Als sich in Wolfsburg Topreiter ein Stelldichein gaben

Wolfsburg.  Gestern und heute: Wolfsburg war über viele Jahre Gastgeber von hochklassigen Reit-Veranstaltungen. Das lag auch an Volkswagen,

1951 gab es auf dem Klieversberg Geländereiten und Turniere vor der Kulisse der entstehenden Volkswagenstadt.

1951 gab es auf dem Klieversberg Geländereiten und Turniere vor der Kulisse der entstehenden Volkswagenstadt.

Foto: Fritz Jesse / IZS

Zum Schauplatz großer internationaler Turniere wurde Wolfsburg 1966, als es um den „Goldenen Käfer“, den Großen Preis der Volkswagen AG, ging. Bekannte Reiter schwangen sich in den Sattel: darunter Hermann Schridde, Alwin Schockemöhle, Gert Wildfang und Ludger Beerbaum. Mit dem passionierten Reiter Horst Münzner hatte der Reit- und Fahrverein im VW-Vorstand einen kompetenten Förderer. Die Anerkennung blieb nicht aus: 1969 kamen die besten Dressurreiter Europas, um ihren Meister zu ermitteln. 1998 fuhren die Gespanne die Weltmeisterschaften und zugleich die Deutschen Meisterschaften der Fahrer mit Behinderung aus. 2000 folgte die Weltmeisterschaft der Vierspänner. Reiter aus 37 Nationen waren hier.

Es war ein langer Ritt in die großen Erfolge. Pferde gehörten seit jeher zum Schlossbezirk Alt-Wolfsburg, wo in den Remisen heute das Stadtmuseum eingerichtet ist. Und vor der Fritz-Thiedemann-Reithalle gab es weitere Stallungen der Grafen von der Schulenburg. Die Familie förderte den Reitsport, organisierte die Vierspänner-WM. In Fallersleben gründeten begeisterte Reiter 1924 einen Reitverein, der am 15. Februar 1956 mit Wolfsburg fusionierte. Zuvor, 1951 gab es auf dem Klieversberg Geländereiten und Turniere vor der Kulisse der entstehenden Volkswagenstadt.

Es waren keine national beachteten Turniere, sagte uns Jürgen Kackstein. Aber sie zeigten, wie das Pferd auch zur Autostadt gehörte. Auf einem Sandplatz an der Fallersleber Straße (heute nach Heinrich Nordhoff benannt) und auf den Wiesen, wo in den 1960er-Jahren das so genannte Italiener-Dorf errichtet wurde, gab es Wolfsburger Turniere. 1956 ritt Madelaine Winter das Pferd von Heinrich Nordhoff. Hans-Joachim Zimmermann, Organisator der Turniere, und Jürgen Kackstein, Turnierreiter und Vereinsvorsitzender (1985 bis 2009), berichten darüber im gut gestalteten Buch „Von roten Röcken und goldenen Käfern“ (1966 bis 2004).

Über die „wilden Turniere“ mit improvisierten Hindernisse ist dagegen wenig überliefert. Und heute richtet der Reit- und Fahrverein (Traditionsverein Fallersleben und Hasenwinkel) Turniere wie 2019 die Landesmeisterschaften im Vierkampf und den Schulpferde-Cup aus.

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