Farbanschlag auf Gedenkstätte in der Schillstraße

Braunschweig  Die Gedenkstätte in der Schillstraße wurde massiv mit Farbe und rechten Parolen beschmiert. Viele Gedenktafeln wurden unleserlich gemacht.

Auf die Gedenkstätte am ehemaligen KZ-Außenlager in der Schillstraße ist ein Farbangriff verübt worden. „Nahezu alle beschrifteten Gedenktafeln wurden mit goldener Farbe besprüht und die Texte damit unkenntlich gemacht“, sagt Frank Ehrhardt, Leiter der Gedenkstätte. Es handelt sich nach Angaben der Stadt um 75 Info-Tafeln, die die nationalsozialistische Vergangenheit Braunschweigs dokumentieren.

Auf das Gebäude wurde in großen Lettern „NS!“ geschmiert. An einer Tafel klebt ein Sticker mit rechtsradikalem Slogan. Frank Ehrhardt hat die massiven Schmierereien am Mittwochmorgen entdeckt und die Polizei informiert. „Vermutlich wurden die Farbschmierereien bereits in der Nacht angebracht“, glaubt er und sagt: „Ich sehe das als Angriff auf unsere Arbeit und unser Bemühen um Aufklärung. Dieser Übergriff signalisiert eine Menge Hass auf unsere Einrichtung.“

Der Gedenkstätten-Leiter sieht einen Zusammenhang mit einer Veranstaltung des Bündnisses gegen Rechts am 8. Mai: Zum Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus hatten rund 25 Menschen an der Gedenkstätte Kränze für die Opfer des Faschismus niedergelegt. Die Kränze sind nun zertrampelt worden, Schärpen wurden abgerissen. Die Veranstaltung am Sonntag war nach Angaben des Bündnisses von drei Neo-Nazis gestört worden. „Sie versuchten zu provozieren. Erst machten sie Fotos von uns und provozierten später auch mit Sprüchen“, heißt es in einer Mitteilung des Bündnisses von Montag.

In den vergangenen Wochen ist es verstärkt zu rechtsradikalen Schmierereien im Stadtgebiet gekommen. Im Östlichen Ringgebiet wurden beispielsweise Hakenkreuze auf „Stolpersteine“ gemalt. Die in das Pflaster eingelassenen „Stolpersteine“ aus Messing erinnern an die Namen und das Schicksal Braunschweiger Juden in der NS-Zeit.

„Im Augenblick werden uns sehr viele politische Schmierereien gemeldet“, bestätigt Polizeisprecher Wolfgang Klages das Phänomen. Es handele sich um viele rechts-, aber auch viele linksradikale Parolen und Zeichen. So hätten beispielsweise in der Nacht zum 1. Mai Unbekannte auf nahezu der gesamten Länge der Rudolfstraße bis zum Rudolfplatz Verteilerkästen, eine Bushaltestelle und Häuserfassaden mit „Tags“ sowie Zeichen und Symbolen der linken Szene beschmiert. Schaden: mehrere tausend Euro. Auch für diese Tat sucht die Polizei Zeugen.

Der Farbangriff auf die Gedenkstätte in der Schillstraße hat große Betroffenheit ausgelöst. Kulturdezernentin Anja Hesse, die vor 15 Jahren als Leiterin des Kulturinstituts den Anstoß für die Gedenkstätte gegeben hatte, verschaffte sich am Mittag persönlich einen Eindruck vor Ort: „Ich bin schockiert. Es ist beschämend, dass die Gedenkstätte so zugerichtet wurde.“ Hesse entschied: „Wir werden die Gedenkstätte so nicht belassen. Die Tafeln werden noch heute Abend entfernt.“ Am Donnerstag soll ein Text angebracht werden, der vorübergehend über die Tat informiert. „Wir werden die Texte so schnell wie möglich ersetzen lassen“, verspricht die Dezernentin. Die Stadt hat Anzeige erstattet.

Auch Verdi-Bezirksgeschäftsführer Sebastian Wertmüller äußerte sich bestürzt. Er sagt: „Der großflächige Angriff auf diese wichtige Einrichtung überschreitet alles, was bisher an rechtsextremen Schmierereien in Braunschweig vorgekommen ist.“

Die Stadtverwaltung überlegt nun, wie das Gelände künftig besser überwacht und vor Übergriffen geschützt werden kann.

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