Der „Mexikaner“ soll in den Supermarkt

Braunschweig  Meist wird der Drink in Bars gemixt, vier Studenten füllen ihn jetzt ab.

Prost! Zusammen mit zwei Kommilitonen haben Jasper Brünette (links) und Oliver Kern den Mexikaner in Flaschen gefüllt.

Prost! Zusammen mit zwei Kommilitonen haben Jasper Brünette (links) und Oliver Kern den Mexikaner in Flaschen gefüllt.

Foto: Maike Schulz

Ursprünglich sollte es eigentlich nur ein Mitbringsel für eine Feier sein, dann wurde es ein Partyrenner und schließlich eine Geschäftsidee: Mit Papa Fuego wollen Jasper Brünette, Oliver Kern, Max Brandt und Philipp Grimmel den Tomatenschnaps „Mexikaner“ in die Gläser und die Geschäfte bringen.

„Ich hatte den ursprünglich mal für den Geburtstag von meinem Bruder gemischt. Drei Wochen später dann nochmal für eine andere Party. Irgendwann haben die Leute immer gefragt, ob ich wieder den Mexikaner mitbringen kann. So kam mir die Idee“, erzählt Brünette. Ursprünglich kommt der Mexikaner aus Hamburg, wo ein Barkeeper in St. Pauli ihn erfand, um den Geschmack von billigem Obstbrand zu übertünchen, den er versehentlich gekauft hatte. Das Getränk aus klarem Schnaps, Tomatensaft, Tabasco und Pfeffer wird in Schnapsgläsern serviert und entwickelte sich in Hamburg zum Kultgetränk.

Die jungen Gründer sahen eine Marktlücke. „Es gibt Mexikaner kaum in Flaschen zu kaufen, die meisten Wirte oder Privatleute mixen ihn selber. Im Spirituosenregal im Supermarkt stehen lauter süße Getränke, aber nichts Herzhaftes“, erzählt Kern. Grund dafür ist unter anderem das deutsche Steuerrecht: Als Spirituose gelten Getränke, die einen Alkoholgehalt von 15 Prozent oder mehr haben. Getränke mit weniger Alkohol werden als Alcopops klassifiziert und höher besteuert.

„15 Prozent schmeckt man. Wir brauchten also eine Rezeptur, die den Alkoholgeschmack schwächt. Das war eine Herausforderung“, sagt Kern. Das Problem: Das scharfe Getränk betäubt die Geschmacksnerven, mehr als drei Gläser konnten die vier Studenten nicht Probe trinken. „Man verliert dann das Feingefühl für die Schärfe“, so Kern. Und so haben die Gründer auch Freunde und Fremde auf Veranstaltungen probieren lassen.

Neben den Zutaten steckt in den Flaschen auch viel Aufwand. „Wir machen alles selber“, sagt Brünette. Die angehenden Wirtschaftsingenieure produzieren den Schnaps in der Küche eines befreundeten Gastronomen, sie bestellen die Flaschen, mahlen den Pfeffer, haben die Etiketten entworfen, füllen die Flaschen ab und etikettieren sie.

„Zusätzlich müssen wir zum Beispiel alle Zutaten dokumentieren, damit wir wissen, wo wir was verarbeitet haben. Es kann ja sein, dass ein Lieferant Ware zurückruft“, erklärt Oliver Kern. Die fertigen Flaschen lagern die Studenten in der eigenen Garage.

Mit ihrem Getränk stehen sie außerdem bei Veranstaltungen wie der Kulturnacht oder dem Summertime-Festival in Wolfenbüttel. Außerdem verteilen sie Probeflaschen an Bars und Kneipen, um den Mexikaner bekannter zu machen. Langfristig wollen sie ihn auch in Supermärkten vertreiben. „Die Kapazitäten haben wir. Wir könnten jetzt schon etwa 1000 Flaschen am Tag füllen“, sagt Kern. Und geschmackliche Pläne gibt es auch schon: Papa Fuego sei bisher moderat scharf.

Eine zweite Version soll deutlich schärfer werden. Für alle Partygänger, die sich beweisen wollen, was sie aushalten.

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