Sinti-Forschung ist jetzt im offenen Archiv für alle einsehbar

Braunschweig  Die Schüler der Nibelungen-Realschule übergeben ihre Ergebnisse und Interviews an die Gedenkstätte.

Übergabe der Forschungsergebnisse des Wahlpflichtkurses Geschichte der zehnten Klassen der Nibelungen-Realschule an das Offene Archiv in der Gedenkstätte Schillstraße, links deren Leiter Frank Erhardt.

Übergabe der Forschungsergebnisse des Wahlpflichtkurses Geschichte der zehnten Klassen der Nibelungen-Realschule an das Offene Archiv in der Gedenkstätte Schillstraße, links deren Leiter Frank Erhardt.

Foto: Karsten Mentasti

Zum Ende des Schuljahres und kurz vor dem Ende ihrer Schulzeit am 21. Juni an der Nibelungen-Realschule haben die Jugendlichen des Wahlpflichtkurses Geschichte aus den zehnten Klassen die Forschungsergebnisse ihres Sinti-Projekts an das offene Archiv der Gedenkstätte Schillstraße übergeben.

Deren Leiter Frank Erhardt bedanke sich bei den 22 Schülern, Schulleiterin Edith Böhme, Schulsozialarbeiterin Simone Weiss, Lehrer Lorenz Meyer und Raffela Laubinger, deren Vater Adolf die Deportation in das Konzentrationslager (KZ) Auschwitz überlebt hatte und die den Mädchen und Jungen unter anderem für ein Interview zur Verfügung gestanden hatte.

Erinnerungstafel am Schauplatz

Die Realschüler hatten zu Beginn des Schuljahres erste Eindrücke in eben diesem offenen Archiv in der Gedenkstätte gesammelt, in das sie jetzt ihre gesammelten Unterlagen in einer für das Gedenkstättenkonzept typischen Pappkassette zur ständigen Aufbewahrung übergaben. Außerdem sind Zeitungsartikel über das Geschichtsprojekt und eine DVD mit dem Zeitzeugen-Interview dabei.

Auch heute leben Sinti freiwillig auf einem Platz am Madamenweg zusammen, einige Schüler haben Sinti als Freunde, was sie erst während des Geschichtskurses bemerkten, „und über das Lager in Veltenhof“, in dem alle Braunschweiger Sinti zwischen 1938 und 1943 von den Nationalsozialisten verbannt worden, „wissen selbst viele Anwohner kaum etwas“, berichteten Veltenhöfer Realschüler.

Auch untereinander hatten sich die Schüler zu Beginn und zum Ende des Schuljahres Fragen gestellt und die Antworten aufgenommen. „Wir haben viel dazugelernt, unter anderem dass Sinti ein Teil der deutschen Geschichte waren, sind und bleiben“, berichtete Schüler Marten Diebel.

„So schnell wie sonst nie in Braunschweig“, betonte Gedenkstätten-Leiter Erhardt, wurden in Veltenhof am Sandanger sowie an einer Gedenkmauer an der Schillstraße Erinnerungstafeln an die 1943 deportierten und im KZ getöteten Braunschweiger Sinti angebracht. „Von der Idee bis zur Aufstellung ist nur ein halbes Jahr vergangen, das dauert sonst oft Jahre“, staunte Erhardt.

Auch über Aufstellung und Anbringung der Schilder am 3. März, dem 75. Jahrestag der Deportation, hatten die Schüler mit ihrem speziellen Thema über die Aufarbeitung der Zeit des Nationalsozialismus Aufmerksamkeit erregt. Im März erhielten sie in Berlin aus den Händen von Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble und der Namensgeberin und Holocaust-Überlebenden den zweiten Preis bei dem von der überparteilichen Schwarzkopf-Stiftung „Junges Europa“ ausgeschrieben Margot-Friedländer-Preis.

Studienreise nach Tschechien

Das damalige Preisgeld von 1000 Euro investierte der Kursus in eine Studien- und Abschlussfahrt nach Prag und Brünn in der vergangenen Woche.

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