Rückenwind aus Braunschweig für den Spargelexpress

Braunschweig  Bürger schlagen vor: Eine S-Bahn aus Wendeburg soll durch die Innenstadt fahren.

So könnte die S-Bahn aussehen, die durch Braunschweigs Innenstadt fährt. Grafiken (2): Braunschweiger Forum/BUND

So könnte die S-Bahn aussehen, die durch Braunschweigs Innenstadt fährt. Grafiken (2): Braunschweiger Forum/BUND

Das Land prüft, ob die Bahnstrecke von Wendeburg nach Braunschweig wieder eröffnet wird. Braunschweiger Bürgern reicht das nicht. Sie fordern, dass die sogenannte Spargelexpress-Strecke durch die Innenstadt bis zum Hauptbahnhof verlängert wird.

Unmöglich? Das glaubten bislang viele. Das Braunschweiger Forum, der Verein für bürgernahe Stadtplanung, und der Braunschweiger Umweltverein BUND haben darum ein 22-seitiges Exposé zusammengestellt, in dem die Strecke vorgestellt wird. Eine Machbarkeitsstudie sozusagen. Und die kommt zum Ergebnis: Wenn Braunschweig will, dann fahren im Sommer 2017 S-Bahnen durch die Innenstadt.

Das Papier liegt bereits dem sogenannten Lenkungsausschuss des Landes vor. Er entscheidet darüber, welche Bahnstrecken in Niedersachsen wieder eröffnet werden sollen. Die Strecke Wendeburg – Braunschweig hat beste Chancen. Denn zurzeit bemüht sich Volkswagen darum, vom Werk an der Gifhorner Straße auf genau dieser Strecke Güterzüge nach Wendeburg/Harvesse fahren zu lassen. Dort plant Volkswagen, ein großes Logistikzentrum zu bauen.

An dieser Strecke hat auch Braunschweig ein hohes Interesse. Denn wenn Güterzüge fahren, wird sich der Lastwagen-Verkehr im Norden der Stadt drastisch verringern.

Was steht also der Strecke Wendeburg – Hauptbahnhof Braunschweig im Wege? Natürlich die Frage: Wie teuer wird das? Die Antwort: zwischen 32 und 39Millionen Euro. „Wir haben uns an den Kostenansätzen von Chemnitz orientiert, wo kürzlich eine ähnliche Strecke eröffnet wurde. Die Zahlen sind also aktuell und relativ verlässlich“, sagt Michael Walter, einer der Autoren.

Dabei handelt es sich um einen Inklusivpreis. Er enthält die Kosten für Gleisanlagen, Bahnsteige, Bahnübergänge, die Elektrifizierung der Strecke sowie die Kosten für die neuen S-Bahnen selbst.

Zudem wurden zwei Strecken durch das Stadtgebiet durchgerechnet.

Strecken-Variante A: Sie würde am VW-Werk vorbei in die Nordstadt führen, dort das geplante Neubaugebiet anschließen und später parallel zum Ringgleis verlaufen. Am Pressehaus würden die S-Bahnen auf die Hamburger Straße stoßen und über Bohlweg und Kennedy-Platz zum Bahnhof fahren.

Strecken-Variante B: Der Schlenker durch die Nordstadt entfällt. Die Strecke führt direkt über Gifhorner und Hamburger Straße. Diese Variante ist etwa zwei Millionen Euro billiger.

Sparpotenzial liegt in der Frage, wie die S-Bahnen angetrieben werden. Am billigsten wäre, sie mit Straßenbahn-Strom zu betreiben. Am teuersten der Betrieb mit Hochspannungsstrom der Deutschen Bahn. Der Hybrid-Antrieb, Überland mit Diesel, innerstädtisch mit Straßenbahn-Strom, liegt preislich dazwischen.

Die Fahrzeuge selbst, fünf müssten angeschafft werden, damit im 30-Minuten-Takt gefahren werden kann, benötigen innerstädtisch eine dritte Schiene. Weil die S-Bahnen breiter als Straßenbahnen sind, bieten sie etwa 104 Sitz- und 120 Stehplätze. Walther betont: „Innerstädtisch werden S-Bahnen als Straßenbahnen eingestuft. Ist also kein Bahnübergang mit Schranken auf dem Bohlweg nötig, damit die Stadtbahn dort fahren kann.“

Walter meint: Gehe man von einer 35-Millionen-Euro-Variante aus, sei der folgende Kostensplitt denkbar: „10 Millionen Volkswagen, 20 Millionen Braunschweig, 5Millionen Euro Wendeburg. Fördergelder des Landes würden den Braunschweiger Anteil auf etwa 5Millionen Euro fallen lassen.“

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