Braunschweigerin des Jahres 2017: So geht es der Gewinnerin

Braunschweig.  Sie hatte Sozialbetrug in der Landesaufnahmebehörde öffentlich gemacht. Die Staatsanwaltschaft kündigt das Ende der Ermittlungen an.

Unsere Leser hatten Nadia Nischk zur „Braunschweigerin des Jahres 2017“ gewählt. Die Laudatio im BZV-Medienhaus hielt der Kriminologe Christian Pfeiffer.Archivfoto:

Unsere Leser hatten Nadia Nischk zur „Braunschweigerin des Jahres 2017“ gewählt. Die Laudatio im BZV-Medienhaus hielt der Kriminologe Christian Pfeiffer.Archivfoto:

Foto: Susanne Hübner

Es war eine Preisverleihung mit Gänsehautfaktor: Als Nadia Nischk im vergangenen November im BZV-Medienhaus zur „Braunschweigerin des Jahres 2017“ ausgerufen wurde, fand der Beifall kaum ein Ende.

Die 49-Jährige hatte den Sozialbetrug an der Landesaufnahmebehörde für Asylbewerber (LAB) aufgedeckt. In mehreren Fällen hatten sich Flüchtlinge durch Mehrfachidentitäten Geld erschlichen. Nadia Nischk hatte dies als Mitarbeiterin der LAB bemerkt, gegen den Willen der Behördenleitung die Polizei informiert und dafür gesorgt, dass die Medien davon erfuhren.

Regelmäßig haben wir bei der Staatsanwaltschaft nachgehakt, wie es um die Ermittlungen steht. Immer wieder hieß es, sie dauerten an; die Sache sei komplex. Die jüngste Nachfrage lässt auf Aufklärung hoffen. Behördensprecherin Julia Meyer kündigte an: „Die Ermittlungen dürften in absehbarer Zeit abgeschlossen sein.“ Im Zuge der bisherigen Ermittlungen habe sich ergeben, dass bei der rechtlichen Würdigung des umfangreichen Sachverhalts eine Vielzahl von unterschiedlichen Aspekten zu berücksichtigen sei. Daher habe vor kurzem noch eine wichtige Zeugenvernehmung stattgefunden.

Die Laudatio auf Preisträgerin Nischk hatte vor einem Jahr der Kriminologe Professor Christian Pfeiffer gehalten, einst Justizminister in Niedersachsen. Er lobte: „Nadia Nischk hat ein enormes Maß an Zivilcourage gezeigt. So etwas brauchen wir für das Funktionieren unseres Gemeinwesens.“

Doch wie geht es Nadia Nischk heute? Wir haben nachgefragt. Sie schreibt uns: „Der Preis hat zwar nicht mein Leben verändert, aber er war eine große Bestätigung für mein Handeln. Es tat sehr gut zu wissen, dass etwas, das man einsam entschieden hat, von vielen Menschen auf diese Weise mitgetragen wurde.“ Die wunderbare Preisverleihung werde ihr unauslöschlich in Erinnerung bleiben. Doch sie räumt auch ein: „Die Ungewissheit über den Ausgang des noch immer laufenden Verfahrens sowie der schale Beigeschmack, für einige Wenige als Verräterin zu gelten, hängt mir noch nach.“ Sie finde es nach wie vor ungerecht, wie mit ihr umgegangen worden sei. „Mich tröstet, dass ich dem Gemeinwohl gedient habe.“

Im Zusammenhang mit den Ermittlungen erklärt sie: „Eines steht doch mal fest: In diesem Fall gibt es keine Gewinner! Die Regierung und die Polizei haben ihre Strategien zum Schutze der Gesetze unseres Landes bezüglich der Ausweispflicht von Einwanderern längst veranlasst und umgesetzt. Wenn ich die Sache richtig sehe, geht es jetzt mit rechten Dingen zu“. Von daher sei der Gerechtigkeit objektiv betrachtet im Zusammenhang mit den Doppelidentitäten von Migranten Genüge geleistet. Das Gesetz sehe ausnahmslos Strafen für gesetzeswidriges Handeln vor. „Das ist es, worum es in diesem Fall doch geht.“

Den Sozialbetrug in der LAB hatte Nadia Nischk als Mitarbeiterin einer Zeitarbeitsfirma aufgedeckt. Ihr Vertrag war nicht verlängert worden. Seit August ist sie wieder auf Arbeitssuche. Bis dahin wirkte sie bei einem großen Projekt mit, bei dem es galt, 800 Filialen umzustellen. In der Zwischenzeit habe sie zusätzlich jeweils Kurse im Projekt- und im Qualitätsmanagement erfolgreich absolviert, berichtet sie.

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