Hier tüfteln Programmierer von morgen

Braunschweig  Beim Verein Stratum 0 lernen Kinder, Spiele zu programmieren und einen 3-D-Drucker zu bedienen.

Lara Schauder (10) schaut konzentriert zu, wie am 3-D-Drucker ein Teil ihres selbstentworfenen Spielzeugs entsteht.

Lara Schauder (10) schaut konzentriert zu, wie am 3-D-Drucker ein Teil ihres selbstentworfenen Spielzeugs entsteht.

Foto: Wiebke Schwarze

Auf einer Computerplatine, die etwa so groß ist wie eine Spielkarte, sind LED-Lämpchen in einem Quadrat montiert. Ein Kabel führt zu einem streichholzschachtel-großen Batteriefach. Wenn Michael die Platine schüttelt, fangen die LEDs an zu leuchten. Nicht einfach nur so – sie bilden Buchstaben. M-I-C-H-A-E-L. Michael lernt gerade erst lesen und schreiben, aber er hat den Minirechner so programmiert, dass der seinen Namen anzeigt. Er ist eines von sechs Kindern, dass zum Coder Dojo des Vereins Stratum 0 in den Schimmelhof gekommen ist.

Programmierkurs nennt der Computerverein das Treffen, das elf Mal im Jahr stattfindet. Doch die Kinder sitzen nicht da und versuchen, das nachzuvollziehen, was ein Lehrer ihnen erklärt. Selbermachen ist angesagt, eigene Projekte verfolgen. Ausprobieren, scheitern, vorankommen – Spaß haben. Manche arbeiten wie Michael mit den Mini-Computern, die Micro Bits heißen. Andere erstellen einfache Spiele oder Animationen mit dem Programm Scratch an Laptops oder tüfteln am 3-D-Drucker. Unterstützt werden sie dabei von Mentoren. Mitglieder des Vereins, die den jungen Programmierern mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Die zehnjährige Lara begeistert sich für den 3-D-Drucker. Sie hat vor ein paar Wochen eine kleine Monsterfigur und eine weiße Halbkugel aus Plastik gefunden. Für sie ist klar: Es ist die untere Hälfte eines Pokéballs. Darin werden in der Comicserie Pokémon die kleinen Monster transportiert. Doch die obere Hälfte des Balls und der Verbindungsring fehlen. Da kommt der 3-D-Drucker ins Spiel. Mit dem kann Lara die fehlenden Teile einfach selbst herstellen. Obwohl, so einfach ist es dann doch nicht. Mit Hilfe einer Schieblehre müssen die richtigen Maße der Bauteile ermittelt werden, damit sie zur gefundenen Halbkugel passen. Daraus entsteht ein 3-D-Modell, dass dann an den Drucker geschickt wird. Die Programmsprache ist Englisch. Ziemlich komplexe Sache. Gut, dass Lara Hilfe hat von Stephan Voß.

Voß gehört zum Mentoren-Team und freut sich, wenn er Kindern wie Lara helfen kann: „Als ich etwa 12 war, musste ich mir alle Computer- und Programmierfähigkeiten selbst beibringen. Das war mühsam. Da hätte ich es toll gefunden, wenn ich jemanden gehabt hätte, der mir die Grundlagen zeigt.“ Außerdem gehe es nicht nur um die Kenntnisse an sich. Voß: „Beim Programmieren lernt man, ein sehr komplexes Problem in so kleine Einzelschritte zu zerlegen, dass man sie gut handhaben kann.“ Das sei für viele Bereiche im Leben nützlich.

Im Nebenraum sollen Eichhörnchen Eicheln sammeln. Wer die meisten Punkte hat, gewinnt. Das ist das Prinzip des Spiels, das sich die 12-jährige Lea überlegt hat. Die Eicheln fallen schon üppig in verschiedenen Farben vom Himmel, eines der beiden Tiere auf dem Laptop-Bildschirm lässt sich auch schon steuern. Nur das andere nicht. Daran tüftelt Lea. Ihr Vater schaut ihr über die Schulter und freut sich mindestens so sehr wie Lea, wenn sie einen Schritt weiterkommt. „Ich finde das toll hier“, sagt Leas Vater Thomas Hartwig: „Die Atmosphäre ist locker, die Kinder können machen, was ihnen Spaß macht und alle sind so nett und hilfsbereit.“

Er selbst hat zu Hause, inspiriert von der Begeisterung der Tochter, auch schon ein kleines Spiel auf die Beine gestellt. Darin steuert der Spieler eine Fledermaus an allerhand Hindernissen vorbei zum Strand. Doch was Lea macht, ist ausgefeilter, gibt auch der Vater zu.

Als der 3-D-Drucker anspringt, setzt sich Lara ganz dicht vor das Gerät. Konzentriert schaut sie zu, wie die Maschine Kunststofflage um Kunststofflage aufbringt, bis sich langsam eine Halbkugel ausbildet. 35 Minuten wird das dauern. „Das macht richtig viel Spaß. Nur das mit dem Englisch ist schwierig“, sagt sie. „Wäre toll, wenn wir so was auch mal in der Schule machen würden.“

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