Zugvögel noch auf Wohnungssuche

Braunschweig  Die Tiere finden immer weniger natürliche Brutplätze. Vogelkundler Carlo Fuchs gibt Tipps für Nisthöhlen.

Bernd Bähre klettert dreieinhalb Meter in eine Eiche. Gerd Albert steht auf einer Aluleiter und stemmt ihm einen hölzernen Kasten entgegen, den Bähre mit einer Kette am Baum befestigt. Für Vögel verschiedener Größen haben Bähre, Albert und weitere Mitglieder des Kultur- und Fördervereins Rühme zehn Nistkästen und einen Hummelkasten im Park zwischen Lincoln-Siedlung und Kralenriede angebracht. Ihr Vereinskollege Bernd Berkau hat sie gebaut.

Wir nahmen diese Aktion zum Anlass, um beim Naturschutzbund Nabu nachzufragen, was Gartenbesitzer beachten sollten, wenn sie auch Nisthöhlen aufhängen wollen. Gerade in der Stadt gibt es immer weniger natürliche Nistplätze. Vogelkundler Carlo Fuchs, Vorsitzender des Nabu Braunschweig, gibt Tipps.

Supermarkt um die Ecke

„Das Nahrungsangebot in der Umgebung muss passen“, sagt der Experte. Der Garten, in dem sich Brutpaare ansiedeln, sollte den Vögeln genug Nahrung wie Samen oder Insekten bieten. „Wenn Meisen erst 100 Meter fliegen müssen, um Futter für sich und den Nachwuchs zu finden, verbrauchen sie zu viel Energie“, erklärt Fuchs. Ist zu wenig Nahrung vorhanden, könnten die Elternvögel aus Selbsterhaltungstrieb die Fütterung der Jungvögel einstellen.

Optimal wäre ein Garten mit vielen heimischen Gehölzen, damit die Vögel genug Raupen finden, um ihre Aufzucht mit tierischen Proteinen zu füttern.

Kinderzimmer groß genug bauen

Es ist wie bei den Menschen: Bevor ein Vogelpaar gar keinen Platz zum Brüten findet, begnügt es sich lieber mit einer zu kleinen Behausung. Fuchs rät zu einem Brut innenraum von mindestens zwölf Zentimeter Durchmesser.

„Auf den ersten Blick dekorative, aber kleine Nisthöhlen sind ihr Geld oft nicht wert“, meint der Ornithologe. Meisen hätten oft eine Gelege von zehn und mehr Eiern. „Entwickeln sich die Jungen in einem zu kleinen Nistkasten, müssen sie schon bald übereinander sitzen.“ Das führe oft dazu, dass sie zu früh das Nest verließen „und draußen als lebendes Katzenfutter herumlaufen“, so Fuchs.

Die Größe der Haustür

Der Durchmesser des Einfluglochs entscheidet über die künftigen Bewohner. Üblich sind drei Größen. 26 bis 28 mm: Im Normalfall nutzen nur Blaumeisen diese Höhlen, sie sind klein genug.

32 mm: Bei dieser Standardgröße ziehen zum Beispiel Kohlmeise, Feldsperling oder der bedrohte Gartenrotschwanz ein.

45 mm: Für Stare ist diese Größe geeignet. Es mangelt für sie längst an natürlichen Bruthöhlen.

Nisthöhlen jetzt noch aufhängen?

Während Standvögel meist schon ihre Höhle gefunden und bezogen haben, sind die Zugvögel, die jetzt nach und nach eintreffen, noch auf Wohnungssuche.

„Deshalb ist es durchaus angebracht, auch jetzt noch Nisthöhlen aufzuhängen“, rät Vogelkundler Carlo Fuchs.

Was schützt vor Fressfeinden?

Für Katzen oder Marder sind Nistkästen wie Vorratshöhlen. Sie langen gern in die Einfluglöcher und schnappen sich eine Mahlzeit. Verlängernde Vorsätze vor den Löchern, sozusagen kleine Einflugtunnel, retten die Brut, wenn die Fressfeinde dann nicht mehr bis auf den Nistkasten-Boden durchlangen können.

DIE GRÖSSTEN FEHLER

Durchzug: Durch Gefieder oder Nistmaterial gelangt Wasser in die Höhle. Falsch wäre es, unten ein Loch in den Nistkasten zu bohren. Durchzug tut weder den erwachsenen Vögeln noch den Eier oder der Brut gut.

Versiegelte Oberflächen sind bei Nistkästen nicht angebracht. Denn sie müssen klimaausgleichend wirken. Bei Holzkästen kann eine offenporige Lasur auf Wasserbasis verwendet werden.

Entleerte Plastikkanister sind ungeeignet als Nistkästen und können bei Sonneneinstrahlung zu Todesfallen für Jungvögel werden.men

Um Nistkästen vor dem Aufhacken durch den Specht zu schützen, rät der Nabu zu Nisthöhlen aus Holzbeton, bestehend aus Sägespänen und Zement. Sie wirken auch feuchtigkeitsausgleichend.

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