Eckert & Ziegler – der Streit geht weiter

Braunschweig  Hickhack um die Veröffentlichung des radioaktiven Inventars auf dem Firmengelände in Thune: Neue Frist bis 1. März.

Container auf dem Gelände von Eckert + Ziegler in Thune.

Container auf dem Gelände von Eckert + Ziegler in Thune.

Foto: Peter Sierigk

Hat die Öffentlichkeit ein Recht darauf zu erfahren, wieviel Radioaktivität es auf dem Firmengelände von Eckert & Ziegler in Thune an der Gieselstraße gibt?

Ja, meint die Bürgerinitiative Strahlenschutz (BISS) und hat nach dem Umwelt-Informationsgesetz einen Antrag an das zuständige Gewerbeaufsichtsamt gestellt. „Wir wollen keine Betriebsgeheimnisse wissen. Aber wir wollen im Interesse der Öffentlichkeit wissen, wie hoch das radioaktive Inventar dort ist“, erklärt Peter Meyer von der BISS gegenüber unserer Zeitung.

Firmenchef Dr. Peter Eckert sieht die Sache etwas anders. Er befürchtet, dass seine Konkurrenz aus solchen Informationen Rückschlüsse ziehen könnte und damit Betriebsgeheimnisse preisgegeben würden.

Das Unternehmen produziert sehr erfolgreich Medikamente der Strahlungsmedizin und ist auf die Behandlung radioaktiver Abfälle spezialisiert.

Gewerbeaufsichtsamt: Neue Frist bis zum 1. März

Im Zusammenhang mit einer sehr hohen so genannten Umgangsgenehmigung, die das Unternehmen nicht ausschöpfen kann, weil am Zaun die zulässigen Grenzwerte bereits erreicht sind, dreht sich nun alles um den Erweiterungsantrag: Das Unternehmen will auf einem angrenzenden Gelände eine weitere Halle errichten. Firmenchef Eckert beteuert: „Wir wollen dies zur Modernisierung tun. Der Neubau würde die Strahlenbelastung nicht erhöhen, sondern weiter absenken.“

Doch bei der BISS und den besorgten Anwohnern in Thune fürchtet man, es gehe in Wirklichkeit nicht um Modernisierung, sondern um Ausweitung der Aktivitäten.

Hierfür spricht für sie, dass die Spezialisten von Eckert & Ziegler für die fachmännische Behandlung des Asse-Mülls und der sogenannten Asse-Laugen in Frage kommen könnten.

Firmenchef Eckert selbst trägt hier nicht gerade zur Beruhigung bei. Er wird nicht müde, das unbestrittene Know-How seines Unternehmens in diesem Zusammenhang ins Spiel zu bringen. Erst am Freitag sagte er unserer Zeitung wörtlich: „Das ist für uns keine große Sache. Wir wollen und können das machen.“

Die Ratsgremien haben mittlerweile eine neue Veränderungssperre auf den Weg gebracht, um Zeit zu gewinnen – am 28. Februar ist das Thema wieder im Stadtparlament.

Im Hintergrund sorgen auch Klagen gegen die Stadt und das Gewerbeaufsichtsamt für eine angespannte Atmosphäre. Es ist ein Klima, in dem keiner keinem etwas glaubt. Es ist ein Klima, in dem viel aneinander vorbeigeredet wird.

Vor diesem Hintergrund geht jetzt auch das Hickhack um die Veröffentlichung des radioaktiven Inventars auf dem Firmengelände weiter.

Zuletzt hatte das Gewerbeaufsichtsamt den Antrag der Bürger abgelehnt – mit Hinweis auf die mögliche Verletzung von Firmengeheimnissen, aber auch auf Gefahren durch terroristische Anschläge.

Wenn Kriminelle wüssten, was dort Gefährliches lagert, so die Argumentation, könnte dies die Öffentlichkeit gefährden.

Der Leiter des dem Landes-Umweltministerium unterstellten Staatlichen Gewerbeaufsichtsamtes Braunschweig, Andreas Aplowski, nimmt derzeit eine Art Vermittlerrolle ein. Er sondierte in mehreren Gesprächen bei der Bürgerinitiative und beim Unternehmen.

Leicht lockern sich im Moment die Fronten, aber nur ein bisschen: Es gäbe eine Möglichkeit, Vertreter der BISS in die Inventarliste von Eckert & Ziegler zu den radioaktiven Materialien hineinschauen zu lassen, avisiert Aplowski. Dann müsste jedoch sichergestellt sein, dass eine Veröffentlichung der Inventarliste ausgeschlossen ist. Bis zum 1. März haben die Bürger nun Zeit, dazu Stellung zu nehmen.

BISS fordert klare Angaben für jede Strahlungsart

Peter Meyer ist damit nicht zufrieden – erstmals hat die Bürgerinitiative in dieser Sache jetzt einen Anwalt eingeschaltet.

„Damit bleibt das Gewerbeaufsichtsamt sogar hinter dem zurück, was uns Dr. Eckert doch bei der Anhörung in der Stadthalle unterbreitet hat“, sagt Meyer unserer Zeitung. Tatsächlich hatte der Firmenchef da eine Veröffentlichung angeboten, wenn Details, die dem Unternehmen im Wettbewerb schaden, geschwärzt werden könnten.

Meyer pocht auf das öffentliche Interesse – und in der Tat spricht die gesamte Gemengelage dafür.

„Es geht uns darum, was an Strahlung auf dem Gelände ist. Wir wollen wissen, wieviel – und nicht woher. Wir wollen keine Geschäftsgeheimnisse, Inventar- oder Lieferlisten, sondern die klare Angabe über das radioaktive Inventar – zusammengefasst für jede Strahlungsart. Die Öffentlichkeit hat ein Recht auf solche Informationen.“

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