Ermittlung zu Wolfsburger Coronaausbruch kurz vor Abschluss

Wolfsburg.  Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hat nach dem verheerenden Coronaausbruch in einem Wolfsburger Pflegeheim neue Hinweise erhalten.

Die Polizeiinspektion Wolfsburg wartet auf einen richterlichen Beschluss, um an die Akten verstorbener Heimbewohner zu kommen.

Die Polizeiinspektion Wolfsburg wartet auf einen richterlichen Beschluss, um an die Akten verstorbener Heimbewohner zu kommen.

Foto: Bernward Comes (Archiv)

Für die Diakonie Wolfsburg ist der Coronaausbruch im Hanns-Lilje-Heim ein tragisches Ereignis. Die Justiz beschäftigt die Frage, ob jemand für den Tod zahlreicher Bewohner verantwortlich zu machen ist.

Wie berichtet, leitete die Staatsanwaltschaft Braunschweig Ende März Ermittlungen ein. Anlass war eine Anzeige eines Wolfsburger Rechtsanwaltes wegen fahrlässiger Tötung. Mit den Ermittlungen betraut wurde die Polizei Wolfsburg. Sie berichtet nun auf Anfrage, das Verfahren stehe kurz vor der Abgabe an die Staatsanwaltschaft. „Wir warten auf die Freigabe der Krankenakten“, sagt Polizeipressesprecher Thomas Figge. Dafür sei ein richterlicher Beschluss notwendig.

Angehörige erhalten keinen EInblick in Heim-Akten

Einblick in die Akte ihres Vaters würde auch eine 37-jährige Hinterbliebene gerne nehmen. Sie sagt, der Heimleiter habe das bis jetzt abgelehnt. Die Diakonie erklärt dazu, Bewohnerakten seien Eigentum des Heims. „Sie sind interne Dokumente zur Steuerung des Pflegeprozesses gemäß unseres Auftrags“, so die Pressesprecherin Bettina Enßlen.

Die 37-Jährige hat sich wegen der Missstände, die sie im Hanns-Lilje-Heim sieht, Ende April an die Polizei gewandt und danach auch die Staatsanwaltschaft informiert. Nach Angaben des Ersten Staatsanwalts Christian Wolters ist der Vorgang zumindest formal noch nicht bekannt. „Er wird aber mit Sicherheit bei der Polizei in Wolfsburg von den Kollegen mitbearbeitet, die auch mit den bisherigen Ermittlungen zu den Todesfällen im Hanns-Lilje-Heim betraut worden sind“, versichert er. „Die in der neuen Strafanzeige - so darf man die Sachverhaltsschilderungen sicher bezeichnen - enthaltenen Sachverhalte fließen selbstverständlich in die bisherigen Ermittlungen ein.“ Polizeisprecher Thomas Figge bestätigt: „Das ist alles ein Verfahren.“

Staatsanwaltschaft hat weitere Hinweise zu Hanns-Lilje-Heim erhalten

Die Staatsanwaltschaft hat mittlerweile weitere Hinweise erhalten. Christian Wolters spricht von „einigen wenigen“ Schreiben, die nicht als eigenständige Strafanzeigen zu verstehen seien, deren Inhalt aber in die Ermittlungen einbezogen werde. Es bleibe abzuwarten, ob sich daraus neue Informationen oder Ermittlungsansätze ergäben, so Wolters.

Auf die Frage, ob die Polizei inzwischen Bewohner, Angehörige oder Mitarbeiter des Hanns-Lilje-Heims befragt hat, antwortet der Erste Staatsanwalt, er vermöge nicht zu sagen, welche Zeugen bereits befragt wurden. „Pflegedokumentationen oder Krankenakten, für deren Einsicht es einer richterlichen Anordnung bedürfte, sind nach meiner Kenntnis bislang nicht eingesehen worden“, so der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft.

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