Unfall-Kapitän aus der Sülfelder Schleuse ermittelt

Sülfeld.  Laut Wasserschutzpolizei kommt der entscheidende Hinweis von einem Schleusen-Mitarbeiter. Das Schiff liegt bis auf Weiteres in Sülfeld.

Von Hand treidelten fünf Leute den havarierten Frachter aus der südlichen Schleusenkammer.

Von Hand treidelten fünf Leute den havarierten Frachter aus der südlichen Schleusenkammer.

Foto: Anja Weber / regios24

Es muss mächtig gerummst haben in der Südkammer der Doppelschleuse, als am frühen Donnerstagnachmittag das unbeladene Schiff gegen die Schwelle des oberen Schleusentors rumpelte. Wie berichtet, war der Frachter durch die Kammer gerauscht und am westlichen Ende nicht rechtzeitig zum Halten gekommen. Inzwischen steht für die Wasserschutzpolizei Hannover auch fest, wer beim Unfall am Steuerrad stand.

Video-Vollüberwachung der Schleusen-Anlage

Das war am Donnerstag zunächst nämlich unklar gewesen. Zum Zeitpunkt der Kollision waren nur zwei Besatzungsmitglieder an Bord, beide haben ein Kapitänspatent. „Aufgrund der Aussage eines Schleusenbediensteten steht jetzt fest, wer am Steuer war“, berichtete eine Sprecherin der Wasserschutzpolizei unserer Zeitung am Freitag. Der habe, auch dank der Video-Vollüberwachung der Schleusen-Anlage, eindeutig gesehen, dass der 62-Jährige am Steuerstand gewesen sei, der 66-Jährige habe vorne an Deck gestanden, sagte die Polizistin.

„Der Frachter war auf jeden Fall zu schnell, sonst hätte der Schiffsführer das Aufstoppen noch hinbekommen“, sagte die Beamtin zum Unfallhergang. „Allerdings hatte es wohl auch kein volles Tempo.“ Sonst wären die Schäden an Schiff und Schleusentor nicht so gering ausgefallen. Sowohl der Frachter als auch das Klapptor waren noch betriebsbereit.

Vernehmungen der beiden Besatzungsmitglieder anfangs schwierig

Die Vernehmungen der beiden Männer auf dem polnischen Frachter, der früher unter niederländischer Flagge gefahren sei und üblicherweise Trockengüter transportiert, hätten sich anfänglich schwierig gestaltet, da ein Dolmetscher erforderlich war, hieß es weiter von der Wasserschutzpolizei.

Wie stark alkoholisiert der Kapitän und sein Kollege tatsächlich waren, stehe noch nicht fest, die Untersuchungen liefen noch. Am Donnerstag hatte es allerdings schon geheißen, dass es bei beiden mehr als 2 Promille gewesen seien. Daher wurde die Weiterfahrt untersagt.

Männer treidelten den Frachter aus der Schleusenkammer

Wie unsere Zeitung weiter erfuhr, konnte am Donnerstag auch durch die Sülfelder Südkammer ab 18 Uhr wieder geschleust werden. Größere Staus im Ober- oder Unterwasser vor der Doppelschleuse seien nicht entstanden.

Das nur leicht ramponierte Schiff wurde übrigens allein mit Muskelkraft aus der Schleuse gezogen: Wie zu hören war und auf dem Foto auch zu sehen ist, haben fünf Männer den Frachter mithilfe von Tauen aus der Kammer getreidelt. Er liegt bis auf Weiteres im südwestlichen Vorhafen.

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