„Was ich bisher tue, ist erst der Anfang“

Braunschweig  Die 15-jährige Julia Swiatkowski erhält für ihr Engagement den Jugendpreis des Braunschweiger Doms.

Die stolzen Eltern im Schlepptau: Die strahlende Preisträgerin Julia Swiatkowski verlässt den Dom.

Die stolzen Eltern im Schlepptau: Die strahlende Preisträgerin Julia Swiatkowski verlässt den Dom.

Foto: Peter Sierigk

Mancher lernt es nie, für Julia Swiatkowski dagegen ist es eine Selbstverständlichkeit: „Sie weiß, Integration ist keine Einbahnstraße. Es geht darum, eine Beziehung miteinander einzugehen. Dafür braucht es zuallererst die Sprache. “ Mit diesen Worten ehrte Laudatorin Uta Siegling vom Landhaus Querum der Evangelischen Stiftung Neuerkerode am Montagabend die 15-Jährige Raabeschülerin.

In ihrer Freizeit steht Julia zugewanderten Kindern als Sprachpatin zur Seite. Schon seit sie neun Jahre alt ist, hilft sie Gleichaltrigen im deutsch-polnischen Hilfsverein Poldeh. Außerdem engagiert sie sich im Projekt „Päckchen für Braunschweig“. Es geht darum, Weihnachtsgeschenke für arme Kinder in Braunschweig zu sammeln.

Bisher hatte der Asta der TU diese Aktion organisiert. Als Ende 2016 klar war, dass die bisherige Koordinatorin aufhört, stand das Projekt auf der Kippe. Jetzt ist eine Lösung in Sicht – dank Julia: „Ich habe mehrere Vorträge gehalten, damit das Päckchenprojekt nicht stirbt. Jetzt ist klar: Es geht weiter! Meine Schule stellt die Räumlichkeiten und die Logistik bereit.“ So geplant hatte sie das eigentlich nicht. Jetzt ist es ihr Projekt.

Durch den Preis fühle sie sich geehrt, erklärt Julia Swiatkowski im Gespräch. Die Auszeichnung sei für sie eine wertvolle Rückmeldung für ihr Engagement: „Es ist mir wichtig, etwas zurückzubekommen. Das ist schon ein starker Antrieb für mich.“

Als Vorbild gelobt zu werden, ist für sie kein Problem: „Ich finde, es ist ein gutes Gefühl. Aber natürlich habe ich wie jeder Mensch mehrere Seiten, von denen nicht jede vorbildlich ist.“ Auch sie selbst hat ein Vorbild: Anna Aneta Bertram, die Vorsitzende von Poldeh, die sie 2011 zum Engagement ermuntert hat.

Wie verträgt sich Julias beeindruckender Einsatz mit dem Pflegen von Freundschaften? „Mit Freunden treffe ich mich schon noch, auch wenn viel zu tun ist. Aber zum Glück stehen sie voll hinter mir und haben mich auch auf dem Weg zu diesem Preis unterstützt.“ Und natürlich stehe die Schule immer noch an erster Stelle, erklärt die Gymnasiastin: „Klar, meine Eltern sagen schon: Denk dran, du musst auch Abitur machen. Aber so lange die Noten stimmen – und das tun sie meistens – unterstützen sie mich und fahren mich auch zu meinen Patenfamilien.“

Über ihre Zukunftspläne hat Julia noch nicht entschieden. Sicher ist, dass sie sich weiter ehrenamtlich engagieren will. „Das, was ich tue, ist erst der Anfang. Aber ob ich das beruflich machen will? Ich weiß es einfach noch nicht.“ Fast hätte man vergessen, dass sie ja auch erst 15 ist.

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