Strahlender Müll – Rat bremst Eckert & Ziegler

Braunschweig  Der Rat der Stadt Braunschweig hat am Dienstag eine zweijährige Veränderungssperre im Stadtteil Thune verhängt und damit Baupläne des Nuklear-Unternehmens Eckert & Ziegler gestoppt.

Blick in ein Labor von Eckert & Ziegler. Dort werden – so wie hier demonstriert – in abgeschirmten Boxen Medikamente der Strahlenmedizin hergestellt.

Blick in ein Labor von Eckert & Ziegler. Dort werden – so wie hier demonstriert – in abgeschirmten Boxen Medikamente der Strahlenmedizin hergestellt.

Die Veränderungssperre wurde vom Rat ohne Gegenstimmen beschlossen. Die Anwohner von Eckert & Ziegler, die sich in der Bürgerinitiative Strahlenschutz zusammengeschlossen haben, atmen nun durch.

„Die Veränderungssperre ist nur ein erster Schritt in die richtige Richtung“, so Peter Meyer, einer der Sprecher der Initiative. Denn das Ziel, über einen Bebauungsplan zu verhindern, dass radioaktiver Abfall in unmittelbarer Nähe zu einem Wohngebiet verarbeitet wird, sei noch nicht erreicht. Das gelte auch für das zweite Ziel der Initiative: die korrekte Kontrolle der Strahlenwerte am Zaun des Betriebsgeländes von Eckert & Ziegler durch das Gewerbeaufsichtsamt.

Wie der Rat weiter verfahren wird, ist unklar. Holger Herlitschke, Fraktionschef der Grünen und Planungsausschuss-Vorsitzender, hob hervor: Folge der Veränderungssperre sei zunächst, dass die Planungshoheit nunmehr wieder bei der Stadt Braunschweig liege. Die Sperrzeit könne genutzt werden, in aller Ruhe offene Fragen zu klären und zusätzliche Informationen einzuziehen.

Meyer sieht die Politik in einem Zielkonflikt: „Eine Kita und ein Jugendzentrum sollen gebaut werden, das Lessing-Gymnasium Ganztagsschule werden – das verträgt sich nicht mit der Erweiterung von Eckert & Ziegler.“

Fakten:

Im Januar fand in der Stadthalle eine Experten-Anhörung zu den Folgen einer eventuellen Erweiterung von Eckert & Ziegler statt. Die Mitglieder des Rates fühlen sich gleichwohl nicht ausreichend informiert. Für Aufklärung sollen sorgen:

+++Antworten der Landesregierung auf mehr als 60 Fragen der Braunschweiger Abgeordneten Gabriele Heinen-Kljajic, die Sprecherin Wissenschaft der Grünen im Landtag ist. Die Große Anfrage soll zum Beispiel klären, warum Eckert & Ziegler mit stark strahlendem Material umgehen darf.

+++Detaillierte Informationen von Eckert & Ziegler zum Bauvorhaben in Thune sowie über die Pläne des Unternehmens zur Produktion von Nuklear-Medizin und Verarbeitung radioaktiver Abfälle. Dabei wird es auch um Mengen und die Art der Abfälle gehen.

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