In Corona-Zeiten boomen Treffen in der Fallersleber Altstadt

Fallersleben.  In der Westerstraße treffen sich in einem Eiscafé seit vielen Jahren Stammrunden zum gemütlichen Beisammensein.

Arnim Schubring (von rechts), Karl Kiene und viele andere müssen aufs Reisen verzichten ­– aber nicht auf ihre Fallersleber Altstadt.

Arnim Schubring (von rechts), Karl Kiene und viele andere müssen aufs Reisen verzichten ­– aber nicht auf ihre Fallersleber Altstadt.

Foto: Claudia Caris

Es ist eine vielschichtige Truppe, es sitzen auch nicht alle an einem großen Tisch, aber die meisten sind regelmäßig da. Sie alle verbindet die Liebe zu Fallersleben und seinen Besonderheiten und Liebenswürdigkeiten. Für einige sind die Zusammenkünfte vor dem Eiscafé in der Altstadt in den seltsamen Corona-Zeiten sogar noch wichtiger geworden.

So wie für Arnim Schubring, in Fallersleben bekannt als Autor und Humorist, der auch regelmäßig Lesungen hält. „Hier findet Austausch statt, hier wird geweint und gelacht“, erzählt er, der quasi täglich kommt, insbesondere mittwochs, wenn Markt ist. „Morgens ist das immer so eine ganz besondere Stunde. Für mich ist das sowas wie mein Wohnzimmer. Und wenn der Brunnen läuft, ist das nochmal schön“, schwärmt der Rentner, der seit rund 20 Jahren in Fallersleben lebt. Einzig die mächtige alte Linde stört ihn ein wenig, „ohne Lindenblütentee wär es noch schöner“, scherzt er.

Sinnieren über die Vorzüge der Hoffmannstadt

Schubring findet, dass aufgrund der Beschränkungen in der Corona-Pandemie erst so richtig durchkommt, „dass man Zeit hat, über sich selbst nachzudenken“. Aber auch, um über die Vorzüge der Hoffmannstadt zu sinnieren: „Wir haben es hier so schön, wir haben so kleine Inseln wie den Schlossteich und andere.“ Das seit Monaten überwiegend gute Wetter tue sein Übriges.

Der Fallersleber macht das Beste draus, obwohl er in der ihm eigenen Art einräumt: „Ich bin gar nicht gut zu sprechen auf Corona, es ist eine blöde Zeit. Man ist überall beschnitten. Ich bleibe dieses Jahr hier und warte auf die Impfung.“ Normalerweise wäre er unter anderem nach Sardinien und Usedom gereist. Was ihn sehr beschäftigt: „Was bringt der Herbst? Darüber machen sich jetzt alle Gedanken.“

Frauenrunde vermisst Umarmungen und Küsschen

Auch die große Runde am Tisch nebenan. Zweimal wöchentlich treffen sich die Frauen aus Fallersleben, Sülfeld und Velpke zum Stammtisch in der Altstadt. „Wir sind in Fallersleben groß geworden. Einige von uns kennen sich 60 Jahre oder länger, seit der Schulzeit“, verrät Anne Geissler aus Sülfeld. „Derzeit treffen wir uns leider nur auf Abstand. Was ich sehr vermisse, sind die Umarmungen und Küsschen, die wir uns jetzt nicht geben.“

Die Frauenrunde ist sich einig: „Wir haben hier eine gemütliche, süße Altstadt. Man kennt ganz viele Leute. Normalerweise hätten wir uns kürzlich auch zum Altstadtfest getroffen.“ Und wie soll’s werden, wenn das Draußensitzen keine Option mehr ist? „Im Winter gehen wir eben rein.“

Vielen fehlen die schönen Fallersleber Veranstaltungen

Bestimmt 15 Jahre trifft sich ein anderes Grüppchen in der Westerstraße. „Wenn das Wetter schlechter wird, müssen wir uns halt warm anziehen“, sieht es Jutta Beilke ganz pragmatisch. Wie auch den anderen in der Runde fehlen ihr die Feste, für die Fallersleben bekannt ist. „Unsere schönen Veranstaltungen sind alle ins Wasser gefallen. Am schlimmsten war, dass das Schützenfest und das Altstadtfest nicht stattfinden konnten“, erzählt sie.

Die Fallersleberin sieht aber auch positive Effekte: „Wir haben alle Urlaubsreisen storniert und sind zwangsläufig zu Hause. Dadurch bewegt man sich viel mehr – Hauptsache raus. So viel Fahrrad gefahren wie jetzt bin ich noch nie.“

Zusammensitzen am Brunnen unter der Linde

Ebenfalls schon seit rund 15 Jahren kommen Ingrid und Hubert Paluch in die Westerstraße, fast täglich. „Es ist sehr familiär hier“, sagt die Fallersleberin. „Und derzeit verreisen wir wegen Corona nur tageweise. Aber was brauchen wir Mallorca? Wir haben doch Fallersleben – es gibt hier so viel zu erkunden.“

Hausherr Karl Kiene weiß zu berichten, dass der dortige Westertorbrunnen, der sich aus einer artesischen Quelle speist, wegen zu wenig Grundwasser derzeit nicht plätschert. Dafür schätzt er, anders als Arnim Schubring, die alte Linde: „Die habe ich als Kind einmal am Tag des Baumes selbst gepflanzt.“

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder