Rechte Szene verteilte radikale Flugblätter in Kralenriede

Braunschweig  Der Staatsschutz ermittelt. Die Situation rund um die überfüllte Aufnahmebehörde spitzt sich zu. Anwohner haben Angst.

Die Aufnahmebehörde in Kralenriede ist derzeit überfüllt..

Die Aufnahmebehörde in Kralenriede ist derzeit überfüllt..

Foto: Archiv

Die Situation rund um die derzeit hoffnungslos überbelegte Landesaufnahmebehörde (LAB) in Kralenriede spitzt sich immer mehr zu. Es gibt nicht nur Stress unter den dort einquartierten Flüchtlingen. Auch die Anwohner fühlen sich zunehmend unwohler – und sagen das auch.

Ein Nährboden für die sogenannte rechte Szene? Fakt ist: Sie hat das Thema Aufnahmebehörde jetzt zu ihrem Anliegen erklärt, greift Sorgen und Ängste von Bewohnern auf und fordert ein „sicheres Braunschweig“. Polizeiangaben zufolge haben am Sonntag 13 „szenezugehörige Personen“ Flugblätter am Tostmannplatz verteilt, um auf eine Demonstration hinzuweisen. Die Polizei stoppte die Aktion. Der Staatsschutz ermittelt.

Es handele sich um Mitglieder der Ortsgruppe der jungen Nationaldemokraten und einer „Bürgerinitiative für die Sicherheit in Braunschweig“, hieß es. Bei Facebook fanden sich bis zum 26. September 222 Unterstützer. Bereits während der jüngsten Bezirksratssitzung waren Flugblätter verteilt worden (wir berichteten).

Das sagt die Polizei

Polizeisprecher Joachim Grande kennt das Problem. Die bisher intakte Welt im Stadtbezirk Schunteraue bekommt derzeit Risse. Das subjektive Sicherheitsempfinden schwinde, so Grande. „Die Leute sehen immer mehr fremde Personen, die zwischen Aufnahmebehörde und Steinriedenramm unterwegs sind, um einzukaufen.“ Vor den Supermärkten hielten sich oft größere Gruppen auf. Das wirke auf den einen oder anderen bedrohlich, sei es aber nicht. In den Märkten werde zwar gestohlen, sagt Grande. Aber nicht signifikant häufiger als früher oder woanders, beispielsweise bei Rewe in den Schlossarkaden.

Wäre eine Polizeistelle sinnvoll?

Überlegungen seitens der Politik, statt des privaten Sicherheitsdienstes in der Aufnahmebehörde eine neue Außenstelle der Polizei aufzumachen, erteilte Grande eine Absage. Es gebe eine Ermittlungsgruppe in Querum, die sich um Vorfälle in der Aufnahmebehörde kümmere und man sei zudem mit Streifen dort vertreten.

Was sagt die Bürgermeisterin?

Bezirksbürgermeisterin Gudrun Ohst (SPD) sagt: Während der jüngsten Bezirksratsitzung seien rund 60 Einwohner erschienen, um ihre Sorgen mitzuteilen und Veränderungen zu fordern. Dass sich vor den Märkten am Steinriedendamm Gruppen aufhielten, nicht um dort einzukaufen, könne sie bestätigen. „Aber man muss dafür auch Verständnis haben. Man kann die Leute ja nicht zwei, drei Wochen lang einsperren. Die wollen auch mal raus.“ Zumal es außer einem Bolzplatz wenig an Freizeitmöglichkeiten auf dem früheren Kasernengelände gebe. Das sei auch ein Problem.

Das sagt die Kirche

DARUM GEHT ES

In Braunschweig sind derzeit 728 Flüchtlinge aus 30 Herkunftsländern untergebracht. Dazu kommen noch die jeweiligen sogenannten Nachtzugänge mit bis zu 150 Personen.

Die meisten Flüchtlinge kommen aus Syrien, Eritrea, dem Sudan. Sie bleiben 2 bis 4 Wochen und werden dann auf andere Kommunen dezentral verteilt.

Der Standort in Braunschweig ist auf 600 Personen ausgelegt.

Die Situation in Braunschweig sei kurzfristig nur zu entschärfen, wenn die Landesregierung nach Bramsche, Friedland und Braunschweig bei ihrer Suche nach einem vierten Standort für eine Aufnahmestelle fündig werde, heißt es seitens der Aufnahmebehörde. Die Suche laufe unter Hochdruck.

Hanna Stöckmann-Wrede, Pastorin an der Dankeskirche, mahnt zur Besonnenheit: Es müsse darum gehen, an einer neuen Willkommenskultur zu arbeiten. „Der Ort, wo die Menschen unterkommen, gehört zu unserer Gemeinde, deshalb fühle ich mich ein Stück weit zuständig.“ Es sei ihr ein Einliegen, hilfreich mitwirken zu können. Es habe gemeinsames Kaffeetrinken gegeben, eine Kleiderbörse. Auch kämen hin und wieder Menschen, um in ihrer Kirche zu beten. „Leider sind sie viel zu kurz da, um etwas aufzubauen.“

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