Im Gespräch wird Geschichte lebendig

Braunschweig  Der Tag des offenen Denkmals lockte gestern 3800 historisch Interessierte zu elf Stationen im Stadtgebiet.

„Heute ist doch der Tag des offenen Denkmals“, meinte der Besucher der ersten von zwei Führungen am früheren Reichsjägerhof in Riddagshausen. „Schade, dass man dann nicht in das Gebäude hinein darf.“

In der Tat blieb das 1934/1935 in nur eineinviertel Jahren erstellte Fachwerkgebäude, in dem einst die Forstverwaltung des Gaues Ostfalen untergebracht war und bis vor kurzem ein Kindergarten der Lebenshilfe residierte, verschlossen.

Das zurzeit ungenutzte Gebäude gehört der Stadt und geht demnächst in den Besitz der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz über. „Die Sicherungspflicht für die Besucher konnte ich nicht allein übernehmen“, erklärte Stadtteilheimatpfleger Reinhard Wetterau, der den Denkmaltag organisiert und als Riddagshäuser Heimatpfleger diese Führungen selbst übernommen hatte.

Das Motto des Tages lautete „Jenseits des Guten und Schönen: Unbequeme Denkmale?“ Es war Zufall, dass es pünktlich zum Beginn der Führungen wettertechnisch unbequem wurde und zu regnen begann.

So pladderte es vor der heutigen Integrierten Gesamtschule (IGS) Franzsches Feld, dem Luftflottenkommando der Nationalsozialisten. Oberkonservator im Ruhestand Günter Jung unterbrach seinen 11-Uhr-Vortrag über den Monumentalbau nach wenigen Minuten und suchte mit den zahlreichen Zuhörern Schutz unter dem überdachten Portal des grauen Hauptgebäudes.

An allen Stationen waren Heimatpfleger, Historiker, Denkmalpfleger und auch Schulleiter aktiv, um interessierten Braunschweigern über die Stadt im Wechsel der Jahrhunderte zu berichten und Fragen zu beantworten. „Mir ist wichtig, dass ein Dialog entsteht, damit Geschichte lebendig erlebt wird“, betonte Wetterau.

Andrang gab es unter anderem beim Bunker Kralenriede, der allerdings jeweils nach Beginn der Führungen aus Kapazitätsgründen geschlossen wurde, und bei der im 13. Jahrhundert gebauten Kemenate Hagenbrücke. Das nach der Kriegszerstörung schon 1948 von seinem damaligen Besitzer sanierte Steinhaus wurde zuletzt als Künstleratelier genutzt.

Bauhistoriker Elmar Arnhold hatte im Auftrag der neuen Eigentümerin, der Karin-und-Joachim-Prüsse-Stiftung, ein Baugutachten erstellt und kannte sich daher bestens aus. Bis zur Bombardierung 1944 gab es noch 110 Kemenaten in der Stadt, neun sind übriggeblieben“, berichtete er und war überrascht über die vielen Interessenten an seinen Führungen. Wetterau sprach von insgesamt 3800 Besuchern im Stadtgebiet.

FAKTEN

2014 findet der bundesweite Tag des offenen Denkmals am 14. September statt. Das Motto heißt „Farben“.men

Die Kemenaten standen meist in den Innenhöfen von Fachwerkensembles und dienten im Fall verheerender Feuer als sicherer Rückzugsort, sagte Arnhold. Die unterkellerte Hagenbrücken-Kemenate mit ihren beiden Obergeschossen wird derzeit saniert und danach als Kulturstätte der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

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