Frauen arbeiten deutlich häufiger in Teilzeit als Männer

Braunschweig.  Häufigster Grund für die Arbeitszeitreduzierung: Die Frauen kümmern sich um die Familie.

Es arbeiten zwar fast so viele Frauen wie Männer, aber sie arbeiten viel häufiger in Teilzeit. Meistens treten die Frauen beruflich kürzer, um sich um die Familie zu kümmern.

Es arbeiten zwar fast so viele Frauen wie Männer, aber sie arbeiten viel häufiger in Teilzeit. Meistens treten die Frauen beruflich kürzer, um sich um die Familie zu kümmern.

Foto: vgajic / Getty Images

Noch immer sind es in aller Regel die Frauen, die beruflich kürzer treten, um sich um die Familie zu kümmern. Fast die Hälfte aller Frauen in Deutschland (46,4 Prozent) nannten Kinderbetreuung und sonstige familiäre Gründe laut Destatis im Jahr 2017 als Grund für ihre Teilzeitbeschäftigung. Bei den Männern waren es nur 9,8 Prozent.

„Frauen in Deutschland haben – verglichen mit anderen Industriestaaten – größere Probleme, Familie und Beruf in Einklang zu bringen“, sagt Gerald Witt, Leiter der Arbeitsagentur Braunschweig-Goslar. Er bezieht sich auf die OECD-Deutschlandstudie zur Partnerschaftlichkeit in Familie und Beruf, die 2017 festgestellt hat: „In Deutschland steigt das Arbeitszeit- und Einkommensgefälle, sobald eine Frau Mutter wird, wo sie dann häufig ihre Arbeitszeit reduziert oder ganz aus dem Beruf ausscheidet.“

Mit Blick auf unsere Stadt sagt Gerald Witt: „Dank der guten Konjunktur ist die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im letzten Jahrzehnt in Braunschweig kräftig gestiegen. Aber: Das Beschäftigungswachstum der Frauen basiert allein auf mehr Teilzeit.“ Überproportional oft arbeiteten Frauen zudem in Minijobs.

In der OECD-Studie heißt es: „Deutschland hat mit dem Ausbau der Kinderbetreuung sowie mit der Ausgestaltung des Elterngeldes bereits wichtige Voraussetzungen für eine gleichmäßigere Aufteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit zwischen beiden Eltern geschaffen.“ Doch meistens sind es die Frauen, die beruflich reduzieren: In Deutschland waren 2014 rund 70 Prozent der Mütter erwerbstätig, allerdings arbeiteten mit 39 Prozent überdurchschnittlich viele von ihnen in Teilzeit, und ihre Wochenarbeitszeit ist mit durchschnittlich 20 Stunden relativ kurz. Gleichzeitig übernehmen Frauen laut OECD-Studie fast zwei Drittel der Hausarbeit, der Betreuung von Kindern und Angehörigen.

Ähnlich ist die Tendenz beim Elterngeld. So sieht es in Braunschweig aus: Im Jahr 2018 haben nach Angaben der Stadtverwaltung 3435 Eltern Elterngeld bewilligt bekommen – darunter immerhin 36 Prozent Väter. Die Bezugsdauer beim Elterngeld von Müttern und Vätern unterscheidet sich aber stark: Im Schnitt bekamen Mütter 13,2 Monate Elterngeld, bei den Männern waren es 3,2 Monate.

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