Bessere Unterstützung für alkoholgeschädigte Kinder

Braunschweig  Im Aktionsjahr gegen Sucht lenkt die Kroschke Stiftung den Blick auf die Risiken für das ungeborene Leben.

Trinken werdende Mütter Alkohol, spielen sie mit ihren noch ungeborenen Kindern Russisches Roulette. Denn jede beliebige Menge, warnen Fachleute, könne dem Fötus schaden.

In der Aufklärung über Alkoholschädigungen bei Kindern schreitet Braunschweig mit einem bundesweit wohl beispielhaften Projekt voran: Hebammen, Erzieher, Lehrer oder Mitarbeiter von Sucht- oder Schwangerenberatungsstellen können sich jetzt in Broschüren wie auch auf einer neuen Internet-Seite (www.fas-braunschweig.de) mit den Ursachen, Folgen und Hilfsmöglichkeiten für die geistig wie körperlich irreversibel geschädigten Kinder beschäftigen.

Acht Broschüren sind auf die unterschiedlichen Informationsbedürfnisse der Berufsgruppen abgestimmt. Die Kroschke Stiftung für Kinder hat das Projekt im Braunschweiger Aktionsjahr gegen Sucht initiiert und mit rund 13 000 Euro finanziert.

„Es hat mich erschreckt, dass mehr Kinder unter dem Fetalen Alkoholsyndrom leiden als unter dem Down-Syndrom“, begründet Gerd-Ulrich-Hartmann, Geschäftsführer der Kroschke Stiftung, das Engagement für ein solches „Leuchtturmprojekt“ unter Leitung des renommierten Experten Prof. Reinhold Feldmann .

Laut Feldmann, Chef einer Spezialambulanz für alkoholgeschädigte Kinder an der Universitätsklinik Münster, ist eine Alkoholschädigung die häufigste Behinderung Neugeborener. Doch was wissen diejenigen darüber, die mit werdenden Müttern oder den geistig wie körperlich geschädigten Kindern in Kindergarten oder Schule täglich zu tun haben? Das wollte Psychologie-Studentin Nora Girke von ihnen auf 200 Fragebögen wissen. Das Ergebnis: auf die Berufsgruppen zugeschnittene Broschüren etwa mit Diagnose-Leitlinien und Umgangstipps.

Denn oftmals, weiß Hartmann, bleibe die Behinderung lange unerkannt. „Es gibt eine Riesen-Dunkelziffer.“ Für das Problem zu sensibilisieren, ist daher sein großes Anliegen. „Wir wollen es den Kindern leichter machen.“ Je früher die Schädigung und seine Ursachen erkannt würden, desto früher könne ein Kind gezielt unterstützt werden.

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