Opfer fühlte sich „extremst bedroht“

Braunschweig  Das Schöffengericht verurteilte einen Autofahrer, der ausrastete, nachdem ein Radler auf seine Autoscheibe geniest hatte, zu einer Bewährungsstrafe.

Das Schöffengericht erkannte die Tat unter anderem als gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr in Einheit mit Nötigung. Symbolfoto dpa

Das Schöffengericht erkannte die Tat unter anderem als gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr in Einheit mit Nötigung. Symbolfoto dpa

Der Staatsanwalt sprach von durchgebrannten Sicherungen. Der Nebenkläger nannte es Wildwest-Verfolgungsjagd: Im vergangenen September hat ein 21-Jähriger im Auto einen Radfahrer verfolgt und zu Fall gebracht. Der 29-Jährige hatte ihm auf die Frontscheibe geniest. Der Autofahrer fühlte sich provoziert.

„Ich wollte nur, dass er anhält, um ihn zur Rechenschaft zu ziehen.“
Der Angeklagte hatte sich über Niesen auf seine Autoscheibe geärgert.

Er zog den gestürzten Radfahrer am Kragen hoch und forderte ihn auf, mit einem Taschentuch den Speichel abzuwischen. Jetzt wurde er vom Schöffengericht des Amtsgerichts zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten verurteilt.

Der Geschädigte konnte sich an das Niesen nicht genau erinnern: „Für mich war es ohne Bedeutung.“ Der Autofahrer war ihm um 16.50 Uhr auf dem Friedrich-Kreiß-Weg entgegen gekommen – recht langsam, da die Ampel rot war. Am Ende der Straße bog der Radler in den Bürgerpark ab. Dass er anscheinend verfolgt wurde, realisierte er erst, als er auf dem asphaltierten Rad- und Fußweg hinter sich „ein hochtouriges Fahrzeug“ hörte.

„Das passte nicht zum Park. Ich bekam Angst“, so der Radler. Er beschleunigte stark. Der Angeklagte verfolgte ihn insgesamt rund 800 Meter, die erste Hälfte der Strecke im Rückwärtsgang. Auf Höhe eines Spielplatzes kam er ihm schließlich mit seinem Passat so nah, dass der Radfahrer nach links umfiel.

Eine beabsichtigte Kollision? Das ließ sich nicht klären: „Ich wollte nur, dass er anhält, um ihn zur Rechenschaft zu ziehen. Ich war sehr wütend. Bevor er spuckte, hatte er mich zwei Sekunden lang angesehen.“ Der 29-Jährige sagte, er habe niemanden fixiert. „Warum auch?“

Durch den Sturz entstand Schaden in Höhe von rund 600 Euro. Der 29-Jährige zog sich Schürfwunden und Prellungen zu. „Ich fühlte mich extremst bedroht“, schilderte er die Begegnung. Er habe sich entschuldigt, „nicht aufrichtig, sondern aus Angst“, und die Spucke entfernt.

Der zurückhaltend auftretende Angeklagte bestätigte die Schilderung im Wesentlichen. Er entschuldigte sich bei dem Geschädigten, der die Entschuldigung annahm. Angesprochen auf eine vorherige Verurteilung wegen Körperverletzung räumte er ein, zu Wutausbrüchen zu neigen.

Das Schöffengericht verurteilte den 21-Jährigen wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr in Tateinheit mit Nötigung, Sachbeschädigung und gefährlicher Körperverletzung. Sein einbehaltener Führerschein wird für weitere zehn Monate entzogen. In der dreijährigen Bewährungszeit muss er Sozialstunden ableisten und ein Anti-Aggressionskursus besuchen.

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