Pfiffe und Trommeln gegen AfD-Auftritt

Braunschweig  140 Anhänger kamen am Dienstagabend vors Schloss, um Björn Höcke zu hören. Auf der anderen Seite: 500 Gegendemonstranten.

Die AfD-Kundgebung vor dem Schloss: Am Rednerpult: der Kreisvorsitzende Frank Weber. Im Hintergrund: die Gegen-Demonstration.

Die AfD-Kundgebung vor dem Schloss: Am Rednerpult: der Kreisvorsitzende Frank Weber. Im Hintergrund: die Gegen-Demonstration.

Foto: Stefan Lohmann

Ohne größere Zwischenfälle ist am Dienstagabend der Wahlkampf-Auftakt der AfD („Alternative für Deutschland“) vor dem Braunschweiger Schloss verlaufen. Mit bis zu 2000 Teilnehmern hatte die Partei gerechnet – es kamen rund 140 Anhänger, um die Reden von Björn Höcke, dem Fraktionsvorsitzenden der AfD im Thüringer Landtag, und dem niedersächsischen Landesvorsitzenden Paul Hampel zu hören.

Etwa 500 Gegendemonstranten versammelten sich auf der anderen Seite des Schlossplatzes. Sie waren dem Aufruf des „Bündnisses gegen Rechts“ gefolgt – unter ihnen viele Kommunalpolitiker, Gewerkschafter und Anhänger der Antifa. Zwischen den beiden Versammlungen hatte die Polizei eine Pufferzone eingerichtet. 240 Einsatzkräfte waren vor Ort. Viele der Gegendemonstranten zogen später direkt vor die Absperrungen rund um den Versammlungsort der AfD, um die Redner mit Rufen, Pfiffen und Trommeln zu übertönen.

Die Polizei musste einige Demonstranten daran hindern, die Versammlung der AfD zu stören. Drei Strafverfahren seien wegen Körperverletzungen eingeleitet worden. Zwischenzeitlich waren die Gleise auf dem Bohlweg und auch die Fahrbahn Richtung Norden blockiert.

Die AfD stellte einige ihrer Spitzenkandidaten für die Kommunalwahl am 11. September vor. Die Partei ist in allen acht Wahlbereichen für den Rat zugelassen. Zur Kommunalpolitik äußerte sich der AfD-Kreisvorsitzende Frank Weber: Er kritisierte unter anderem das Konzept der Stadt zur dezentralen Unterbringung der Flüchtlinge. Dieses sei „grandios gescheitert“, behauptete er. Auf die Nutzung des ehemaligen Kreiswehrersatzamtes als „naheliegendste Lösung“ sei verzichtet worden – dabei wären die Kosten pro Flüchtlinge dort wesentlich niedriger gewesen als beim Bau der Unterkünfte, so seine Argumentation. Unerwähnt ließ er dabei unter anderem, dass das alte Kreiswehrersatzamt höchstens für ein Jahr als vorübergehende Unterbringung hätte dienen können – danach soll die Landesschulbehörde dort einziehen.

Weber erläuterte auch noch, wo die AfD im Haushalt Einsparpotenziale sieht: „Warum gönnt sich die Stadt 304 000 Euro Zuschüsse für die Brunsviga, die eher als Kommandozentrale des links-grünen Filzes anzusehen ist?“ Auch die Zuschüsse für Einrichtungen wie die Flüchtlingshilfe Refugium, den Arbeitskreis Andere Geschichte und die DRK Kaufbar hält er angesichts der angespannten Haushaltslage für entbehrlich.

Höcke und Hampel konzentrierten sich auf bundespolitische Themen wie die Flüchtlingsdebatte, die Attentate der vergangenen Wochen und die Pro-Erdogan-Demonstration in Köln. Höcke: „Die, die für Erdogan demonstriert haben, haben ihr Gastrecht hier verwirkt. Geht zurück in euer Land und gestaltet es nach euren Wünschen! Hier ist das christliche Abendland!“

An die Gegendemonstranten gewandt sagte Paul Hampel: „Noch sind wir klein, meine Herrschaften. Aber warten Sie ab: In vier Jahren sitzen wir in allen Landesparlamenten und im Bundestag!“ Es klang wie eine Drohung.

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