Wolfsburgs GEW-Vorsitzender fordert Verzicht auf Ehrenrunde

Wolfsburg.  Momentan kann aus Sicht des Wolfsburger Lehrers Thomas Eisenhuth auch im Präsenzunterricht vom schulischen Normalzustand nicht die Rede sein.

Halbierte Klassen, Unterricht im Rotationsverfahren. So läuft Schule momentan an der Hauptschule Fallersleben und den anderen Wolfsburger Schulen.  

Halbierte Klassen, Unterricht im Rotationsverfahren. So läuft Schule momentan an der Hauptschule Fallersleben und den anderen Wolfsburger Schulen.  

Foto: Darius Simka / regios24

An den Schulen läuft zurzeit nichts wie sonst - weder für die Schüler noch für ihre Lehrer. Der Wolfsburger GEW-Vorsitzende Thomas Eisenhuth fordert dennoch so viel Schule wie möglich. Er beantwortete die Fragen von Stephanie Giesecke per E-Mail. Seine Antworten werden gekürzt wiedergegeben.

Die GEW in Niedersachsen hat gerade gefordert, alle Prüfungen außer dem Abitur in diesem Schuljahr zu streichen. Hält die GEW in Wolfsburg dies auch für notwendig?

Thomas Eisenhuth: Für Wolfsburg und seine weiterführenden Schulen muss es sofort drei wesentliche Veränderungen im Schulbetrieb geben: kein Sitzenbleiben, somit auch keine Wechsel an andere Schulformen bei Nichtbestehen des Schuljahres und keine verpflichtenden Prüfungen mit Ausnahme des Abiturs. Diese Meinung wird auch seitens des Landesverbandes der GEW vertreten.

Seit einigen Wochen findet an den Schulen wieder Präsenzunterricht statt. Wie läuft es aus Lehrersicht?

Nicht so gut, wie es immer seitens des Kultusministeriums gesagt wird. Für Lehrerinnen und Lehrer ist ihre Gesundheit noch stärker in Gefahr als zuvor, da natürlich die Gefährdung einer Infektion bestehen kann. Der Anspruch, allen Schülerinnen und Schülern gerecht zu werden und gleichzeitig Präsenzunterricht unter erschwerten Bedingungen sowie die Betreuung des Homeschoolings zu gewährleisten, ist nur schwer zu erfüllen. Diese Kombination bringt enorme Belastungen für die Schulbeschäftigten, natürlich auch Hausmeister und Sekretärinnen, mit sich.

Sind alle Hygienevorgaben, Abstandsregeln, etc. im Schulalltag einzuhalten?

Lehrer sind keine Virologen, und trotzdem lässt sich fordern: Unter der Maßgabe des Gesundheitsschutzes soll es so viel Schule wie möglich geben! Denn nur die Präsenz gewährleistet, dass ohnehin benachteiligte Kinder nicht noch weiter zurückfallen. Die ersten Erfahrungen mit dem schrittweisen Öffnen der Schulen zeigen allerdings auch, dass Pauschallösungen nicht möglich sind. Bei der jeweiligen Bewertung vor Ort muss klar sein: Der Gesundheitsschutz der Beschäftigten und der Schülerinnen und Schüler steht an erster Stelle.

Die Lehrer müssen neben dem Unterricht vor Ort auch Fernunterricht erteilen. Wie gut funktioniert das?

Das niedersächsische Schulsystem war und ist geprägt vom Präsenzunterricht vor Ort. Derzeit wird aber mit dem Wort „Präsenzunterricht“ der Eindruck erweckt, als ob anteilig Unterricht wie im „Normalzustand“ stattfinden könnte. Dieses ist weder für Lernende noch Beschäftigte der Situation angemessen, zielführend und auch nicht leistbar. Zudem erfordert die jetzige Situation viel Neues und Kreatives von den Lehrkräften, sie versuchen, mithilfe ihrer eigenen Technik unter den Vorgaben der Schulleitungen und des Kultusministeriums alle Schülerinnen und Schüler sowie die Eltern zu erreichen und ihnen die Aufgaben zu erklären. Dies ist bei der doch sehr unterschiedlichen technischen Ausstattung der Elternhäuser und den Rahmenbedingungen nicht einfach.

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Wie groß ist die Arbeitsbelastung?

Die Schulen müssen bei der Ausgestaltung von Präsenzzeiten und der Formen des häuslichen Lernens sowohl die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten, den Gesundheitsschutz und die größtenteils veränderten Lebenslagen aller Lernenden und ihrer Familien berücksichtigen. Dies erfordert gerade von den Schulleitungen vor Ort, den Lehrerinnen und Lehrern sowie auch den Schülern und Eltern sehr viel Engagement und ist für alle eine große Herausforderung.

Nach und nach sollen weitere Jahrgänge an die Schulen zurückkehren. Bis zu welchem Punkt halten Sie das für machbar?

Zum derzeitigen Zeitpunkt lässt sich das nur erahnen, spätestens, wenn die Grundschulen komplett sind oder an den weiterführenden Schulen die Jahrgänge 7 und 8 wieder zur Schule kommen, werden bauliche Voraussetzungen vor Ort - zu enge Flure, nicht trennbarer Hofbereich, zu wenige Hygieneräume, etc. - das vollständige Einhalten der Hygienevorschriften fast unmöglich machen. Auch kann die Anzahl der zur Verfügung stehenden Beschäftigten sicher nur bedingt dafür sorgen, dass die vorgegebenen Präsenzzeiten in ausreichendem Maße gewährleistet werden können.

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