Eine Straße quer durch den Bürgerpark? Es hagelt Kritik

Braunschweig  Kleingärtner und Baumschützer protestieren gegen die Pläne für einen „Parkway“. Die Debatte zu den Ideen der Architekten nimmt Fahrt auf.

Ihr Name: „Parkway“ – eine Stadtstraße mitten durch den Bürgerpark, ein südlicher Ringschluss, in Fortsetzung des Altewiekrings im Osten und des vom Hauptbahnhof kommenden Heinrich-Büssing-Rings. Und so würde die Straße verlaufen: auf dem bereits jetzt bestehenden Friedrich-Kreiß-Weg, einem Privatweg, an den Tennisplätzen vorbei über den Okerarm, quer durch die Kleingärten, dann über die Theodor-Heuss-Straße bis hin Richtung Frankfurter Platz.

Das ist die Vision von 15 Braunschweiger Architekten, die sich in einem Workshop jetzt Gedanken über eine neue Braunschweiger „Südstadt“ jenseits des Europaplatzes gemacht haben – und über einen „Parkway“.

Worum geht es?

Die Parkstraße nimmt eine zentrale Positionen in den Überlegungen ein. Denn sie könnte die beiden Ost-West-Querungen entlasten: im Süden die Eisenbütteler Straße und im Norden den Kalenwall und die Konrad-Adenauer-Straße. Wobei gerade die beiden letzteren Trassen es sind, die den Park von der Innenstadt bislang abschneiden.

Die Folien, auf denen Architekt Michael Peter und seine Mitstreiter den „Parkway“ mit Leben erfüllt haben, zeigen Autos, dazwischen Inlineskater und Jogger – ein Bild, als wäre der Betrachter direkt im New Yorker „Central Park“. Und der sei auch ein bisschen Vorbild, sagt Peter. Motto: Warum nicht – ein bis zwei Nummern kleiner – das Ganze so ähnlich in Braunschweig? Die Outdoor-Trendsportarten nähmen schließlich zu, erklärte Peter unlängst bei der Vorstellung der Pläne im Artmax. Eine Belebung des Parks sei wünschenswert. Abgesehen von der Okercabana im Sommer, sei der Park meist „beängstigend leer“, so Architekt Welp von Klitzing, ein Befürworter des „Parkways“, während Kollegin Bettina Brosowsky Kritikern vorhält: Die Idee, einen „Durchbruch“ zu schaffen, sei nicht neu. Bereits in den 1960er- und 70er-Jahren habe es ganz konkrete Pläne gegeben.

Was sagen Kritiker?

Von ihnen gibt es viele. Der „Parkway“ stößt bei vielen Braunschweigern, die „ihren“ Bürgerpark lieben, auf Ablehnung. Die Ruhe und Beschaulichkeit gehe verloren. Andere, wie die Bürgerinitiative Baumschutz, sagen: Der Park würde in zwei Hälften zerschnitten, von Autolärm und Abgasen beeinträchtigt, weiter versiegelt und seines Charakters als Ruhe- und Erholungsraum beraubt. Falsch sei auch, Randbereiche zu „entbuschen“ und Sichtachsen zu schaffen. Der Verlust von Büschen und Bäumen bedeute immer Nachteile für Natur und Artenvielfalt.

Gegenwind kommt auch von den Kleingärtnern des Vereins Okerwiese. Die Parkstraße würde direkt durch ihre Anlage führen – ein No-go für die Kleingärtner. „Das wäre für uns sehr schlimm“, sagen Vorsitzender Klaus-Günter Müller und die rund 80 Mitglieder und verweisen darauf, dass man schon seit über 80 Jahren dort ansässig sei. Und nun das.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder
Leserkommentare (71)