In der Stadt gibt es sehr viele bebaute Flächen, die sich bei Sonneneinstrahlung aufheizen und durch frische Luftströme aus dem Umland abgekühlt werden müssen. Solche Luftschneisen darf man aber nicht zubauen, sonst wird’s zu warm.

Leider wurde das in der Vergangenheit nicht immer beachtet. Gleichzeitig wollen immer mehr Menschen in der Stadt wohnen, weil sie für Arbeit, Ausbildung, Familie und Freizeit eben sehr attraktiv ist. Deshalb gibt es Neubauten und neue Baugebiete. Damit darf man aber den wichtigen Luftschneisen nicht die Luft abdrehen ...

Genau diese Rechnung und die sich daraus ergebenden Konsequenzen sind jetzt neu in Brauschweigs Stadtklimapolitik. Stadtbaurat Heinz-Georg Leuer und Umweltschutz-Abteilungsleiter Thomas Gekeler versammelten am Mittwoch extra die Presse um sich, um das klarzumachen. Ihr Credo: Klima ist jetzt in Braunschweig auch beim Planen ein Thema.

Da kann und soll es – falls nötig – zu Einschränkungen beim Bauen kommen. Mehr noch: Vorangetrieben durch immer bessere Leistungen der Simulationsrechner, haben die Verantwortlichen der Stadt das Stadtklima bis 2050 unter die Lupe genommen. Ihr Szenario dabei: Es wird zu einer mittleren Erwärmung um 1,8 Grad Celsius kommen.

Um die Wirkungen einer solchen Entwicklung abzumildern, wurden Stadtflächen identifiziert, die noch Grünflächen und kleine Parks vertragen könnten. Dadurch würde das Stadtklima verbessert. Denn es ist klar: Natur brauchen wir zum Atmen, sonst ist die Stadt nicht lebenswert.

Im Originalton klingt das so. Stadtbaurat Heinz-Georg Leuer: „Die Stadtklimaanalyse ist eine wichtige Grundlage für unsere städtebaulichen Planungen. Sie gibt Aufschluss über das Zusammenspiel zwischen großräumigen Freiflächen im Außenbereich, den Luftleitbahnen und überhitzten, dichtbebauten Siedlungsbereichen.“

Im Sinne einer integrierten Stadtentwicklungsplanung lasse die Stadt die Ergebnisse in künftige Planungen einfließen. „Es ist wichtig, die Luftleitbahnen, die kühlere und saubere Luft transportieren, sowie großflächige Parkanlagen und kleine Grünflächen zu erhalten und neue zu entwickeln.“

Thomas Gekeler, Leiter der Abteilung Umweltschutz: „Die Analyse zeigt: Auch in Braunschweig gibt es den Effekt der ‚Städtischen Wärmeinseln‘. In den stark versiegelten Bereichen wie der Innenstadt, Teilen der Ringgebiete und auch in den großflächigen Industrie- und Gewerbeflächen, können in der Nacht bis zu 8 Grad höhere Lufttemperaturen auftreten als im Umland. In Zukunft wird sich dieser Effekt durch den Klimawandel weiter verstärken. Diese Unterschiede sind gerade in heißen Sommernächten problematisch, da durch die erhöhte Lufttemperatur in der Stadt der Schlaf und somit die Regenerationsphase gestört werden kann.“

Das Gutachten zur Stadtklimaanalyse und weitere Karten dazu sind im Internet zu finden unter: www.braunschweig.de/stadtklima

Lesen Sie zu diesem Thema auch den Kommentar von Henning Noske:

Gut, dass die Verantwortlichen jetzt auch das Stadtklima ins Visier nehmen. Ob es ein „großer Schritt“ ist, wie der Stadtbaurat meint, wird man jetzt sicherlich aus den verschiedenen Richtungen und mit unterschiedlichen Gewichtungen diskutieren. Immerhin ist es einer. Und der Blick auf die Stadtkarte mit Nachhol-Flächen fürs Stadtklima zeigt: Es gibt eine Menge zu tun, wenn man es will. Und die Stadtpolitiker wollen. Sie sind auch beflügelt durch die wöchentlichen Klima-Demonstrationen, bei denen Schüler fragen: Was tut ihr eigentlich? Nun, hier ist ein reichhaltiges Betätigungsfeld für die lokalen Parteien, die Stadtbezirksräte und den Stadtrat: Ran an die identifizierten Flächen, gemeinsam mit Bürgern und Lesern. Schafft neue Grünflächen, kleine Parks und Anlagen, lasst die Phantasie spielen. Das ist eine klassische Win-Win-Situation: Gut fürs Stadtklima, weil wir besser Luft kriegen – und gut fürs Stadtklima, weil Braunschweig noch attraktiver wird.

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