Röhrender Rock mit provokanten Texten

Braunschweig  Beim Festival Rock im Kennel reizten Bands und ein Teil der Besucher mit eindeutig zweideutigen Aussagen.

Gar nicht so einfach, einen Artikel über das Festival Rock im Kennel II zu schreiben. Natürlich gänzlich neutral und möglichst kontrovers. Mit kritischem Blick gegenüber Bands und Gästen, aber auch gegenüber den Kritikern der Veranstaltung, die öffentlich vor einem rechtsorientierten Festival warnten.

Fakt ist: Die zehnstündige Veranstaltung im Kennelbad mit Bands von InForm aus Wolfenbüttel bis zu den Krawallbrüdern aus dem Saarland wurde am Samstagnachmittag und Abend von 1100 Gästen besucht. Die Polizei, die sich zunächst um Falschparker gekümmert hatte, sah keinen weiteren Anlass zum Einsatz.

Zu dem Festival gibt es im Internet einen offenen Brief des sogenannten Grauzonen Info Service Braunschweig an den Verein, der das Kennel-Bad betreibt. Darin werden Kontakte des Veranstalters zu einer „rechten Hooligan-Gruppe“ beschrieben. Außerdem wird darauf aufmerksam gemacht, dass bei Rock im Kennel Bands spielen, die „ein rechtsorientiertes bis offen extrem rechtes Publikum anziehen“, wie der Blog „Recherche38 “ zusammenfasste.

Im Verein ist der offene Brief bekannt gewesen. Man habe sich trotzdem entschieden, das Festival auf dem Gelände stattfinden zu lassen, erklärte der Campingwart des Vereins, Dieter Huber.

Veranstalter André Panagiotaros beteuerte, sich nicht mit der rechten Szene zu identifizieren. „Wir wollen keinen Extremismus hier“, sagte er. Ordner seien angewiesen gewesen, Gäste mit eindeutiger Symbolik nicht hineinzulassen, was auch geschehen sei.

Fans dieser Deutsch-Punkrock- und Oi-Musikszene, das wurde nach einem Artikel über Rock im Kennel 2012 klar, fühlen sich durch Einordnungen wie in dem offenen Brief beschrieben, in eine politische Ecke geworfen, der sie sich nicht zugehörig fühlen.

Auf dem Kennelbad-Gelände wurde ein lautes, fröhliches, bei einigen feucht-fröhliches Fest gefeiert, aber das zehnstündige Ereignis artete in keine Richtung aus. Die Anhänger der Musik gehen allgemein sichtbar freundlich miteinander um, es sei denn, sie tanzen ganz bewusst in der Platzmitte Pogo. Wer nicht möchte, geht dort nicht hin.

Die Songs der meisten Bands beinhalten durchaus radikale Textpassagen, die neutrale Zuhörer erschaudern lassen. Bandnamen klingen oft martialisch – etwa Berserker oder Harzrebellen. Beides kommt bei vielen nicht gut an. Was allerdings bei kulturellen Strömungen, speziell bei Jugend- und Undergroundkultur, oft so ist. Ausgrenzung wird gefühlt und gezeigt – und manchmal gelebt.

Musik ist Geschmackssache, auch am Samstag. Da gab es röhrende, brüllende Sänger wie bei KrawallBrüder. Mit LeatherZoo war auch eine schottische Punk-Rock-Band mit vergleichsweise melodischem Rock dabei.

Durch Aufdrucke erkennbare Thor-Steiner-Kleidung war diesmal bei den Besuchern nicht zu sehen, dafür freilich bei einigen fragwürdige Tattoos oder auf T-Shirts gedruckte, bewusst zweideutige Song-Zitate. So wurde mit tendenziell rechtsorientiertem Gedankengut bewusst gespielt.

FAKTEN

1100 Zuschauer besuchten das zweite Festival Rock im Kennel. Acht szenebekannte Bands spielten zwischen 45 und 90 Minuten lang.

Kurz nach 23 Uhr endete das Festival pünktlich .men

Extremismus darf nicht verharmlost werden. Wächter sind wichtig und erwünscht. Und doch gilt ein ungeschriebenes Gesetz: Untergrund-Kultur will provozieren, Normen verletzen. Es ist dennoch zu mutmaßen, dass sich Polizei oder Staatsschutz in Zivil auf dem Gelände befunden hat.

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