Noch drei Bahnstrecken haben Chancen

Braunschweig  Der Zweckverband beriet Mittwoch über in Hannover getroffene Entscheidungen. Es ging um stillgelegte Trassen.

Die 9. Sitzung des Ausschusses für Regionalverkehr des Zweckverbands Großraum Braunschweig (ZGB) in der Braunschweiger Stadthalle schaffte zumindest ein wenig mehr Gewissheit. Gewissheit in der Hinsicht, dass das Bahnstrecken-Netz in unserer Region in naher Zukunft nicht fundamentalen Umwälzungen unterliegen wird.

Die von der rot-grünen Landesregierung in den Koalitionsvertrag geschriebene Prüfung der Reaktivierung von stillgelegten Trassen ist im vollen Gange. Zwischen Harz und Heide sind allerdings nur noch drei Strecken im Rennen. Es sind die Verbindungen Braunschweig–Harvesse, Salzgitter-Lebenstedt–Salzgitter-Fredenberg und Salzgitter-Bad–Leben- stedt –Lengende/Broistedt – Peine.

Christian Weirich, der für die ZGB-Verwaltung die in Hannover gefällte Entscheidung vorstellte, erklärte: „Für diese Strecken wird das Land nun einer weitere Nutzwertanalyse erstellen, die neben Fahrgastpotenzial und Investitionskosten als Kriterium nun auch das Güterverkehrspotenzial einfließen lässt.“

14 stillgelegte Zugstrecken hatte der ZGB einst bei der zuständigen Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG) eingereicht – und biss zunächst auf Granit. Nach Ansicht der LNVG besaß keine Strecke das Potenzial, die eine Wiederbelebung der Trassen rechtfertige. Schließlich schafften es doch noch vier Teilstrecken, erneut hinsichtlich ihrer Wirtschaftlichkeit geprüft zu werden (siehe Kasten).

Gestern nannte der Ausschussvorsitzende Manfred Pesditschek (SPD) es ein „starkes Stück“, das zunächst keine vom ZGB genannte Bahnstrecke berücksichtigt wurde. Manchmal sei es eben auch von Nachteil, wenn man unabhängig von einer Landesbehörde agiere.

KRITERIEN FÜR DAS STRECKEN-AUSWAHLVERFAHREN

Für die erste Stufe des Auswahlverfahrens legte die Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG) sechs Ausschlusskriterien fest:

Sehr geringes Verkehrspoten-zial (gegliedert in weitere Unterpunkte)

Streckenverlauf abseits der Siedlungsschwerpunkte

Verkehrsströme weichen von Linienführung ab

Zersplitterte Siedlungsstruktur

ungeeignet für den Schienenpersonennahverkehr (SPNV)

zu hohe Investitionskosten

Einbindung in das SPNV-Netz nicht herstellbar

Eine Strecke fällt durch, wenn eine Kombination der folgenden Ausschlusskriterien zutrifft:

Sehr geringes Verkehrspotenzial

geringes Verkehrspotenzial und ein weiteres Ausschlusskriterium

drei oder mehr Ausschlusskriterien

Der Zweckverband Großraum Braunschweig (ZGB) meldete 14 Strecken, die er für reaktivierungswürdig hielt. Die LNVG erteilte in einer ersten Entscheidung zunächst allen Strecken eine Absage. Jedoch wurden vier Teilstrecken einer erneuten Prüfung unterzogen. Diese lauteten: Salzgitter-Lebenstedt – Salzgitter-Fredenberg; Braunschweig – Harvesse; Peine – Lengede-Broistedt; Wittingen – Rühen – Wolfsburg. Letztere schaffte den Sprung bei dieser Prüfung nicht in die nächste Runde.

Auch andere Ausschussmitglieder hinterfragten die Entscheidungen. Sie verwiesen unter anderem auf die nicht berücksichtigte Strecke zwischen Schöppenstedt und Schöningen. Eine Entscheidung, die mit Blick auf das eröffnete „Paläon“ und Tausende von Besuchern nicht nachvollziehbar sei. Verbandsdirektor Hennig Brandes verteidigte die Behörde in Hannover.

„Wir haben damals auch viele Strecken eingereicht, von denen wir wussten, dass diese keine Chance haben werden. Aber wir wollten uns in diesem Gremium nicht den Vorwurf gefallen lassen, wir hätten nicht versucht, das bestmögliche Ergebnis zu erzielen.“ Und Pesditschek ergänzte: „Wir dürfen jetzt nicht innerhalb des ZGB anfangen, darüber zu diskutieren, welche die bessere Strecke gewesen wäre. Wenn wir am Ende der Prüfung wieder mit leeren Händen da stehen, dann müssen wir aufschreien.“ Dafür gab es aus dem Ausschuss keinen Widerspruch.

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