Immer mehr Fundhunde im Tierheim

Braunschweig  Immer mehr Fundhunde im Tierheim und immer weniger Vermittlungen: Tierheim-Leiterin Verena Geißler sagt, das sei die Kehrseite des Hundegesetzes.

Sachkunde-Prüfungen für Hundehalter im Tierheim.

Sachkunde-Prüfungen für Hundehalter im Tierheim.

Foto: Rudolf Flentje

„Jede Woche springen Interessenten ab, wenn sie erfahren, was alles nötig ist“, erklärt Verena Geißler. Nicht allein die zusätzlichen Kosten etwa für die seit 2011 geltende Pflicht zur Hundehaftpflicht, für das Chippen oder die Registrierung schrecken ab. Nach Geißlers Erfahrung bremst auch der in diesem Jahr eingeführte Hundeführerschein die Bereitschaft, einen Hund aus dem Tierheim aufzunehmen.

Das Nachsehen hätten vor allem alte und chronisch kranke Tiere. Sie blieben immer häufiger im Tierheim zurück. „Von aktuell 35 haben wir zurzeit sieben Hunde, die schon ein bis zwei Jahre hier absitzen“, berichtet Geißler.

Ein Grund: Häufig seien es ältere Menschen, die einem betagten Hund noch ein letztes Zuhause geben wollten. „Doch eine 70-Jährige mit einem zwölf Jahre alten Hund zum Sachkunde-Nachweis ins Rennen zu schicken, verschlechtert die Chancen für alte Hunde massiv.“ Denn viele der Senioren, so Geißlers Eindruck, scheuten sich vor der Prüfung, in der theoretisches Wissen über Hunde ebenso getestet wird wie die Fähigkeit, einen Hund sicher zu führen.

Um Barrieren abzubauen, bietet das Tierheim die Sachkunde-Prüfung inzwischen selbst an. Geißler hat sich dafür eigens als Hundetrainerin zertifizieren lassen. Finanzielle Vergünstigungen sollen einen Anreiz schaffen, sich für einen Vierbeiner aus dem Tierheim zu entscheiden. „Die Hunde werden bei uns auch gechipt. Wir bieten ein Rund-um-Paket.“

Zumal Verena Geißler ohnehin mit einem verstärkten Zulauf rechnet. So habe sich die Zahl der Fundhunde auf fünf bis sieben wöchentlich nahezu verdoppelt – ein Viertel von ihnen werde ausgesetzt. Über Gründe kann sie nur spekulieren. „Das Halten eines Hundes ist teurer geworden.“

Hält ein Halter sich nicht ans Gesetz, kann das Tierheim für seinen Hund zur Endstation werden. Zu mehreren Einsätzen wurden die Tierschützer bereits gerufen. „Wir haben eine Kampfhündin hier, die nicht gechipt ist. Die Kosten dafür wird der Halter wohl auch nicht aufbringen können. Wir müssen uns daran gewöhnen, dass es häufiger zu solchen Fällen kommen wird“, meint Geißler.

HUNDEGESETZ

Das Hundegesetz soll die Sicherheit im Umgang mit Hunden erhöhen. Seit Juli 2011 gelten Chip-Pflicht und Hundehaftpflicht, seit Juli 2013 müssen Hunde in einem zentralen Register angemeldet werden und neue Halter einen Hundeführerschein ablegen.

Bußgelder in einer Gesamthöhe von 575 Euro hat die Stadt seit 2011 wegen Verstößen gegen das Gesetz verhängt. In 12 von 23 Ordnungswidrigkeitsverfahren fehlte eine Hundehaftpflichtversicherung.

Nach Angaben der Stadt wurden seit Einführung des niedersächsischen Hundegesetzes vor zwei Jahren vier Hunde den Haltern entzogen und ins Tierheim gebracht. Tätig wird die Ordnungsbehörde, wenn sie Hinweise etwa von Polizei oder Privatpersonen erhält. „Meistens sind Beißereien der Ausgangspunkt“, verweist Stadtsprecher Adrian Foitzik auf seither 68 Überprüfungen, bei denen es vor allem um die Gefährlichkeit der Hunde ging. In 23 Fällen aber mussten Halter auch Bußgelder zahlen, weil sie Haftpflicht, Chip, Hunde-Führerschein oder Registrierung nicht nachweisen konnten.

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