Brutaler Angriff auf die Brunsviga

Braunschweig  Zwei Mitarbeiter des Kulturzentrums wurden verletzt. Die Polizei geht von einer rechtsextrem motivierten Tat aus. Einen Zusammenhang zu Bragida sehen die Ermittler derzeit nicht.

Die Brunsviga. Drei Gewalttäter haben am Sonntagnachmittag zwei Mitarbeiter des Kulturzentrums in Braunschweig angegriffen.

Die Brunsviga. Drei Gewalttäter haben am Sonntagnachmittag zwei Mitarbeiter des Kulturzentrums in Braunschweig angegriffen.

Foto: Flentje (Archiv)

Drei der Polizei bekannte Gewalttäter haben am Sonntagnachmittag zwei Mitarbeiter des Kulturzentrums Brunsviga in Braunschweig angegriffen und durch Schläge verletzt. Die Polizei ermittelt gegen das Trio – 26, 29 und 31 Jahre alt – wegen Körperverletzung, Sachbeschädigung und Beleidigung.

Die Ermittler gehen davon aus, dass es sich um eine politisch motivierte Tat mit rechtsextremem Hintergrund handelt. Der 31-Jährige kommt aus Springe; gegen ihn wird nach Teilnahme einer Pegida-Veranstaltung in Hannover ermittelt. Die beiden anderen stammen aus Braunschweig und sind durch Gewalttaten aufgefallen.

Auslöser für die Gewaltaktion war offenbar eine Tagung des Antifaschisten Plenums in der Brunsviga zum Thema „Umgang mit zivilem Ungehorsam“. Während sich die etwa 20 Teilnehmer in einer Pause und außerhalb des Gebäudes befunden hatten, waren nach Zeugenaussagen gegen 14.30 Uhr zwei Tagungs-Besucher von den Rechtsextremen verfolgt worden. Die beiden flüchteten sich in die Brunsviga und erbaten Hilfe, woraufhin der Küchenchef und sein Schwiegersohn versuchten, die Rechtsextremen am Eindringen in das Kulturzentrum zu hindern.

Küchenchef Ralf Maerker beschreibt die Situation so: „Die schrien uns an, sie würden uns platt machen, gingen mit Stühlen und Fäusten auf uns los, beleidigten uns massiv und wollten, dass wir ihnen die Antifa-Leute ausliefern.“ Er habe enorme Angst um sein fünfeinhalb Monate altes Enkelkind gehabt, dass sich im Inneren der Brunsviga befand. Die Männer seien schwer alkoholisiert gewesen; er habe ihre Fahne riechen können.

Die Beschuldigten waren nach den Angriffen zu Fuß geflüchtet, konnten aber wenig später von der Polizei festgenommen werden. Auf Anordnung eines Ermittlungsrichters nahmen die Beamten das Trio bis 21.30 Uhr in Gewahrsam. Einer der Täter habe angegeben, Kokain genommen zu haben. Die Ermittlungen dauern an. Die Polizei hatte an diesem Tag die Brunsviga unter besondere Beobachtung genommen, da sie politisch motivierte Konfrontationen befürchtete. Nach dem Notruf aus der Brunsviga waren die Beamten nach wenigen Minuten zur Stelle.

Wie kam es zum Verdacht gegen Bragida?

Es soll am Sonntag schon vormittags rund um das Kulturzentrum eine angespannte Situation geherrscht haben. Beobachter berichten, dass sich vor dem Haus in der Karlstraße eine Personengruppe – etwa zehn Leute stark – aufgehalten habe; man vermutet aus dem rechtsextremen Lager.

Drinnen tagten die extrem Linken: das antifaschistische Plenum und die Rote Liste. Blockadetraining stand auf dem Programm. Thema der Tagung: „Ziviler Ungehorsam“. Die Referenten kamen von „Skills for Action“, einem „Netzwerk bewegungsorientierter Aktions-Trainer“. Einer der Schwerpunkte der Gruppe: das Stoppen von Neonaziaufmärschen.

Auf seiner Homepage verweist das Antifaschistische Café in seiner Einladung zum Blockadetraining auf die Bragida-Kundgebungen, vor allem den Besuch des Pegida-Sprechers Lutz Bachmann am 19. April. „Wir haben an den letzten Montagen (immer wieder gegen Bragida!) schon unterschiedliche Erfahrungen bei Blockaden sammeln können – diese möchten wir bündeln und dann auch unsere neuen Erfahrungen …nutzen.“

Die Bragida wiederum verwies auf ihrer Homepage das Blockadetraining der Antifaschisten. Ob die Täter aus Reihen der Bragida stammen, vermochte die Polizei aber nicht zu sagen. Pressesprecher Wolfgang Klages: „Wir gehen aber davon aus, dass die Tat politisch motiviert ist und die drei Männer eine rechtsextreme Überzeugung haben.“

Der Artikel wurde aktualisiert.

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