Eckert & Ziegler - Mehr Messungen in Thune

Braunschweig  Das Gewerbeaufsichtsamt gab Kompetenzen an das Landesumweltministerium ab.

Container mit schwach radioaktiven Abfällen in Thune.

Container mit schwach radioaktiven Abfällen in Thune.

Foto: Archiv

Eine solche Veranstaltung hat es in Thune im Norden Braunschweigs noch nicht gegeben: Am Donnerstag kommen nicht nur die beteiligten Unternehmen, das Umweltministerium und das ihm unterstellte Staatliche Gewerbeaufsichtsamt zusammen, sondern auch die Vertreter von Stadtverwaltung, Ratspolitik, Feuerwehr, Bürgerinitiative und aller Nachbarn und Anrainer.

Dazu gehören auch die Leitungen und Elternvertretungen der umliegenden Kindergärten und Schulen.

Hintergrund ist die Information über die Verlagerung von Kompetenzen vom bislang zuständigen Gewerbeaufsichtsamt an das Landesumweltministerium in Hannover. Und dort wird das Industriegebiet in Thune von diesem Jahr an in der Umgebungsüberwachung mit einer kerntechnischen Anlage gleichgestellt. Das bedeutet, dass es mehr Messpunkte und häufigere Messungen der Direktstrahlung an der Grenze der Betriebsgelände in Thune gibt.

„Wir wollen über das neue Überwachungskonzept informieren und zugleich den Grundstein für einen konstruktiven und kooperativen Dialog zwischen den Unternehmen und dem nachbarschaftlichen Umfeld legen“, erklärt Andreas Aplowski vom Staatlichen Gewerbeaufsichtsamt Braunschweig. Dabei werden auch die neuen Standorte der Strahlungsmessgeräte vorgestellt.

Es geht um die Anlagen von Eckert & Ziegler und GE Healthcare Buchler im Industriegebiet Thune. „Um ein Zeichen zu setzen, haben die Betriebe des Industriegebietes die Umgebungsüberwachung in Abstimmung mit den Behörden um einen zusätzlichen redundanten Ring von Messgeräten erweitert. Wir erwarten dadurch keine neuen Erkenntnisse, aber wir wollen sicher sein, dass wir wirklich alle Anstrengungen zur Absicherung unternommen haben“, teilte Eckert & Ziegler dazu auf Anfrage unserer Zeitung mit.

„Es wird deutlich, dass alles, was mit der Überwachung von Strahlung zu tun hat, jetzt im Umweltministerium zusammengefasst wird“, sagt Holger Herlitschke (Grüne), Vorsitzender des Planungs- und Umweltausschusses der Stadt.

Skeptisch zeigt sich Thomas Huk von der Bürgerinitiative Strahlenschutz BISS: „Dass mehr Messungen stattfinden, beruhigt uns nicht, denn am hohen Grenzwert ändert sich nichts.“ Auch sei es bedenklich, dass die Frage der Abluft kein Thema sei.

Das Staatliche Gewerbeaufsichtsamt Braunschweig verschickte eine bemerkenswerte Einladung. Überschrift: „Vorstellung der neuen Überwachung der Direktstrahlung.“ Es geht um das Industriegebiet Thune – am Donnerstag versammeln sich im Gewerbeaufsichtsamt in der Ludwig-Winter-Straße die eingeladenen Vertreter der Unternehmen, der Politik – und aller Nachbarn in Thune.

Dabei wird auch ein sehr bekanntes Gesicht sein – indes nicht in diesem Zusammenhang. Professor Klaus Kocks – früher Leiter der Konzernkommunikation bei Volkswagen und heute telegener Kommunikationsberater – hat als Berater bei Eckert & Ziegler angeheuert.

Prompt meldete sich Kocks am Mittwoch – und ließ eine Marschroute vertrauensbildender Kommunikation durchblicken: „E&Z folgt bedingungslos dem Primat der Politik. Es gab Vorschläge seitens der Umweltbehörden, daran wird nicht herumgekrittelt.“

Wenn es von dort also sinnvolle Vorschläge zur weiteren Verbesserung der Überwachung gebe, dann folge das Unternehmen dem auch über das Notwendige hinaus – schon um Vertrauen aufzubauen. Und Kocks weiter: „Nach wie vor ist das ein medizintechnischer Betrieb und keine kerntechnische Anlage.“

Die neue Landesregierung mit Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) stellte indes die Überwachung in Thune auf eine neue Stufe. „Die erweiterten Programme orientieren sich an der Richtlinie zur Emissions- und Immissionsüberwachung kerntechnischer Anlagen.“

Erstmals wird am Standort Braunschweig die Neutronenortsdosis auch durch den Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz überwacht.

Eckert & Ziegler und GE Healthcare, die in der Medizintechnik tätig sind und mit radioaktiven Stoffen umgehen, haben ihre bisherige Überwachung der Neutronenortsdosis von drei auf sechs Messpunkte erweitert.

Das Landesumweltministerium in einer Mitteilung: „Wie schon durch die beschlossene Verlagerung der Zuständigkeiten für diese Anlagen in das Umweltministerium wird durch die erweiterte Umgebungsüberwachung sichergestellt, dass der Schutz der Bevölkerung und der Umwelt vor ionisierender Strahlung noch besser gewährleistet ist.“

Um dies alles heute vorzustellen, versandte das Gewerbeaufsichtsamt eine Einladung mit folgendem Wortlaut:

„Die beiden Unternehmen Eckert & Ziegler Nuclitec GmbH und GE Healthcare Buchler GmbH und Co. KG sind seit vielen Jahren im Ortsteil Braunschweig-Thune angesiedelt. Beide Unternehmen gehen mit radioaktiven Stoffen um. Die dafür erforderlichen Genehmigungen liegen vor und verpflichten die Unternehmen, die erforderlichen Maßnahmen u.a. zum Schutz der Nachbarn zu treffen.

Eine dieser Maßnahmen ist die Erfassung der Direktstrahlung durch Photonen und Neutronen an der Grenze des Betriebsgeländes, um zu überprüfen, ob die gesetzlichen Grenzwerte für die Nachbarschaft eingehalten werden.

Die Weiterentwicklung der Standards für eine derartige Umgebungsüberwachung und auch die seit Jahren anhaltende öffentliche Diskussion über die Strahlenbelastung in der Nachbarschaft führten zu dem Schritt, die Umgebungsüberwachung zu überarbeiten. Darauf verständigten sich die Unternehmen, das Niedersächsische Umweltministerium und das Staatliche Gewerbeaufsichtsamt Braunschweig. Seit Anfang dieses Jahres liegt der Umgebungsüberwachung ein aktualisiertes Konzept zugrunde.“

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