Wolfsburger erforscht die Vergangenheit seines Dorfes

Wolfsburg.  Früher interessierte sich Ulrich Bergrath nie für Geschichte. Heute kann der 75-Jährige aus Wolfsburg-Hattorf nicht genug davon bekommen.

Ulrich Bergrath erforscht seit mehreren Jahren die Geschichte seines Heimatortes Hattorf. 

Ulrich Bergrath erforscht seit mehreren Jahren die Geschichte seines Heimatortes Hattorf. 

Foto: Stephanie Giesecke

Ulrich Bergrath kennt sich nicht einfach nur ein bisschen aus mit der Geschichte seines Heimatortes. Der Hattorfer kann davon erzählen wie vielleicht kein anderer. Seit mehreren Jahren erforscht Bergrath, wie es in dem kleinen Dorf im Süden Wolfsburgs früher zuging.

Im März wollte Bergrath eigentlich neue Vorträge in der Heimatstube halten. Der erste, in dem es um die Hattorfer Ritter ging, fand auch noch statt. Der zweite über die Adelsfamilien von Marenholtz und von der Wense nicht mehr. Da hatte Corona dazwischengefunkt. Und heute ist der 75-Jährige gar nicht mehr traurig darüber. Bot ihm doch das letzte halbe Jahr Gelegenheit, noch viel tiefer in die Materie einzusteigen.

“Ritter sein war gar nicht so billig“, sagt Ulrich Bergrath

Wer hätte gedacht, dass ein von Marenholtz schon 969 als Teilnehmer eines Ritterturniers in Merseburg genannt wurde? Ulrich Bergrath hat diese Information im Staatsarchiv Wolfenbüttel ausgegraben. Genauso wie eine lange Leichenpredigt aus dem Jahre 1618, die unter anderem die für den Hattorfer neue Information enthielt, dass die Großmutter des Verstorbenen mit Joachim von der Schulenburg verheiratet war. „Das ist der Wahnsinn“, freut er sich. Die Predigt gab er gleich dem Pastor.

Das Gut in Hattorf bewohnte ein Familienzweig vom 14. bis 17. Jahrhundert. Möglicherweise auch dank der Verwandtschaft mit einem Hofmarschall hatten die von Marenholtzs viele Lehen. „Überall haben die ihren Zehnten her bekommen“, erzählt Bergrath. Was wohl auch nötig war. „Ritter sein war gar nicht so billig.“

Ein von der Marenholtz zog im 12. Jahrhundert in Jerusalem ein

Dem Elektroingenieur, der viel herumkam und erst in den 80er-Jahren nach Hattorf zurückzog, ist es wichtig, nicht nur zu lesen. Gern sucht er auch die Orte auf, zu denen seine Forschungsobjekte Verbindungen hatten, oder pflegt Kontakt zu Menschen, die Dinge wissen könnten, die er nicht weiß. 2014 etwa hat er mit Joachim von Marenholtz gesprochen und bekam bei dieser Gelegenheit bestätigt, dass einer von dessen Vorfahren im 12. Jahrhundert bei einem Kreuzzug nach Jerusalem dabei war.

Nachdem die Familie von Marenholtz Hattorf Anfang des 17. Jahrhunderts verlassen hatte, übernahm wenig später die Familie von der Wense das Gut. „Eine Familie, die es weit gebracht hat“, wie Bergrath betont. Viele von der Wenses hatten Ämter im Ausland, einer war Truppeninspektor in Ostindien. Georg Friedrich von der Wense spendete 1681 die Orgel in der Hattorfer Kirche St. Nicolai. „Ein Meisterwerk“, schwärmt Ulrich Bergrath.

Dokumente aus dem 18. Jahrhundert lagen einfach auf dem Dachboden

Mit der Kirche kennt sich der Hattorfer nach Jahren geschichtlicher Nachforschungen so gut aus, dass er für die Zukunft eine Führung am Tag des offenen Denkmals plant. Zurzeit türmen sich auf einem Tisch vor seinem Schreibtisch schon wieder frisch eingetroffene Ordner mit Dokumenten aus dem 18. und 19. Jahrhundert. „Da hat einer seinen Boden aufgeräumt“, sagt Bergrath, der sich übrigens nach eigenen Angaben früher nie sehr für Geschichte interessierte.

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