„Selbsthilfe ist wie eine Versicherung“

Braunschweig  Sozialdezernent Ulrich Markurth zeichnete Braunschweiger am Selbsthilfe-Tag mit der Ehrenamtsurkunde aus.

Clown Norbi informierte Besucherin Inge Schmidt auf dem Kohlmarkt über Selbsthilfe-Angebote in Braunschweig.

Clown Norbi informierte Besucherin Inge Schmidt auf dem Kohlmarkt über Selbsthilfe-Angebote in Braunschweig.

Foto: Peter Sierigk

Selbsthilfetag am Samstag auf dem Kohlmarkt. An den Ständen der Rollstuhlfahrer, Schwerhörigen, Anonymen Alkoholiker, Aphasiker, Schüchternen oder Alleinerziehenden öffnen sich Betroffene mit ihren Anliegen und Angeboten.

Was geht das die Passanten und Einkaufsbummler an? „Seien Sie froh, wenn Sie die Selbsthilfe nicht brauchen“, gibt Sozialdezernent Ulrich Markurth von der Bühne herab eine Antwort. „Aber wenn das Leben schmerzhaft ist, ist es gut, wenn Menschen füreinander da sind.“ Selbsthilfe sei wie eine Versicherung.

Mit der niedersächsischen Ehrenamtsurkunde zeichnete Markurth im Namen des Landes Menschen aus, die die Stadt durch ihr vieljähriges Engagement in der Selbsthilfe „ein bisschen besser und menschlicher“ machten: Hans Kottke (Selbsthilfegruppe Angst und Depression), Jutta Schwabe (Guttempler), Dora Jaros (Verband alleinerziehender Mütter und Väter), Almuth Tabatt (Verband Nierenkranker, Dialysepatienten und Transplantierter) sowie das Ehepaar Renate und Klaus Reimers (Großeltern pro Kind). Die Preisträger nannte der Stadtrat beispielhaft für gesellschaftliche Solidarität.

Hinter ihnen stehen auch die vielen Gruppen, die sich an 26 Ständen auf dem Kohlmarkt präsentierten – „Experten in eigener Sache“, wie sie Bürgermeisterin Annegret Ihbe in ihrer Begrüßung nannte. Ob es um gesundheitliche oder soziale Probleme geht, der Satz „Geteiltes Leid ist halbes Leid“ findet in der Selbsthilfe seine Bestätigung. „Sie führt aus der Isolation und hilft bei der Alltagsbewältigung“, so Ihbe.

Die Selbsthilfe ist ein Spiegel der Gesellschaft. Die aktuellen Neugründungen drehen sich laut Ines Kampen, Leiterin der Selbsthilfe-Kontaktstelle Kibis, denn auch um Themen wie Schulden, sexueller Missbrauch in der Kindheit oder ADHS.

Zwei Herausforderungen nennt Kampen: junge Menschen wie auch Menschen mit Migrationsgeschichte stärker in die Selbsthilfe einzubinden. „Jüngere Menschen suchen eher Hilfe über das Internet.“ Doch ersetze es auf Dauer nicht das Bedürfnis nach persönlichem Kontakt.

Viele nutzten den Selbsthilfetag, sich über die Angebote zu informieren. Musikalisch unterhielten die Tanzgruppe Rhythmus, der Braunschweiger Senioren-Rockchor sowie die Bands „lebensfroh“ der Lebenshilfe und „Two Generations“.

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