Ausländische Studenten testen Discos

Braunschweig  Wie Türsteher von Braunschweiger Discos mit ausländischen Studenten umgehen – ein Versuch.

Die Testpersonen (von links) Jigar Dhabalia, Mahdi Tehrani und Nima vor einer Disco am Gieseler.

Die Testpersonen (von links) Jigar Dhabalia, Mahdi Tehrani und Nima vor einer Disco am Gieseler.

Foto: BestPixels.de

Freitagabend auf der „Meile“. Hier zwischen Friedrich-Wilhelm-Platz und Gieseler spielt sich das Braunschweiger Nachtleben ab, hier reihen sich Clubs und Bars aneinander. Unterwegs mit einer Gruppe internationaler Studenten der TU. Sie wollen testen, ob die Türsteher sie zum Feiern in die Clubs lassen. Wir haben sie begleitet.

Organisiert hat die Aktion der Allgemeine Studierendenausschuss (Asta) der TU. „Wir hören immer wieder von ausländischen Studenten, dass sie nicht in Discos reingelassen werden“, erklärt Younouss Wadjinny vom Ausländerreferat des Asta.

Deswegen starten die Studenten die Aktion „Heute nur Stammgäste“. „Wir werden mit einer Gruppe Studenten versuchen, in verschiedene Discos zu gehen“, sagt Wadjinny. Für den Fall, dass die ausländischen Studenten tatsächlich nicht reinkommen, haben die Mitglieder des Ausländerreferats ein Banner vorbereitet. Die Aufschrift: „Ausländer-Verbot hier. Heute nur Stammgäste“. Sie wollen es vor den betroffenen Discos ausrollen. Außerdem lässt der Asta die Aktion filmen.

Die drei Testpersonen sind Mahdi Tehrani und Nima aus dem Iran und Jigar Dhabalia aus Indien. Erster Versuch im „Eulenglück“. Die drei jungen Männer müssen ihre Ausweise zeigen. „Ihr könnt rein, aber du müsstest die Krawatte abnehmen“, sagt der Türsteher zu Mahdi Tehrani. In der „Eule“ gehe es kleidungstechnisch etwas lockerer zu. Im „Schwanensee“ hingegen werden die drei Studenten von den Türstehern abgewiesen. „Heute ist Abiparty mit lauter 16- und 17-Jährigen. Das passt nicht zu euch“, erklärt einer der Türsteher. Für die Studenten Grund genug, vor dem Eingang zum Club ihr Banner auszurollen.

Weiter geht es im „42° Fieber“. Auch hier Enttäuschung. „Heute wird es hier sehr voll“, sagt einer der Türsteher. „Wir lassen erstmal nur Leute rein, die wir kennen.“ Für die Studenten ist die Begründung nicht überzeugend. In der Nähe des Clubs rollen sie wieder ihr Transparent aus. Viele bleiben stehen, wollen wissen, was es mit der Aktion auf sich hat. „Wir wollten mit der Aktion erreichen, dass die Menschen aufmerksam werden“, sagt Younouss Wadjinny.

Die letzten Stationen sind das „Privileg“ in der Wallstraße und „Dean’s“ in der Südstraße. In beiden Clubs kann das Trio ohne Probleme feiern gehen. Das Fazit der Studenten: „Es war eine gute Aktion“, sagt Younouss Wadjinny. „In einigen Fällen haben sich unsere Befürchtungen bestätigt, in anderen nicht.“

Disco-Besitzer Oliver Strauß, der unter anderem die Clubs Schwanensee, Eulenglück und 42° Fieber betreibt, reagiert verärgert auf die Aktion der Studenten. Er hat sich das Video angeschaut, das das Ausländerreferat am Sonntag ins Internet gestellt hat. Nun hat Strauß ein Anwaltsbüro eingeschaltet. „Ich lasse mir nicht vorwerfen, dass ich ausländerfeindlich bin. Wenn jemand nicht in eine unserer Discos kommt, hat das nichts mit der Nationalität zu tun, sondern hat andere Gründe“, sagt er.

So heißt es in der Stellungnahme seiner Anwälte zur Abiparty im Schwanensee: „Die Besucherstruktur waren im Wesentlichen Schüler von 16 bis 20 Jahren. Da die Männer deutlich älter waren, wurde ihnen mitgeteilt, dass sie nicht zum Publikum passen. Mit dem Umstand, dass es sich offensichtlich um ausländische Mitbürger handelte, hatte dies nichts zu tun.“

Im Fall des 42 ° Fieber habe der Türsteher die Männer abgewiesen, weil zurzeit in Braunschweig Taschendiebe in Banden versuchen, die Gäste in Discos zu bestehlen. Daher seien die Türsteher besonders vorsichtig, wenn größeren Gruppen männlicher Besucher vor der Tür stehen. „Es hat aber nichts mit einem ausländerfeindlichen Hintergrund zu tun“, so die Anwälte.

Polizeisprecher Wolfgang Klages bestätigt, dass es einen Anstieg von Diebstählen in Discos gibt. „Das ist nicht von der Hand zu weisen“, sagt er. „Wir haben das sogenannte Antanzen, bei dem ein Täter Körperkontakt sucht und das Opfer ablenkt, der zweite es bestiehlt und der dritte die Beute wegbringt.“

Im Fall des 42 ° Fieber schreibt das Anwaltsbüro: „Es mag sein, dass diese Sicherheitsmaßnahme die Männer zu Unrecht getroffen hat.“

Die Studenten wollen nun das Gespräch mit Oliver Strauß suchen. „Wir wollen zusammen eine Lösung finden“, sagt Younouss Wadjinny. Das Video hat das Ausländerreferat mittlerweile von seiner Facebook-Seite entfernt.

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