Zukunft Journalismus – und was für eine?

Braunschweig  Die Schülerinnen fühlten den Medien den Puls. Die Ergebnisse lassen aufhorchen und sollen diskutiert werden.

Fragebögen entworfen, verteilt und ausgewertet (von links): Hanna Blonski (15), Laura Marquordt (15), Lilly-Marie Braune (15), Emily Buch (16) und Chenoa Gültas (15) in der Christophorusschule. Nicht auf dem Foto ist Anne Bandmann (15).

Foto: Henning Noske

Fragebögen entworfen, verteilt und ausgewertet (von links): Hanna Blonski (15), Laura Marquordt (15), Lilly-Marie Braune (15), Emily Buch (16) und Chenoa Gültas (15) in der Christophorusschule. Nicht auf dem Foto ist Anne Bandmann (15). Foto: Henning Noske

Es kommt nicht ganz unerwartet, dass 40 Prozent der Schüler (Klasse 8 bis 11) praktisch keinerlei Beziehung mehr zur Zeitung haben. Und irgendwie waren wir ja auch schon darauf vorbereitet, dass nur 3 Prozent dieser Schüler nicht regelmäßig im Internet unterwegs sind.

Was die 15- und 16-jährigen Schülerinnen des Braunschweiger CJD-Gymnasiums Christophorusschule da in einer bemerkenswerten Projektstudie aber noch herausgefunden haben, lässt manchen erleichtert aufhorchen: Zeitungen und Journalisten befinden sich gerade nicht auf einem absteigenden Ast.

Irgendwann in den nächsten 15 Jahren, sagen viele Schüler, würden die Zeitung und der klassische Journalismus für sie wieder wichtig sein. Soziale Medien hingegen haben bereits jetzt in Zeiten von „Fake-News“ ein Glaubwürdigkeitsproblem. Da können sich Acht- bis Elftklässler vorstellen, dass man sich da künftig wohl lieber nicht drauf verlässt.

Für Anne Bandmann (15) sind das durchaus unerwartete Ergebnisse. Klar, die Säulen von Zeitung und öffentlich-rechtlichen Funkmedien in ihren Diagrammen machen sich recht kümmerlich aus gegenüber denen der sozialen Medien im Internet.

An der Spitze steht hier übrigens mit großen Vorsprung das Bilderforum Instagram vor dem Video-Portal You Tube. Selbst Facebook ist in dieser jungen Zielgruppe (13 bis 17 Jahre) schon klar abgehängt auf Rang 3. „Aber die Journalisten werden die Möglichkeit behalten und künftig sogar ausbauen können, Information und Meinungsbildung entscheidend zu beeinflussen“, erklärt Anne Bandmann.

Gemeinsam mit ihren Mitschülerinnen Hanna Blonski, Laura Marquordt, Lilly-Marie Braune, Emily Buch und Chenoa Gültas hat sie unter der Anleitung von CJD-Sprecher Hubert Hüttermann ein halbes Jahr lang mehrere Tausend Antworten mit Hilfe einer Marktforschungsdatenbank ausgewertet.

Die von ihnen selbst zusammengestellten Fragebögen waren von insgesamt 253 Schülern im CJD-Gymnasium, dem Gymnasium Kleine Burg, dem Wilhelm-Gymnasium und der International School beantwortet worden. Neben unserer Zeitung unterstützten auch die Schulleiter Ingo Stübig (Kleine Burg) und Volker Ovelgönne (Wilhelm-Gymnasium) das Projekt. Für CJD-Gesamtleiterin Ursula Hellert wirft es ein Blitzlicht in die spannende Frage künftiger Mediennutzung.

„Natürlich war es spannend, hier einmal solche Einblicke bekommen zu können“, berichtet die 16-jährige Emily. „Was muss man also jetzt tun, um dem Aussterben von Zeitungen entgegenzuwirken?“, formuliert sie die für sie entscheidende Frage dann etwas drastisch.

In der Hauptsache geht es dabei wohl um Vertrauen in die Journalisten. Für die Schülerinnen ist vollkommen klar, dass dies das Entscheidende ist, egal, auf welchen Kanälen diese Journalisten dann ihre Informationen und Botschaften senden.

Da ist es schon interessant, von ihnen zu erfahren:

– Sechs von zehn Schülern der Klassen 8 bis 11 in dieser Befragung sind heute bereits überzeugt, dass jeder im Internet einen „Shit-Storm“ erzeugen kann.

– Sechs von zehn Schülern der Klassen 8 bis 11 in dieser Befragung glauben heute nicht mehr, dass man „Shit-Storms“ im Internet überhaupt noch verhindern kann. Bei solchen Stürmen wird nur noch gepöbelt und beleidigt.

Das sind bemerkenswerte Erkenntnisse, die es sich zu diskutieren lohnt. Unsere Zeitung präsentiert sie gemeinsam mit den Schülerinnen an diesem Donnerstag im BZV-Medienhaus (siehe Service).

Dabei sind auch BZ-Chefredakteur Armin Maus, die Braunschweiger Presseclub-Vorsitzende Claudia Gorille (Norddeutscher Rundfunk NDR, Studio Braunschweig), Online-Chef Siegfried Denzel (News 38) und Hörfunk-Moderator Sascha Polzin (Radio 38). Zu dieser Runde gesellt sich der Ex-IHK-Chef Wolf-Michael Schmid, der vielen aktuellen Erscheinungen im Journalismus derzeit ganz besonders kritisch gegenübersteht.

Interessant übrigens, dass es von den am Projekt „Journalismus der Zukunft“ beteiligten Schülerinnen nur eine tatsächlich selbst in die Branche zieht.

„Ich möchte definitiv etwas mit Medien machen, gerne, wenn es gedruckt wird, aber ich bin natürlich für alles offen“, sagt Emily. Chenoa will Juristin werden, Lilly-Marie und Laura zieht es in die Medizin. Hanna sogar in die Luft- und Raumfahrttechnik. Alles Felder, keine Frage, in denen es ebenfalls auf glaubwürdige, verlässliche Informationen ankommt.

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