Es gilt: Keine Linienflüge ab Waggum

Braunschweig  Die Debatte um Ryanair-Flüge wird immer wieder angeheizt. Doch die Umsetzung wäre viel zu teuer.

Knapp 30 000 Flüge gab es im vergangenen Jahr am Flughafen in Waggum.

Knapp 30 000 Flüge gab es im vergangenen Jahr am Flughafen in Waggum.

Foto: Rudolf Flentje

Ein Leser fragt über unser Internetportal Alarm38:

Warum wird immer wieder das Thema „regelmäßige Linienflüge“ neu aufgewärmt?

Die Debatte, ob Billigflieger Ryanair vom Flughafen bei Waggum aus Linienflüge anbieten soll, wird wieder geführt. Mitte Mai warb Ex-VW-Vorstandsvorsitzender Carl Hahn erneut für Ryanair. Ein Leser schreibt nun verärgert auf unserer Internet-Plattform Alarm38: „Ich frage mich, warum immer wieder die Thematik ‚regelmäßige Linienflüge‘ neu aufgewärmt wird?“

Experte dafür ist Reinhard Manlik (CDU). 30 Jahre lang gehört er zum Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft und war bis zum Jahreswechsel Aufsichtsratsvorsitzender. Manlik erklärt die Thematik so: „Jedes Jahr hat der Flughafen einen Zuschuss-Bedarf von etwa drei bis vier Millionen Euro. Man muss sich also schon die Frage stellen: Wie wollen wir dieses Defizit verringern?“

Als der ehemalige VW-Vorstandsvorsitzende Carl Hahn vor einiger Zeit signalisiert habe, dass Ryanair am Standort Braunschweig interessiert sei, wurde dies aufgegriffen. Aber, so Manlik: „Man verringert das Flughafen-Defizit nicht, wenn Linienflieger kostenlos oder nahezu kostenlos starten und landen. Das ist Ryan-air vorab auch mitgeteilt worden, als wir zu Gesprächen einluden.“

Eine Reaktion darauf habe es nicht gegeben, sagt Manliks Nachfolger an der Aufsichtsratsspitze, Matthias Disterheft (SPD): „Geschäftsführung und Aufsichtsrat liegt nichts vor, das ein Interesse von Ryanair am Standort Braunschweig erkennen lässt.“

Politisch ist die Debatte zurzeit unübersichtlich. Wolfsburgs CDU-Mittelstandvereinigung fordert Linienflüge, Braunschweigs CDU-Mittelstandvereinigung lehnt das hingegen strikt ab. Auch der Landtagsabgeordnete Christos Pantazis (SPD) meldete sich zu Wort. Er betrachtet es als Fehler, würde der Flughafen „mit Millionen von Steuergeldern eine Fluglinie subventionieren, die dann nicht mehr als ein Statussymbol ist“.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Disterheft verweist auf ein neues Gutachten: „Es rät entschieden davon ab, auf Linienflüge zu setzen. Das ließe sich nicht rentabel umsetzen. Der Flughafen Hannover ist schließlich nur 50 Kilometer entfernt. Das Defizit würde nicht sinken. Im Gegenteil: Es würde steigen.“

Manlik fürchtet immense Kosten, falls der Linienflug-Betrieb aufgenommen würde: „Stellen Sie sich vor, jeden Tag brechen von Waggum aus nur 500 Urlauber zu einer zweiwöchigen Reise auf. Nicht Hunderte, Tausende von Parkplätzen müssten dann vorgehalten werden.“ Doch wo sollten die gebaut werden? „Am Flughafen ist kein Platz für riesige Parkhäuser wie in Hannover. Man müsste also mit den Parkplätzen ins Flughafen-Umland und Pendelbusse fahren lassen. Das würde enorme Kosten verursachen.“

Die Passagier-Abfertigung im Flughafengebäude müsste außerdem deutlich erweitert werden. Manlik: „Wir reden hier über einen höheren zweistelligen Millionen-Betrag. Das lässt sich nicht refinanzieren. “

Disterheft unterstreicht das: „Wir betreiben einen Forschungsflughafen mit zusätzlichen Charterflügen für Unternehmen, die global aufgestellt sind. Im Aufsichtsrat wird nicht daran gedacht, das zu ändern.“

Von Linienflügen hält Diesterheft nichts: „Linienflüge haben einen Flugplan. Der Forschungsbetrieb müsste sich dem Linien-Betrieb unterordnen.“

In der Praxis hieße das, so Disterheft: „Unsere Forscher nehmen Anflug-Simulationen für Flughäfen in der ganzen Welt vor. Trifft ein Linienflieger ein, müsste die Simulation gestoppt und später wiederholt werden. Das ist Gift für einen Flughafen, der sich ganz bewusst Forschungsflughafen nennt und auch Forschungsflughafen bleiben will.“

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