Landesmuseum und Stadt-Museum: Wir zeigen den Grundstein!

Braunschweig.  In unserer Serie über die Maria-Magdalenen-Kapelle: Am Runden Tisch der Kulturdezernentin Anja Hesse gibt es starke Ergebnisse.

Als das Pressehaus noch am Hutfiltern war, wurde dort der Grundstein der Kapelle in einer Vitrine ausgestellt.

Als das Pressehaus noch am Hutfiltern war, wurde dort der Grundstein der Kapelle in einer Vitrine ausgestellt.

Foto: Stadtarchiv

Runder Tisch bei Braunschweigs Kulturdezernentin Anja Hesse, die dazu eingeladen hat. Es geht um die Erinnerung an die 1955 vom Verlag der Braunschweiger Zeitung abgebrochene Maria-Magdalenen-Kapelle in der Innenstadt. Es geht um den einmaligen Grundstein, der damals beim Abriss geborgen wurde und den das BZV-Medienhaus nun im besten und angemessensten Rahmen der Öffentlichkeit zugänglich machen möchte.

Eine solche Präsentation hat eine Vorgeschichte: Der Grundstein von 1499 mit der Magdalenen-Skulptur war von unserer Zeitung bereits in den Jahren nach 1955 in einer beleuchteten Vitrine am Hutfiltern ausgestellt worden.

Zwar berichtete die „BZ“ damals nicht über den Abbruch und das Ringen darum, das im Hintergrund tatsächlich stattgefunden hatte. Doch sie erinnerte am authentischen Ort: „Grundstein der Magdalenen-Kapelle, die vom Jahre 1499 bis 1955 an dieser Stelle stand.“

Als unsere Zeitung den Hutfiltern 1981 verließ, erhielt der Grundstein ein Domizil im Pressehaus an der Hamburger Straße in den Räumen der Geschäftsführung. Von dort zog er 2014 mit dem BZV-Medienhaus an die Lange Straße/Hintern Brüdern zurück in die City.

In der Innenstadt waren inzwischen die Pläne gereift, das Dach der Burgpassage abzureißen und sie als „Burggasse“ wieder zu öffnen. Und damit steht der authentische Ort der Maria-Magdalenen-Kapelle und des Grundsteins für eine Gestaltung und Erinnerung wieder zur Verfügung.

„Wenn man sich diese Vorgeschichte anschaut, dann handelt es tatsächlich um eine einmalige Situation“. meinte nun Braunschweigs Kulturchefin Anja Hesse.

Es geht um ein Stück Geschichte

Tatsächlich handelt es sich beim Grundstein nach Ansicht von Fachleuten wohl um den einzigen derzeit bekannten Grundstein eines mittelalterlichen Sakralbaues. Anja Hesse: „Es geht nicht nur um den Stein und die Skulptur, es geht auch um die auf Stadt und Region ausstrahlende Geschichte, die auch eine Geschichte von Zerstörungen und des Umgangs damit ist.“

Dies unterstreicht Henning Steinführer, Leiter des Braunschweiger Stadtarchivs. Er zeigt noch einmal die Geschichte der Kapelle in den wesentlichen Grundlinien auf:

1237 – Die Kapelle wird als Teil des Stiftes St. Blasii (Braunschweiger Dom) erwähnt.

1499 – Die Kapelle wird im Auftrag des Dekans Johann Blecker neu errichtet.

Nach der Reformation – wird es Damenstift.

1944 – wird der Verkauf durch den Braunschweigischen Kloster- und Studienfonds an das Verlagshaus Limbach wirksam.

Bis 1954 – war die Kapelle nach dem Zweiten Weltkrieg Ausweichquartier für die Reformierte Gemeinde.

1955 – Abbruch der Maria-Magdalenen-Kapelle und Entdeckung des Grundsteins von 1499.

Steinführer hat mittlerweile eine eigene Theorie entwickelt, warum eine solche Skulptur zum Grundstein wurde. „Bei genauerer Betrachtung wird ganz deutlich, dass ihre optische Wirkung darauf abzielte, in einer erhöhten Position angebracht zu sein und als solche betrachtet zu werden“, meint er. Es sei vorstellbar, dass die Stiftsherren am Ende des 15. Jahrhunderts ihre Probleme gerade mit einer Figur der Maria Magdalena gehabt haben könnten – und sie deshalb „beerdigten“.

Das ist nur eine Facette der Geschichte, wie sie demnächst auch museal aufgearbeitet werden könnte. Dafür sorgt der Braunschweiger Dom, dem zunächst auch von der Kulturdezernentin informell ein originäres Recht zugesprochen wurde: Der Grundstein, so die Stadt Braunschweig, sei insbesondere ein wichtiges Dokument für die Geschichte des Stifts St. Blasii und deshalb eng mit der Historie des Braunschweiger Doms verknüpft.

In Abstimmung mit Dompredigerin Cornelia Götz winkten die Dompfarrerin Katja Witte-Knoblauch und Vize-Propst Peter Kapp beim Runden Tisch jetzt jedoch ab. Im Dom sei kein Platz für den Grundstein, außerdem sei er nicht der geeignete Ort für eine Präsentation. An einer Inszenierung und an einer Diskussion beteiligen wolle man sich aber schon.

Deshalb könnten nun das Städtische Museum und das Braunschweigische Landesmuseum zum Zuge kommen.

Auch die Leser dürfen diskutieren

Für ersteres erklärte der Leiter Peter Joch, der Grundstein sei auch ein kulturhistorisches Dokument der Stadtgeschichte und der Entwicklung der Innenstadt. Er sei sehr geeignet für die Ausstellung zur Stadtgeschichte im Altstadtrathaus. Auch die dort tätige Mannschaft von Ehrenamtlichen hatte einen solchen Vorschlag unterbreitet.

Doch auch das Braunschweigische Landesmuseum deckt einen wichtigen Teil der Kapellengeschichte ab. Sowohl Domstift als auch Kloster- und Studienfonds weisen weit über die Stadtgrenzen hinaus ins Braunschweiger Land.

Und so erklärt Hans-Jürgen Derda, stellvertretender Direktor des Landesmuseums: „Wir würden den Grundstein wegen seiner herausragenden Bedeutung gern in einer eigenen Ausstellung präsentieren.“ In diesem Zuge könne auch die angemessene geschichtliche Aufarbeitung erfolgen.

Starke Ergebnisse – die Runde unter Beteiligung der BZ-Redaktion beschloss, auch die Leser unserer Zeitung in die Entscheidung einzubeziehen. An den Investor in der künftigen „Burggasse“ wird eine Einladung zum nächsten Treffen dieses bemerkenswerten Runden Tisches ausgesprochen. Dann wird man die Frage erörtern, wie dort an die Kapelle erinnert werden kann.

Braunschweigs Stadtplaner Klaus Hornung schlug bereits vor, am Original-Ort einen Grundriss in das Pflaster einzulassen. Die Diskussion und die Suche nach Ideen – sie sind eröffnet.

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