Umfrage deckt Bildungslücken auf

Studentinnen des Historischen Seminars fragten Braunschweiger: Was wissen sie über die Geschichte der Stadt?

Britt Biernoth (v.l.), Tessa Rowold und Janine Tietge mit ihrer Arbeit für das Seminar bei Gerd Biegel.   

Foto: Scheibe

Britt Biernoth (v.l.), Tessa Rowold und Janine Tietge mit ihrer Arbeit für das Seminar bei Gerd Biegel.    Foto: Scheibe

Was wissen Braunschweiger Bürger über die Geschichte ihrer Stadt? Drei Studentinnen des Historischen Seminars wollten es genau wissen und machten als Seminararbeit eine Umfrage – mit teils verblüffenden Ergebnissen.

Britt Biernoth, Tessa Rowold sowie Janine Tietge starteten mit ihrem selbst entwickelten Test mit elf Fragen. "Wir haben alle Epochen der Stadtgeschichte einbezogen", sagt Britt Biernoth.

Der Umfragestart sei zäh gewesen, erinnern sich die Drei. Das Ergebnis von sechs Wochen täglicher Umfrage-Arbeit in der Innenstadt seien lediglich 100 beantwortete Fragebögen gewesen. Janine Tietge: "Die Leute, die wir ansprachen, waren erschrocken, da sie sich plötzlich in einer Prüfungssituation glaubten."

Die Umfragestrategie wurde geändert. An den beiden Hansetagen hatten sie einen Tisch vor dem Landesmuseum aufgestellt – mit Süßigkeiten für die Kinder –, und es lief. Tessa Rowold: "An den beiden Tagen bekamen wir 152 ausgefüllte Fragebogen zusammen."

Bei der Frage nach dem Stadtgründer seien erstaunlich viele Befragte davon überzeugt gewesen, dass Heinrich der Löwe für die Gründung der Stadt Braunschweig verantwortlich war. Dafür wussten 79 Prozent der Befragen, dass Heinrich für Braunschweig die wichtigste Persönlichkeit des Mittelalters ist. Aber es gab auch Antworten wie: "Der hat doch Wolfsburg gegründet."

Wie kam der Bohlweg zu seinem Namen? Auch dass der Bohlweg seinen Namen bekam, weil er auf Bohlen gebaut worden war, konnten viele beantworten: 49,6 Prozent wussten es. Aber es gab auch abstruse Antworten: "Da haben die Menschen damals doch Bowling gespielt, oder?"

Andere waren sich sicher, dass Albert Einstein (nicht Gauß) der berühmteste Braunschweiger Wissenschaftler gewesen sei, und dass Goethe und Schiller auf dem Magnifriedhof beerdigt sind. Eines der Reiterstandbilder stelle Prinz Ernst August von Hannover dar, den "Pinkelprinzen", wie einer hinzugefügt hat.

Nur 3 der 252 Befragten haben alle 11 Fragen richtig beantworten können. Was die drei Studentinnen besonders erschütterte war die Unwissenheit der Schüler. "Alles, was wir noch in der Schule über Braunschweigische Geschichte gelernt haben, wussten die nicht einmal", wundert sich Britt Biernoth.

Für Gerd Biegel, in dessen Seminar am Historischen Institut die Arbeit entstand, kein Wunder: "Es zeigt, dass der Mangel an Geschichtsunterricht, der den Schulen aufgezwungen wurde, katastrophale Folgen zeigt. Man hat unterschätzt, wie schnell Geschichte als Wissen verloren geht."

Für des Direktor des Landesmuseums ist das Ergebnis der Umfrage Bestätigung seiner Auffassung, dass eine verstärkte Museumsarbeit in der Region erforderlich ist. Denn bisher hätten sich Umfragen immer damit befasst, welche Besucher kommen ins Museum. Der neue Ansatz: In welchen Zielgruppen lassen sich neue Besucher finden?

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