Zugunfall in Wolfsburg

Reparatur des entgleisten Zuges in Wolfsburg dauert noch Monate

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Rund zwei Wochen nach dem Rangier-Unfall nahe des Wolfsburger Hauptbahnhofs sind die Reparaturarbeiten entlang der Bahnstrecke fast abgeschlossen. Ein umgefahrener Oberleitungsmast muss komplett erneuert werden. Das Ersatzteil soll Mitte Oktober installiert werden.

Rund zwei Wochen nach dem Rangier-Unfall nahe des Wolfsburger Hauptbahnhofs sind die Reparaturarbeiten entlang der Bahnstrecke fast abgeschlossen. Ein umgefahrener Oberleitungsmast muss komplett erneuert werden. Das Ersatzteil soll Mitte Oktober installiert werden.

Foto: Helge Landmann / regios24

Wolfsburg.  Vor rund zwei Wochen entgleiste in Wolfsburg eine Regionalbahn. Der Zug wird derzeit untersucht. Die Arbeiten an der Strecke sind fast abgeschlossen.

Rund zwei Wochen nach dem Entgleisen eines Regionalzugs nahe des Hauptbahnhofs sind die Reparaturarbeiten auf der Bahnstrecke noch nicht abgeschlossen. Die Weiche, die bei dem Zug-Unfall leicht beschädigt wurde, ist zwar repariert. Der umgefahrene Oberleitungsmast muss allerdings komplett erneuert werden. „Das Ersatzteil ist für Mitte Oktober avisiert und wird dann umgehend installiert“, teilte eine Bahnsprecherin auf Nachfrage unserer Zeitung mit.

Das war passiert: Am frühen Freitagmorgen, 24. September, entgleiste in Wolfsburg eine Regionalbahn des Bahnunternehmens Enno. Ersten Ermittlungen zufolge übersah der Lokführer beim Rangieren ein Signal. Der Zug geriet auf ein sogenanntes Notgleis, das nach wenigen Metern endet. Die ersten drei Waggons sprangen aus den Schienen, rammten einen Strommast und rissen eine Oberleitung herunter.

Drei Schienenkräne waren zur Bergung des Zuges aus Nordrhein-Westfalen und Hessen angekommen. Rund 20 Bahn-Mitarbeiter, in Spitzen bis zu 30, waren im Einsatz. Am Samstagabend, 25. September, stand der Zug wieder auf den Schienen. „Die Aufgleisung wurde um 18.30 Uhr beendet“, teilte ein Bahnsprecher damals auf Nachfrage mit. Infolge des Zug-Unfalls kam es zu erheblichen Verspätungen und Ausfällen im Bahnverkehr. Fernverkehrszüge fuhren erst am Sonntag, zwei Tage nach dem Zug-Unfall, wieder ohne Einschränkungen.

Reparaturen am Enno-Zug dauern mindestens neun Monate

Bis der entgleiste Enno-Zug wieder einsatzbereit ist, wird es noch mehrere Monate dauern. „Der Zug wird aktuell vermessen und der genaue Schaden an allen Bereichen des Zuges analysiert“, sagte Björn Pamperin, Sprecher der Metronom Eisenbahngesellschaft, gegenüber unserer Zeitung. Er ergänzte: „Erst dann kann die Reparatur beziehungsweise der grundsätzliche Neuaufbau des Zuges beginnen.“ Das private Bahnunternehmen rechnet mit einer Reparaturdauer von mindestens neun Monaten.

Enno in Wolfsburg ist am Freitag entgleist
Enno in Wolfsburg entgleist
Markus Kutscher

Haftungsfrage wird noch geklärt

Nach ersten Schätzungen entstand bei dem Rangier-Unfall ein Schaden in Millionenhöhe. Genau beziffert werden kann die Schadenssumme laut Deutscher Bahn und Metronom Eisenbahngesellschaft aktuell nicht. „Dafür müssen wir das Ergebnis der Untersuchungen am Zug und die weiteren Untersuchungen der Gleisanlagen abwarten“, erklärt Pamperin. Unklar ist bislang auch, wer für den Unfall haftet, denn die Enno-Bahnen nutzen das Schienennetz der Deutschen Bahn. „Die Haftungsfrage wird geklärt“, teilt die Deutsche Bahn hierzu mit.

Schwerlastkräne hoben den Regionalzug aus dem Schotterbett

Die Bergungsarbeiten gestalteten sich damals schwierig: Mitarbeiter der Deutschen Bahn waren am Samstag, 25. September, im Einsatz, um den Regionalzug mithilfe von drei Schwerlastkränen aus dem Schotterbett zu heben. Grund des Zugunfalls war ein missglücktes Rangiermanöver, das sich am Freitagmorgen um kurz nach 4.30 Uhr zwischen dem Bahnhof Fallersleben und dem Wolfsburger Hauptbahnhof ereignete. Bei dem Unfall gab es keine Verletzten, es entstand aber ein Millionenschaden.

Enno-Zug entgleist in Wolfsburg und reißt Strommasten um

Wie Björn Pamperin vom Verkehrsunternehmen Metronom mitteilte, entgleiste der Enno-Zug bei der Bereitstellung. Der Grund war nach Angaben der Bundespolizei vermutlich menschliches Versagen: Nach ersten Ermittlungen übersah der Lokführer ein Signal und geriet dadurch auf ein falsches Rangiergleis.

Da es sich bei dem Gleis um ein sogenanntes Notgleis handelt, das nach wenigen Metern endet, entgleiste die Regionalbahn und geriet mit den ersten drei Waggons auf den Schotter. Dabei fuhr sie noch einen Strommasten um und riss die Oberleitung herunter. Der Strom musste daraufhin abgeschaltet werden, und der Zugverkehr kam zwischenzeitlich zum Erliegen. Pamperin: „Es sollte die erste Fahrt des Tages werden.“

Keine Verletzten bei Rangierunfall, aber ein Lokführer unter Schock

Bei dem Zugunfall gab es keine Verletzten: Fahrgäste oder Mitarbeiter waren mit Ausnahme des Lokführers zum Zeitpunkt des Unfalls noch nicht an Bord. Nach Angaben der Bundespolizei musste der Lokführer allerdings medizinisch behandelt werden, da er unter Schock stand. An dem Zug entstand erheblicher Sachschaden. Zu hohem Schaden kam es auch an den Gleisanlagen und der Oberleitung.

Die Bundespolizei geht von einem Gesamtschaden in Millionenhöhe aus. Kurzzeitig kreiste am Freitagmorgen gegen 9.45 Uhr ein Hubschrauber der Bundespolizei über der Unfallstelle, um Luftaufnahmen für die späteren Ermittlungen zu machen.

Fernverkehrszüge umfahren Wolfsburg

Seit Freitagnachmittag, 24. September, konnten die Enno-Züge auf der Strecke Wolfsburg – Gifhorn – Hannover wieder bis zum Wolfsburger Hauptbahnhof durchfahren. Die Fahrten auf der Strecke Wolfsburg – Braunschweig – Hildesheim starteten und endeten in Fallersleben. Zwischen Wolfsburg-Hauptbahnhof und Wolfsburg-Fallersleben war ein Schienenersatzverkehr mit Bussen eingerichtet.

Die Fernverkehrszüge der Deutschen Bahn hielten überhaupt nicht in Wolfsburg. Besser sah es mit den Abellio-Zügen aus, die Richtung Stendal, Magdeburg und Halle fahren. Sie verkehren laut Abfahrttafel der Bahn fast pünktlich.

Die Regionalbahn Enno ist in Wolfsburg entgleist
Die Regionalbahn Enno ist in Wolfsburg entgleist
Barbara Benstem

Massive Auswirkungen auf den Zugverkehr der Deutschen Bahn

Aufgrund der Streckensperrung kam es zu Zugausfällen und Verspätungen der IC- und ICE-Züge, die zwischen Berlin und Düsseldorf/Köln/Bonn, Berlin und Basel, Berlin und Amsterdam und Berlin und Frankfurt verkehren. Wegen der Zugumleitungen entfielen teilweise Halte in Berlin-Spandau, Braunschweig, Hildesheim, Göttingen und Kassel-Wilhelmshöhe.

Die Bergungsarbeiten verzögerten sich und fanden am Samstag statt. Der Plan lautete, zuerst die Oberleitungen abzubauen. „Dann wird der Zug geborgen“, kündigte die Bahn-Sprecherin am Freitag an. Erst nach der Bergung lässt sich einschätzen, wie groß der Schaden an den Anlagen ist, ob die Weiche reparabel ist und wie lange die Reparatur oder der Austausch dauern werden. Eins stand laut Deutscher Bahn schon am Freitagnachmittag fest: „Samstag wird es noch zu Beeinträchtigungen kommen.“

Die Bergung wurde am Freitag zwischenzeitlich abgeblasen. Wie an der Unfallstelle zu erfahren war, ließ sich der Zug mit einem Kran nicht auf die Schienen zurückhieven. Daher wurden zwei weitere Kräne nach Wolfsburg gebracht. Die Bergung wurde verschoben.

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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