Mehr als 1000 Menschen demonstrieren auf dem Domplatz

Braunschweig  Die Teilnehmer gedenken der Opfer der Pogromnacht. Nur 50 Teilnehmer sind bei Bragida vorm Rathaus.

Mehr als 1000 Menschen haben am Montagabend auf dem Domplatz an einer Kundgebung des „Bündnisses gegen Rechts“ teilgenommen und dabei an die Pogromnacht am 9. November 1938 erinnert, bei der auch in Braunschweig jüdische Geschäfte überfallen, Synagogen zerstört und jüdische Mitbürger verhaftet und in Konzentrationslager gebracht wurden, wo sie später umkamen. Zur gleichen Zeit fand auf dem Platz der deutschen Einheit eine „Bragida“-Kundgebung statt, die an den Mauerfall am 9. November 1989 erinnerte und an der Polizeiangaben zufolge nur rund 50 statt der angemeldeten 300 Personen teilnahmen. Ob sie anschließend, begleitet von der Polizei, wie geplant durch die Innenstadt ziehen würden, war bis Redaktionsschluss dieser Zeitung nicht klar. Die Demo war bis 23 Uhr angemeldet.

„Es ist beängstigend, wie man heute wieder eine neue Welle nationalsozialistischer Gewalt erlebt.“
David Janzen, Sprecher des Bündnisses gegen Rechts.

Auf dem Domplatz machte Bündnis-Sprecher David Janzen auf das vielschichtige Datum des 9. November in der deutschen Geschichte aufmerksam. Am 9. November 1918 beispielsweise habe die Novemberrevolution in Berlin stattgefunden, am 9. November 1923 der Hitler-Ludendorff-Putsch in München. Später dann, 1938, die Reichspogromnacht. Und es sei beängstigend, wie man heute wieder eine neue Welle nationalsozialistischer Gewalt erlebe, ein Niederbrennen von Asylbewerberunterkünften und Schänden von jüdischen Friedhöfen. Dimitri Tukuser von der liberalen jüdischen Gemeinde Wolfsburg/Region erinnerte daran, dass europäische Länder sich seinerzeit geweigert hätten, jüdische Flüchtlinge aufzunehmen. Das dürfe sich nicht wiederholen. Es sei mit der Würde des Menschen nicht vereinbar.

Dirk Bitterberg vom Awo-Bezirksvorstand sagte, das Jahr 1938 sei ganz weit weg – und dennoch sei 1938 wieder ganz nah. Und die Demokratie müsse sich fragen, wie es so weit kommen konnte, dass Nazis heute wieder Häuser anstecken, rechte Parolen grölen.

VW-Betriebsratsvorsitzender Uwe Fritsch brachte, wie andere Redner zuvor, seinen Unmut zum Ausdruck, dass man der „Bragida“ das Recht eingeräumt habe, vor dem Rathaus zu demonstrieren. Das sei ein falsches Signal.

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