Gehört Erdgas die Zukunft?

Braunschweig  Ein Leser regt an, Busse mit Erdgas zu fahren. Die Verkehrs-GmbH prüft, ob Dieselbusse ausgemustert werden und andere Antriebssysteme sinnvoll sind.

Am Mittelweg befindet sich eine der beiden Erdgas-Tankstellen Braunschweigs. Betreiber der Tankstelle ist der Energieversorger BS-Energy.

Am Mittelweg befindet sich eine der beiden Erdgas-Tankstellen Braunschweigs. Betreiber der Tankstelle ist der Energieversorger BS-Energy.

Foto: Peter Sierigk

„Warum fahren die Busse der Verkehrs-GmbH nicht mit Erdgas?“

Wie kann man dem Klimawandel begegnen? Auf unserer Internetseite Idee 38 wird ein Wandel der Fahrzeug-Antriebstechnik gefordert. Aber nicht Elektromobilität soll in den Vordergrund rücken, sondern der Erdgas-Antrieb. Zwei Erdgas-Tankstellen gibt es in Braunschweig – ihre Zahl müsse nur erhöht werden. Und mit gutem Beispiel, so der Leser-Vorschlag, solle die Verkehrs-GmbH voran gehen: Erdgas statt Diesel. „Warum fahren nicht auch die Busse mit Erdgas?“

Was ist davon zu halten? Tatsächlich hat der Erdgas-Antrieb zuletzt etwas Rückenwind erhalten. Die Bundesregierung hat beschlossen, Erdgas als Treibstoff bis zum Jahr 2026 steuerlich zu fördern. Doch das reicht alles nicht, glaubt man der Initiative Erdgasmobilität, zu der sich Tankstellen-Ketten, Automobil-Hersteller und Unternehmen der Gaswirtschaft zusammengeschlossen haben. Im Zwischenbericht aus Februar 2018 wird gefordert, die Anstrengungen deutlich zu erhöhen.

Denn die Zahl der Erdgas-Tankstellen steigt nicht etwa, sie fällt: Waren es Anfang des Jahres 2016 noch 911 Tankstellen, so gab es ein Jahr später nur noch 883 Tankstellen bundesweit. Zum Vergleich: Benzin und Diesel wird an 15 000 Tankstellen verkauft.

Das Fernziel, 1300 Erdgas-Tankstellen einzurichten, wird nun schwieriger zu erreichen. Zumal, so der Zwischenbericht: „Aktuell arbeiten circa 80 Prozent der Tankstellen unrentabel.“ Nächstes Problem: Rund 300 Erdgas-Tankstellen benötigen demnächst eine neue Zulassung. Unklar ist, ob ein Modernisierungsbedarf besteht und wie groß der ist.

Dabei sind die Ziele hochgesteckt: Aus aktuell 100 000 Erdgas-Fahrzeugen sollen bis zum Jahr 2024 eine Million Erdgas-Fahrzeuge werden.

Welches Potenzial besteht aber bei Bussen? Die Initiative kommt zum Ergebnis, dass rund 34 000 Dieselbusse bundesweit im Einsatz sind. 1300 Busse fahren mit Erdgas, die Zahl der Elektro-Busse wird mit 168 angegeben. Dass Erdgas-Busse bei Verkehrs-Betrieben nicht sonderlich hoch im Kurs stehen, hat Gründe. Seitens der Verkehrs-GmbH heißt es: „Die Diesel-Technik ist bewährt, zuverlässig und vergleichsweise kostengünstig. Die Abgasemissionen der neuesten Dieselbusse erfüllen die Euro 6 Norm und sind damit deutlich geringer als noch vor Jahren.“

Was natürlich nicht ausschließt, dass man nur etwas macht, weil man es schon immer so gemacht hat. Darum hatte der Planungsausschuss im vergangenen Jahr einen Arbeitsauftrag erteilt, der ausschließen soll, dass die Verkehrs-GmbH bei der Antriebstechnik auf das falsche Pferd setzt.

Deshalb untersucht die Verkehrs-GmbH derzeit mit externer Unterstützung alternative Bus-Antriebssysteme für einen möglichen Einsatz in Braunschweig. Seitens der Verkehrs-GmbH heißt es zur Untersuchung: „Diese Untersuchung bezieht auch Erdgas-Busse mit ein. Aus dem Ergebnis der Untersuchungen können sich weitere Entscheidungen für eine Umstellung der Antriebstechnik ableiten.“

Die Verkehrs-GmbH erwartet, dass die Ergebnisse der Untersuchung im Sommer 2018 vorliegen. Aus dem Ergebnis der Untersuchungen „sollen im Folgenden unter Einbindung der städtischen Gremien dann weitere Entscheidungen für mögliche Umstellungen der Antriebstechnik abgeleitet werden“.

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