Milleniumberg: Wie geht’s weiter?

Braunschweig  Vor acht Jahren wurden Umbau-Ideen vorgestellt – doch gerührt hat sich seither nichts.

Der Millenium-Berg: 400 000 Tonnen Erdreich mehr als gestattet, so hatte die Stadtverwaltung ermittelt, sind dort aufgeschüttet worden.

Der Millenium-Berg: 400 000 Tonnen Erdreich mehr als gestattet, so hatte die Stadtverwaltung ermittelt, sind dort aufgeschüttet worden.

Foto: Jörn Stachura

20 Jahre ist es her, da wurden gewaltige Pläne am Madamenweg geschmiedet: Ein rein privat betriebenes Amphitheater für Konzerte sollte entstehen. Das Millenium. Die Angelegenheit endete mit einem riesigen Skandal.

Wie geht es mit dem Millenium-Berg weiter? Das möchte ein Leser in unserem Internetportal Alarm 38 wissen. Denn seit fünf Jahren ist es still um das Gelände geworden. Natürlich nicht ganz still. Die Millenium-Halle am Fuß des Bergs ist als Veranstaltungsstandort mittlerweile bestens etabliert.

Doch die Frage des Lesers bezieht sich auf den Millenium-Berg selbst. Dabei handelt es sich um eine Doppel-Deponie: In der Tonkuhle unter dem Berg befindet sich uralter Braunschweiger Hausmüll. Der abdeckende Berg selbst ist eine Erddeponie. Dort wurde aufgetürmt, natürlich gegen Bezahlung, was als Erdreich in Baugebieten nicht zu verwenden war. Der Plan war: In den Berg sollten die Sitzplätze des Amphitheaters eingebaut werden.

Allerdings: Es fand eine sogenannte Überschüttung statt. Der Berg geriet zweimal massereicher als von der Baugenehmigung gestattet. Im Jahr 2008 stellte sich heraus, dass auf der Deponie etwa 400 000 Kubikmeter Bauschutt mehr als ursprünglich berechnet lagen.

Baustopp, die Staatsanwaltschaft schaltete sich ein, der damalige Oberbürgermeister Gert Hoffmann erklärte, eine Genehmigung, Bauschutt abzulagern, habe gefehlt.

In Brunnen am Deponieberg wurden obendrein Schadstoff-Konzentrationen gemessen, die die Anwohner beunruhigten. 1,8 Millionen Euro Bußgeld wurden verhängt. Den Anwohnern wurden sogar Pläne vom ehemaligen Stadtbaurat Wolfgang Zwafelink vorgestellt, wie sich der Berg neu gestalten ließe. Obwohl der Berg der Stadt nicht gehört. Der „Tafelberg“ sollte eine wohlmodellierte Berg-und-Tal-Landschaft werden.

Das Amtsgericht verhängte am Ende eine Geldstrafe in mittlerer sechsstelliger Höhe. Damals war die Rede von 600 000 Euro.

Heute gibt es zumindest eine gute Nachricht. Das berichtet Rainer Keunecke, Sprecher der Stadt Braunschweig: „Die Altablagerungen, die unter dem Millennium-Berg liegen, werden bezüglich ihrer Auswirkungen auf das Grundwasser regelmäßig überprüft. Derzeit ist – wie in den vergangenen Jahren auch – keine Gefährdung erkennbar.“

Ansonsten ist der Berg aus dem direkten Sichtfeld der Bauverwaltung gerückt. Keunecke: „In der Bauleitplanung hat die Verwaltung angesichts der angespannten Wohnraumsituation in den vergangenen Jahren andere Schwerpunkte gesetzt, nämlich neue Wohngebiete auszuweisen und zu planen. Die Planung im Blick auf den Millennium-Berg hatte und hat deshalb keine Priorität.“

„Aus den Augen“ heißt in diesem Fall aber keinesfalls „aus dem Sinn“. Keunecke erklärt die Position des Rathauses so: „Grundsätzlich hält die Verwaltung daran fest, eine befriedigende Gestaltung zu erreichen“ Die Beteiligung der Öffentlichkeit sowie der Stadtbezirksräte habe seinerzeit ergeben, dass vorrangig eine Umgestaltung gewünscht werde – mit einer neuen Verteilung der Schuttmassen auf dem Grundstück, um die kantige Morphologie des Schuttberges landschaftlich harmonischer auszubilden.

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