Restrisiko für Anwohner in Thune wird untersucht

Braunschweig  Die Ratsfraktionen wollen Gutachter einschalten, die klären sollen, welches Restrisiko für Anwohner des Industriegebiets Thune besteht.

Für das Industriegebiet in Thune soll ein neuer Bebauungsplan aufgestellt werden.

Für das Industriegebiet in Thune soll ein neuer Bebauungsplan aufgestellt werden.

Foto: Dieter Heitefuß/Pilot Siegfried Starke

Wie könnte ein neuer Bebauungsplan aussehen, mit dem die Anwohner und Firmen des Industriegebiets Thune leben können, leben müssen? Langsam wird die Richtung deutlich.

Die Stadt hat Fachanwälte eingeschaltet, um sich Rat zu holen und die Politik zu beraten. Dr. Gernot Schiller machte dem Planungsausschuss klar, dass er mit Bedacht vorgehen müsse, damit am Ende ein Bebauungsplan steht, der einer rechtlichen Prüfung standhält.

Konsequenz: Anträge, die vorsahen, alle Fläche des Industriegebiets, die bislang nicht genutzt werden, wieder in Ackerland zu verwandeln, verschwanden vom Tisch. Grund: Schiller machte deutlich, je stärker man die Betriebe einenge, desto größer sei das Risiko, damit vor Gericht zu scheitern. „Als sich die Unternehmen in Thune niederließen, vertrauten sie schließlich darauf, sich erweitern zu können. Die bauliche Nutzung auf Null stellen zu wollen, ist keine Lösung .“

Grundfalsch sei auch die Vorstellung, so Schiller, man könne mit einem neuen Bebauungsplan dafür sorgen, dass die Betriebe, die in Thune mit strahlendem Material umgehen, ihre Arbeit einstellen: „Niemand kann die Wirklichkeit auf Null stellen. Den Standort bekommt man durch einen neuen Bebauungsplan nie weg.“

Der Planungsausschuss folgte schließlich einstimmig dem Rat des Juristen, einen anderen Weg einzuschlagen. Die Stadt soll Gutachter einschalten, die beweisen, dass es im Industriegebiet Nutzungseinschränkungen geben muss. Nachgewiesen werden soll, dass von den Firmen ein Restrisiko ausgeht, das die Strahlenschutz-Verordnung nicht erfasst.

Dies könnte die Stadt zum Anlass nehmen, Nutzungseinschränkungen im Industriegebiet zu verhängen, um das Restrisiko für die Anwohner nicht steigen zu lassen. Restrisiko, das sei das Risiko, so Schiller, „das höher ist als das allgemeine Lebensrisiko“.

Anfang Februar soll der Rat entscheiden. Stadtbaurat Heinz-Georg Leuer meint: „Wir gehen schon vorher auf die Suche nach Gutachtern.“ Thomas Huk von der Bürgerinitiative Strahlenschutz ist höchst zuversichtlich: „Jedes Gutachten, das ein Restrisiko verneint, wäre gefakt und falsch.“

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