Friedliche Demonstration gegen rechte Gewalt

Braunschweig  Die Polizei beschlagnahmt hunderte Aufkleber von Rechtsradikalen. Der Staatsschutz ermittelt.

Einen Teil der Ludwigstraße hatte die Polizei gesperrt. Die Demonstranten kehrten dort um.

Einen Teil der Ludwigstraße hatte die Polizei gesperrt. Die Demonstranten kehrten dort um.

Foto: Stachura

Absolut friedlich, so die Polizei, verlief Samstagnachmittag in der Nordstadt eine Demonstration gegen rechte Gewalt.

Auslöser der Demonstration waren Übergriffe von Rechtsradikalen. Jüngst war ein Schüler der Neuen Oberschule schwer verletzt worden, als er verhindern wollte, das rechtsradikales Propaganda-Material an der Schule verteilt wird (wir berichteten).

Der Vorfall hat offenbar dazu geführt, dass die Zahl der Demonstranten deutlich höher als erwartet war. Das Bündnis gegen Rechts hatte 200 Teilnehmer angemeldet. Polizei und Veranstalter sprachen am Ende übereinstimmend von 400 bis 450 Teilnehmern.

Claudia Johnklus, Sprecherin des Antifaschistischen Plenums, sagte dazu: „Die Demonstration hat gezeigt, dass es viele Menschen gibt, die nicht die Augen vor den zunehmenden Übergriffen verschließen wollen.“

Hintergrund ist, dass die rechte Szene in Braunschweig offenbar Zulauf erhält. David Janzen, Sprecher des Bündnisses gegen Rechts, meint dazu: „Vor zwei Jahren waren es 5 bis 10 Rechtsradikale. Heute sind es 25 bis 30.“

Seine These sei: „Früher fehlte Rechtsradikalen ein Versammlungsort in Braunschweig, um sich zu organisieren. Das hat sich mit den Bragida-Demonstrationen geändert. Es scheint mir offensichtlich, dass die Demonstrationen von Rechtsradikalen genutzt werden, um Anhänger zu rekrutieren.“ Janzen zeigte sich gleichwohl erleichtert, dass die Demonstration friedlich verlief. Denn die Demonstrationsroute führte in der Nordstadt auch an Häusern vorbei, die Versammlungsort von Anhängern der NPD-Nachwuchsorganisation sind. Im Garten eines dieser Häuser hatten sich etwa 20 Rechtsradikale versammelt.

Polizisten, etwa 100 waren im Einsatz, und Polizeifahrzeuge trennten beide Gruppen. Einen Grund zum Eingreifen gab es freilich nicht. Die Demonstranten skandierten: „Es gibt kein Recht auf rechte Propaganda.“

In der Nacht auf Samstag, so berichtete Polizeisprecher Joachim Grande, habe die Polizei die Personalien von zwei Jugendlichen aufgenommen. Ein Zeuge hatte sie dabei beobachtet, wie sie in der Nordstadt „rechtsradikale Parolen“ anbrachten, so Grande. Bei der Überprüfung der Jugendlichen, 17 und 18 Jahre alt, wurden hunderte Aufkleber gefunden und beschlagnahmt. Einer der Jugendlichen, beide stammen aus Braunschweig, sei der Polizei bekannt. Anzeige wurde erstattet.

Wie Grande ankündigte, werde nun der Staatsschutz die weiteren Ermittlungen führen.

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