Eintracht-Fans: Warum ein Derby kein Derby ist

Braunschweig  Vor Eintrachts Spiel gegen Wolfsburg am Samstag sprachen wir mit Braunschweigs Fan-Sprecher Robin Koppelmann.

Eintracht-Fans beim Hinspiel in der Wolfsburger Arena.

Eintracht-Fans beim Hinspiel in der Wolfsburger Arena.

Foto: regios24 / imagemoove

Robin Koppelmann (24) ist Sprecher des Fan-Rates der Eintracht-Fanszene. Henning Noske sprach mit dem Studenten der Germanistik und Politik vor dem Erstliga-Heimspiel gegen VfL Wolfsburg am Samstag.

Wie ist die Befindlichkeit vor der Partie gegen den VfL?

Die Fan-Szene konzentriert sich im Kern gar nicht einmal auf dieses Spiel, weil sie im Moment total auf das Derby gegen Hannover am 6. April fokussiert ist. Das Spiel gegen Wolfsburg, das muss man ganz ehrlich sagen, gerät da etwas ins Hintertreffen.

Merkwürdig, denn ziemlich wichtig ist es doch auch.

Sportlich ist jedes Spiel für uns wichtig, denn wir befinden uns schließlich in der entscheidenden Phase um den Klassenerhalt. Das Spiel gegen Wolfsburg ist aber höchstens aufgrund von regionaler Brisanz erwähnenswert, aber für die Fans nicht weiter von Relevanz.

Man hat das Gefühl, Sie nehmen den Nachbarn gar nicht richtig ernst. Das könnte sich rächen.

Zur Kenntnis nehmen wir natürlich schon, was in Wolfsburg passiert. Schließlich sollen ja auch Fans aus der gesamten Region möglichst zu uns und nicht zu denen kommen. Nichtsdestotrotz hat Wolfsburg eine ganz andere Sozialisation und Vita als die Eintracht-Fanszene.

Beim Hinspiel in Wolfsburg wurde Eintracht von den VfL-Fans zum „Schnupperkurs in der 1. Liga“ begrüßt. Welche Antwort geben die Eintracht-Fans am Samstag?

Keine in Form einer Choreographie, da pochen und planen wir auf und für das Hannover-Spiel. Aber natürlich wird es die eine oder andere Parodie geben.

Nun zieht ja jeder einen „Shitstorm“ auf sich, wenn er das Naheliegende ausdrückt und das Spiel gegen Wolfsburg als Derby bezeichnet? Warum ist es keines?

Wenn es eines wäre, würden wir ja einem Werksverein die Möglichkeit geben, sich auf Augenhöhe zu befinden. Das ist ein Widerspruch zu Eintrachts Geschichte als Traditionsverein. Deshalb können wir es als Derby nicht akzeptieren.

Das klingt ziemlich arrogant.

Es ist nun einmal so. Im positiven wie im negativen Sinne sind wir nicht auf Augenhöhe.

Bei der Nähe – es ist die kürzeste Entfernung zwischen zwei Erstligaspielorten – würde man sich keinen Zacken aus der Krone brechen.

Derby geht schon deshalb nicht, weil wir nur ein großes Derby kennen – und zwar gegen Hannover. Das wollen wir nicht kleiner machen, indem wir da andere aufbauen.

Das wahre Niedersachsenderby soll nicht durch Störwerk am Rande abgewertet werden?

Jetzt haben Sie es verstanden.

Wir sind lernfähig, wenn auch nicht überzeugt. Aber wie bezeichnen Sie denn nun das Spiel?

Ein Nachbarschaftsduell, auf das wir interessiert blicken.

Hochmut kommt vor dem Fall. Ist nicht auch Eintracht existenziell auf Hilfe des Werks angewiesen?

Da bin ich mir ziemlich sicher, dass das so ist. Das ist auch gar nicht schlimm. Das ist eine Sponsoring-Frage, die hat mit Fan-Befindlichkeiten nichts zu tun. New Yorker ist ja auch Sponsor von Hannover 96 – und da können wir jetzt nicht die Loge von New Yorker abreißen.

Sie pochen auch Fankultur, Geschichte, Tradition. Wie zeichnet die sich aus?

Das geht eben über Generationen hinweg, ist gewachsen. Als kleiner Junge oder Mädchen wächst man in die Fan-Szene hinein und saugt in sich auf, was Generationen zuvor auch schon bewegt hat. So wächst ein Verein! Du bist ein Teil der Familie.

Verraten Sie, was man am Samstag von Ihnen erleben und hören wird.

Natürlich nichts von einem „Schnupperkurs“. Das überlassen wir denen, den Gegner künstlich zu motivieren. So ein Eigentor werden wir nicht schießen. Sportlich wird das natürlich spannend, denn die Wolfsburger werden die Hinspielniederlage wettmachen wollen. So naiv geht der VfL da sicherlich nicht nochmal ran. Auf den Rängen im Eintracht-Stadion gibt es den üblichen Hexenkessel.

Wird es friedlich bleiben?

Von Eintracht-Seite kann man davon ausgehen. Auch wollen wir uns vor dem Derby gegen Hannover nicht von der Choreographie für dieses Spiel ablenken lassen. Als Fan bin ich am Samstag natürlich gespannt, wie die etwas verzwickte Situation der Anreise aus dem Großraum Braunschweig gehandelt werden kann.

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