Keine Zuschüsse mehr? Flughafen Braunschweig muss sparen

Braunschweig  Thies Hinckeldeyn wird neuer Geschäftsführer. Er soll Kosten senken und neue Geschäftsfelder erschließen. Boris Gelfert geht.

Der Flughafen Braunschweig-Wolfsburg steht vor neuen Aufgaben und vor Investitionen in Millionenhöhe. Deshalb werde man die Geschäftsführung der Flughafen GmbH vorübergehend, genauer: für rund ein Jahr erweitern, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Der Unternehmensberater Thies Hinckeldeyn werde im Dezember als zweiter Geschäftsführer in das Unternehmen eintreten.

Das habe der Aufsichtsrat beschlossen. Der 67-Jährige war von 2000 bis 2009 Geschäftsführer der Braunschweiger Stadtwerke und hatte als Vorstandsvorsitzender die angeschlagene Verkehrs-AG saniert. Nach 2005 war Hinckeldeyn mehrere Jahre Dezernent der Stadt Braunschweig und hier verantwortlich für die städtischen Betriebe.

Warum kommt Hinckeldeyn?

Dazu hieß es, man müsse jetzt „die Weichen stellen“, um die Leistungsfähigkeit und Innovationskraft des Flughafens für die Zukunft zu sichern. Um die anstehenden Aufgaben bewältigen zu können, sei es notwendig, die Geschäftsführung für einen begrenzten Zeitraum zu verstärken.

Und zur Aufgabenverteilung: Der bisherige Geschäftsführer Boris Gelfert werde in dieser Zeit wie bisher die laufenden Geschäfte führen, der neue Mann, Thies Hinckeldeyn, die neuen strategischen Aufgaben wahrnehmen. Das erklärte Aufsichtsratsvorsitzender Matthias Disterheft.

Was macht Gelfert?

Boris Gelfert (52) hatte die Leitung des Flughafens im April 2007 übernommen. Er werde auf eigenen Wunsch im Laufe nächsten Jahres aus dem Unternehmen ausscheiden und sich „neuen Aufgaben“ widmen, hieß es. Wie Disterheft betonte, gehe es bei dieser Personalie „nicht um Streitigkeiten“.

Es sei für ihn an der Zeit, „etwas Neues“ zu machen, sagte Gelfert vor Journalisten. Bei der Auswahl des neuen Geschäftsführers solle ein Personalberatungsunternehmen mit der Suche beauftragt werden.

Warum muss gespart werden?

Laut Aufsichtsrat stehen „erhebliche Herausforderungen“ für den Flughafen an. Es gehe deshalb darum, Kosten einzusparen, um künftig zuschussfrei arbeiten zu können, sagte Braunschweigs Erster Stadtrat Christian Geiger. Die Stadt ist zu 42,6 Prozent Eigentümerin der Betreibergesellschaft.

Hintergrund: Laut Geiger zeichnen sich auf EU-Ebene einschneidende Veränderungen ab, was die Bezuschussung von Regionalflughäfen betrifft. Die Europäische Kommission habe bereits im Grundsatz festgelegt, dass Flughäfen – ab 2018 – innerhalb der nächsten zehn Jahre keine Zuschüsse mehr erhalten dürfen, um Wettbewerbsverzerrungen auszuschließen, so Geiger.

Der Rat der Stadt habe in diesem Zusammenhang beschlossen zu prüfen, ob die Gesellschaft ab 2024 ohne Zuschüsse auskommen kann. „Wir sind künftig also zum Erfolg verdammt“, so der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende, Sabah Enversen. Deshalb seien „sozialverträgliche Kostensenkungen“ zu prüfen.

Doch es bestehen in dieser Sache offenbar Fragezeichen. So sei zum jetzigen Zeitpunkt noch unklar, ob die EU-Regelung auch für den Braunschweiger Forschungsflughafen gelten werde. „Die EU-Regelungen sind hier eventuell nicht zu 100 Prozent anwendbar“, sagte Christian Geiger. Das müsse man prüfen.

Wo wird investiert?

Kosten sparen will der Flughafen zum einen beim Brandschutz. Diesen übernehme man künftig in Eigenregie, hieß es. Nebeneffekt: Man entlaste damit die Braunschweiger Berufsfeuerwehr.

– Konkret geplant sei der Bau einer neuen Feuerwache am Flughafen (Kosten: rund 2,5 Millionen Euro), verlegt werden solle die Kfz-Werkstatt (Kosten: 1 Million Euro). Bereits in den Brandschutz investiert habe man 0,5 Millionen Euro.

Zudem seien umfangreichen Sanierungs-, Instandhaltungs- und Unterhaltungsmaßnahmen an den 80 Jahre alten Liegenschaften erforderlich, so Matthias Disterheft. Eine Hauptaufgabe des neuen Geschäftsführers Thies Hinckeldeyn werde es ein, neue Geschäftsfelder für den Flughafen zu erschließen – zum Beispiel, was die Vermarktung der Grundstücke betrifft. Auch Hotellerie sei denkbar, hieß es. Wie alle anderen Flughäfen auch könne sich der Braunschweiger Flughafen nicht allein aus dem Geschäftsbetrieb finanzieren.

Einen größeren Zuwachs bei den Flugreisen werde es jedoch nicht geben. Diese würden bei rund 28 000 Flugbewegungen jährlich auch künftig eine „zu vernachlässigende Größe“ bleiben, hieß es.

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