Was wird aus dem beliebten Café Okerterrassen?

Braunschweig  Besitzer wollen die Villa in der Parkstraße verkaufen – Café bleibt aber mindestens bis Ende 2013 geöffnet

Gerlinde und Otto Schönebaum stehen in ihrem Café Okerterrassen.

Gerlinde und Otto Schönebaum stehen in ihrem Café Okerterrassen.

Foto: Peter Sierigk

Das Gebäude Parkstraße 11 steht zum Verkauf. Ein besonderer Ort mit Historie und Charme. In dem 1874 errichteten Haus befindet sich seit 1906 das älteste erhaltene Café der Stadt. Als Café Okerterrassen ist es seit 1938 im Besitz der Familie Schönebaum.

„Mit einem lachenden und einem weinenden Auge haben wir uns zum Verkauf entschlossen. Die Arbeit im Café macht Spaß, ist aber auch anstrengend“, sagt Otto Schönebaum. Der bald 60-Jährige hat fast sein ganzes Leben an der Oker verbracht, wurde in dem Haus geboren, das sein Großvater einst kaufte. Nachdem dieser große Betriebe in Magdeburg und Bielefeld geführt hatte, wollte er in Braunschweig in einer Villa mit Blick ins Grüne und einem kleinen Café kürzer treten.

Daraus wurde, wie der Ex-Kollege Harald Duin schrieb, ein Sehnsuchtsort, wie eine Stadt ihn einfach braucht. Unzählige Liebschaften festigten sich hier beim Verzehr von Apfelkuchen und Eisschokolade, und auch viele Schauspieler konnten sich dem Charme der Okerterrassen nicht entziehen. Hansjörg Felmy war zu Gast wie auch Diether Krebs oder Klaus Maria Brandauer.

Otto Schönebaum leitet das Café seit 1977. „Damals entdeckten uns die Studenten, und ich führte die Abendöffnung und den Bierausschank ein“, erzählt der Gastronom. Rasch war im Sommer abends gegen 21 Uhr kein Stuhl mehr frei, saßen die jungen Leute auf den Treppen.

Viele Jahre lang war das jeden Sommer so. Von 10 bis 23 Uhr an sieben Tagen in der Woche war das Café geöffnet. Darunter litt das Privat- und Familienleben. Auch noch als die Öffnungszeit auf 20 Uhr reduziert wurde. „Wir wünschen uns einen geregelten Alltag, möchten unsere Töchter und unseren Enkel besuchen und auch mal im Sommer verreisen“, sagt Gerlinde Schönebaum, die das Café seit 1993 gemeinsam mit ihrem Mann führt.

Die Verkaufsentscheidung sei ein langer Prozess gewesen. Mehrere Optionen seien durchdacht worden. „In erster Linie verkaufen wir eine besondere Immobilie und keinen Gastronomiebetrieb“, betont Gerlinde Schönebaum. Ihre Kinder wüssten, wie hart sie in den vergangenen Jahren gearbeitet haben. „Wir sind dankbar, dass sie unsere Entscheidung akzeptieren, schweren Herzens zwar, aber wissend dass es für uns das Beste ist.“

Bis Ende 2013 wollen die Schönebaums das Café Okerterrassen weiter betreiben – mit der Lesereihe „Vorwiegend heiter“, den Floß- und Kahnfahrten und vielen Gesellschaftsveranstaltungen. 2012 hatten sie so viele Gruppen zu Gast wie noch nie – vor kurzem sogar die Belegschaft der Hamburger Staatsoper.

„So eine Immobilie, die sich vielfältig nutzen lässt, gibt es in Braunschweig kein zweites Mal“, sagt Yoster von Wülfing. Der Makler ist vom Ehepaar Schönebaum mit der Vermarktung beauftragt worden. Angebote nimmt er ab einem bestimmten siebenstelligen Betrag entgegen.

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