Klinikum Wolfsburg im Fokus: zwischen Ärger und Lob der Leser

Wolfsburg.  Nach dem Besuchsproblem-Fall üben Leser Kritik. Viele haben aber auch Verständnis in der Corona-Situation. Eine Krankenschwester gibt Einblicke.

Wegen der Corona-Pandemie sind die Klinikumsbesuche reglementiert.

Wegen der Corona-Pandemie sind die Klinikumsbesuche reglementiert.

Foto: Weber / rs24 (Archiv)

Der Fall um die Frau, die am Klinikum außerhalb der regulären Besuchszeit zunächst abgewiesen worden war, obwohl ihr Vater auf der Intensivstation lag, hat hohe Wellen geschlagen. Viele Leser kommentierten den Vorgang. Danach scheint es sich nicht um einen Einzelfall zu handeln. Allerdings gibt es auch viele, die das Wolfsburger Klinikum und seine Mitarbeiter insbesondere in der angespannten Corona-Situation ausdrücklich loben für den Job, der da geleistet wird.

Betroffene Tochter äußerte Verständnis für Personal am Empfang

Sogar die Tochter, deren Vater dann in der Nacht zu Donnerstag im Klinikum gestorben war, hatte trotz ihrer persönlichen Ausnahmesituation im Nachhinein Verständnis für das Personal am Empfang geäußert und die Freundlichkeit der Krankenschwestern auf der Intensivstation hervorgehoben.

Überwiegend positiv äußerte sich eine Leserin bei den WN auf Facebook: „Mein Papa ist Mitte August im Klinikum gestorben, in der Sterbephase wurde es uns ermöglicht, bei ihm zu sein, Uhrzeit war egal! Dafür bin ich dankbar“, schrieb sie. Merkte aber auch an, dass das wohl von Station zu Station durchaus unterschiedlich sei.

Kritik an fehlender Schweigepflicht-Entbindung

Das schilderte auch eine andere Userin. „Auch die Schwestern sind von Station zu Station anders. Ich lag mit mehreren älteren Frauen in einem Zimmer … die Schwestern waren super, haben viel Geduld gehabt beim Waschen usw., das konnten die älteren Damen nicht mehr alleine.“ Ihre Oma dagegen habe auf einer anderen Station gelegen, dort sei es nach ihrer Meinung eine „Katastrophe“ gewesen.

Per E-Mail meldete sich ein Leser und kritisierte, „dass das Klinikum nicht von der Schweigepflicht entbunden wurde, nachdem vorher eine sehr umfangreiche öffentliche Kampagne ausgelöst wurde. Das ist unfair und wird der im Klinikum geleisteten Arbeit nicht gerecht“.

Angehöriger eines Patienten hat größte Hochachtung

Er selbst habe aktuell ganz andere Erfahrungen gemacht: Ein sehr enges Familienmitglied sei nachts wegen eines Notfalls ins Wolfsburger Klinikum eingeliefert worden. Durch die engagierte Leistung der Ärzte und Pflegekräfte „wurde ein Leben gerettet!“ Während der Besuche auf der Station sei ihm sehr bewusst geworden, wie sehr alle dort Tätigen ständig hohem fachlichen und persönlichen Druck ausgesetzt seien. Hinzu kämen die Corona-Regeln, die Patienten, Personal und Besucher schützen sollen, aber auch für alle belastend seien. „Das verdient größte Hochachtung!“

Eine Krankenschwester wiederum warb auf Facebook um Verständnis. Das Personal müsse sich an Anweisungen halten. Und: „Uns Krankenschwestern tut das auch in der Seele weh, wenn die Patienten keinen oder kaum Besuch bekommen dürfen.“ Es müssten aber Vorschriften eingehalten werden, um Patienten und Personal vor dem Corona-Virus zu schützen. „Gerade die Angehörigen unterstützen ja auch uns Pflegekräfte, indem sie zum Beispiel das Essen selbst an den Patienten anreichen oder ihre Angehörigen in der Grundpflege übernehmen, da wir ja eh schon immer sehr wenig Zeit haben, die uns jetzt ja noch mehr fehlt.“

Onlineregistrierung für regelmäßige Klinikumsbesucher

Nach Bekanntwerden des Falls wies Klinikumssprecher Thorsten Eckert noch auf spezielle Besucherregelungen hin. „Wir haben den Eingangsbereich für Besucher optimiert. Der Wartebereich ist in das Foyer des Klinikums verlegt worden. Somit sind die Besucher vor Wind und Wetter geschützt.“

Der Sprecher weiter: „Am Einlass weisen wir zudem alle Besucher auf die Möglichkeit der Onlineregistrierung hin. Diese kann an mehreren Stationen auch direkt vorgenommen werden und ist nur einmal erforderlich.“ Danach könnten vor allem häufige Besucher per Barcode, den Sie per E-Mail erhalten und sich ausdrucken können, jedes Mal schneller den Einlass passieren. Beim Verlassen des Klinikums werde mit dem Code ausgecheckt.

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