So wird Eckert & Ziegler in Thune überwacht

Braunschweig  Antworten des Gewerbeaufsichtsamtes auf Fragen unserer Leser zum Leserforum „Atommüll in Thune?!“

Container auf dem Gelände der Firma Eckert & Ziegler..

Container auf dem Gelände der Firma Eckert & Ziegler..

Foto: Archiv

Nach dem Leserforum „Atommüll in Thune?!“ setzen wir den Abdruck der Leser-Fragen und der Antworten fort. Heute die restlichen Antworten des staatlichen Gewerbeaufsichtsamtes (GAA) Braunschweig, die uns schriftlich erreichten.

Wie setzt sich der maximal zulässige Grenzwert zusammen? Sind darin neben den Messwerten der Direktstrahlung am Zaun auch die Werte für alle Abluftkamine enthalten, so dass es sich bei dem maximalen Grenzwert um eine Gesamtaktivität handelt?

Der Grenzwert der effektiven Dosis setzt sich aus der Direktstrahlung und der Strahlenexposition aus Ableitungen über den Luft- und Wasserpfad zusammen. Die Strahlenexposition aus Ableitungen liegt bei der Firma Eckert & Ziegler Nuclitec (EZN) nur im Bereich von Bruchteilen der Direktstrahlung.

Herr Dr. Eckert erklärte bei verschiedenen Gelegenheiten, dass es bei EZN und deren Vorgängern nie Grenzwertüberschreitungen gegeben habe. Er verbreitete beispielsweise über ein Interview in der BZ die Aussage: „Wir dürfen zwar hohe Aktivitäten handhaben, aber die Strahlung, die nach der Abschirmung übrig bleibt, ist genauso niedrig wie überall. [Grenzwert] ... am Zaun ... ein Millisievert. Unsere Jahreswerte liegen weit darunter, seit Dekaden.“ Im Auftrag des Staatlichen Gewerbeaufsichtsamtes erstellte Überwachungsberichte sprechen eine andere Sprache. Beispielsweise heißt es im Berichtsjahr 1998 [1]: „Die Auswertung der Gamma-Ortsdosen ergab an Messpunkt 5 (2,538 mSv/a bzw. Nettodosis 1,960 mSv/a) und an Messpunkt 7 (3,006 mSv/a bzw. Nettodosis 2,428 mSv/a) auch nach Abzug des natürlichen Untergrundes eine Grenzwertüberschreitung gemäß §44 Abs. 1 Strahlenschutzverordnung.“ Im Bericht folgen Einzelheiten zu weiteren Überschreitungen an weiteren Messpunkten. Abschließend heißt es: „Den Betreibern sollte auferlegt werden, durch Verbesserung des bautechnischen Strahlenschutzes oder durch organisatorische Maßnahmen sicherzustellen, dass Grenzwertüberschreitungen durch Gamma-Direktstrahlung zukünftig vermieden werden.“ Wie reagierte das Gewerbeaufsichtsamt auf diese Berichtsergebnisse und -empfehlungen? Wie reagierte die Firma auf diese Berichtsergebnisse und -empfehlungen?

Mit Genehmigung vom 5. September 1995 wurde der Grenzwert für die Direktstrahlung auf höchstens 3,0 mSv pro Jahr festgesetzt. Dies war möglich, da nach der damals geltenden Strahlenschutzverordnung der Grenzwert in Einzelfällen auf bis zu 5 mSv/a festgelegt werden konnte. Bei dem Wert von 3,006 mSv/a am Messpunkt 7 handelt es sich um einen Bruttowert, von dem noch der Wert für die natürliche Untergrundstrahlung am Referenzmesspunkt von 0,578 mSv/a abgezogen werden muss. Der Grenzwert von 3 mSv/a wurde also eingehalten.

Wie sieht die Kontrolle von Abluft und Abwasser aus?

Die Emissionen an den Kaminen werden durch die Anlagenbetreiber arbeitstäglich gemessen und schließlich quartalsweise dokumentiert. Das Staatliche Gewerbeaufsichtsamt Braunschweig erhält diese Liste einmal im Quartal.

Ferner wird unter Aufsicht des Staatlichen Gewerbeaufsichtsamtes Braunschweig an Terminen, die den Unternehmen vorab nicht bekannt sind, die Emissionsüberwachung des Betreibers kontrolliert.

Hierzu werden Filterproben im Beisein des Staatlichen Gewerbeaufsichtsamtes Braunschweig genommen. Diese Proben werden verpackt und an den Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz als unabhängige Messstelle zur Auswertung übersandt.

Die Beprobung des Abwassers geschieht ebenfalls im Beisein eines Mitarbeiters des Staatlichen Gewerbeaufsichtsamtes Braunschweig. Eine Wasserprobe wird vom Unternehmen ausgewertet, eine zweite Probe wird an den Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz geschickt und dort ausgewertet.

Alle Messergebnisse werden in einer Übersicht dokumentiert und dem Staatlichen Gewerbeaufsichtsamt Braunschweig einmal jährlich übersandt.

Im Winter kann man sehr gut sehen, dass dort, wo die Firma einen Zugang zum Kanal hat und sich ein Schacht befindet, das gefrorene Wasser sehr milchig ist. Mir ist auch aufgefallen, dass in dem Bereich, wo die Firma Eckert & Ziegler einen Zugang zum Kanal hat, Mitarbeiter der Firma und auch andere Leute an einem Zulauf in den Kanal gearbeitet haben (schon zwei Mal in diesem Jahr). Ich weiß nicht, ob es was damit zu tun hat? Meine Frage ist: Was wird von der Firma Eckert & Ziegler dort in den Kanal eingeleitet?

Der Schacht gehört nicht zu den Unternehmen, die mit radioaktiven Stoffen umgehen. Sie geben kein Abwasser in den Mittellandkanal ab.

(Wird fortgesetzt)

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