„Nazis raus“ – Braunschweig zeigte Flagge

Braunschweig  Hunderte Braunschweiger demonstrierten am Donnerstag gegen Auftritt der Rechtsgruppierung „Pro Deutschland“.

Menschen demonstrieren auf dem Hagenmarkt gegen die Kundgebung von „Pro Deutschland“.

Menschen demonstrieren auf dem Hagenmarkt gegen die Kundgebung von „Pro Deutschland“.

Foto: Björn Schmitz

„Haut ab!“ Braunschweig hat am Donnerstag Flagge gegen Rechts gezeigt. Hunderte demonstrierten gegen provokante Auftritte der ausländer- und islamfeindlichen Rechtspartei „Pro Deutschland“ an sensiblen Orten in der Innenstadt – in der Nähe einer Moschee, am Antifaschistischen Café und am Büro der Falken. Mit Buh-Rufen und Trillerpfeif-Konzerten übertönten sie die Hetz-Parolen der rechten Redner ein ums andere Mal.

In einem weißen Kombi waren die sieben Rechtspolitiker am Mittag nach einem Auftritt in Salzgitter angereist. Auch ein Hund war dabei. Die Polizei verhinderte mit einem Großaufgebot Übergriffe zwischen ihnen und den teils erbosten Gegendemonstranten. Nur am Cyriaksring kam es kurzfristig zu einem kleinen Tumult, als Demonstranten auf die Straße stürmten und anschließend Widerstand gegen Anordnungen der Polizei leisteten. Bei einem Handgemenge wurden zwei Polizisten leicht verletzt.

Polizeisprecher Joachim Grande erklärte, in Braunschweig hätten die Rechten die gleiche Strategie verfolgt wie zuvor in anderen Städten. „Durch Provokationen versuchen sie die Gegner zu reizen und zu unbedachten Aktionen zu verleiten. Dadurch erhoffen sie sich eine größere Resonanz in den Medien.“

So an der Wendenstraße, Ecke Kaiserstraße. Dort trat die sächsische Pro-Bundestagskandidatin Stephanie Trabant ausgerechnet in einer Burka auf – und prangerte die angebliche „Unterdrückung der Frauen im Islam“ an, wissend, dass sich zu der Zeit Gläubige in der nahen Moschee der Islamischen Gemeinschaft befanden und beteten.

Am Hagenmarkt hatten sich derweil Mitglieder des Bündnisses gegen Rechts versammelt. Udo Sommerfeld warnte, die Rechten versuchten das Zusammenleben der Menschen in Braunschweig massiv zu untergraben. „Ihnen schwebt ein anderer Staat vor, in dem dunkler Rassismus an der Tagesordnung ist.“

David Janzen erklärte: „Dass hier gegen Muslime gehetzt wird und Menschen mit jüdischem Glauben, lassen wir nicht zu.“

Kritik übten die sieben rechten Kundgebungsteilnehmer an der Polizei, von der sie sich schikaniert fühlten – in erster Linie, weil ihnen an der Wendenstraße der Einsatz von Megaphonen untersagt worden war, unter Hinweis auf die nur geringe Teilnehmerzahl. Begründung: Es sei möglich, die Zuhörer auch so zu erreichen.

Das sei rechtswidrig, schimpften die Teilnehmer. Und es verstoße gegen einen Erlass des Innenministeriums. Die Polizei mache sich in Braunschweig zum „Handlanger gegen Rechts“.

Verärgert war man auch über den massiven Einsatz von Polizeipferden, da einer der Kundgebungsteilnehmer unter einer ärztlich attestierten Pferdeallergie leide und sich fernhalten musste.

Im Gespräch mit der BZ erklärte Pro-Geschäftsführer Lars Seidensticker, man wolle die Bevölkerung auf die „Gefahr der Islamisierung“ hinweisen. Dass man so viele Gegendemonstranten habe, beeindrucke nicht. Diese Leute würden „bezahlt dafür“ und „von einer Stadt in die nächste gekarrt, um Stimmung zu machen“.

Am Abend endete die Kundgebung am Ägidienmarkt. Dann zog der Tross weiter, nach Hannover.

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